Während ein Korruptionsskandal in Ghana die Existenz des Fußballverbands bedroht, feiert ein Spieler der Regionalliga Bayern sein Debüt für die Nationalmannschaft des westafrikanischen Landes. Kwasi Wriedt vom FC Bayern kam in beiden Spielen zum Einsatz und musste zum Einstand sogar einen Tanz vorführen.
Ein Dokumentarfilm deckte jüngst gravierende Missstände in Ghanas Fußballverband auf. Ein millionenschwerer Korruptionsskandal, in dem der inzwischen zurückgetretene Verbandspräsident Kwesi Nyantakyi verwickelt war, wurde erst kürzlich publik. Der ghanaische Verband steht nun vor der Auflösung, nachdem das höchste Gericht des Landes die vorläufige Stilllegung des gesamten Geschäftsbetriebs bestimmte und das komplette Führungspersonal suspendierte. Die Vorwürfe richten sich allerdings nicht nur gegen Funktionäre, sondern auch gegen Teammanager und Referees, weshalb die sofortige Auflösung des Verbandes angeordnet wurde.
"Die Huh-Rufe live mitzuerleben, ein cooles Erlebnis"
Sportlich gesehen war Wriedts Abenteuer mit der Nationalmannschaft ein voller Erfolg. Der gebürtige Hamburger, der im Sturmzentrum mit Emmanuel Boateng vom Spanischen Erstligisten UD Levante und Raphael Dwamena vom FC Zürich zwei gestandene Profis in der selben Altersklasse vor sich hat, kam immerhin auf zwei Kurzeinsätze. Wriedt, der bis auf 24 Erstligaminuten ausschließlich in der viertklassigen Regionalliga zum Einsatz kam, wurde bei beiden Testspielen eingewechselt. Bei seinem Debüt durfte er Ende Mai die letzten acht Minuten beim 2:0-Sieg in Yokohama über Gastgeber Japan genießen. Seinen zweiten A-Länderspieleinsatz feierte er eine Woche später beim 2:2-Unentschieden im Freundschaftsspiel in Reykjavík gegen die isländische Nationalmannschaft. Er wurde beim Stand von 1:2 eingewechselt, spielte 21 Minuten und durfte den Ausgleich auf dem Feld miterleben. Gegenüber der BILD schwärmte Wriedt von der Stimmung, für die die isländischen Fans gesorgt hatten. "Die Huh-Rufe live mitzuerleben, war schon ein cooles Erlebnis. Dass das ganze Stadion mitmacht, war überragend. Ziemlich laut!"
Nach Japan und Island wartet Ismaning
Der Angreifer, der erst im Sommer für 400.000 Euro aus Osnabrück zum FCB kam, ist nach seinem ersten Mal in der A-Nationalmannschaft zufrieden mit sich selbst und meinte gegenüber der BILD ebenfalls, "der Nationaltrainer war zufrieden mit meiner Leistung!" Außerdem musste sich Wriedt dem Willkommensritual stellen und vor seinen Nationalmannschaftskollegen tanzen. Allerdings fand dies erst verspätet im Hotel in Reykjavík statt. "Das war zu einem afrikanischen Lied. Es herrschte gute Stimmung, und ich bin ja nicht so hüftsteif. Also alles ganz entspannt Diese Kultur aus Ghana nehmen wir in den Sport mit - es wird viel gesungen und getanzt. Das schweißt uns als Team noch mehr zusammen", meint der Bayern-Stürmer nach seinem Abenteuer. Doch nun gilt die Konzentration wieder den kleinen Bayern, mit denen er in die dritte Liga aufsteigen will. Das erste Testspiel unter dem neuen Amateure-Trainer Holger Seitz findet bereits am kommenden Samstag statt. Doch dann heißt der Gegner nicht mehr Japan oder Island, sondern FC Ismaning.