"Die Kunst ist es, wieder aufzustehen"
Donnerstag 17.11.16 08:00 Uhr|Autor: Gelnhäuser Tageblatt319
Der 75-fache albanische Nationalspieler Ervin Skela feiert heute seinen runden Geburtstag. Archivfoto: bne

"Die Kunst ist es, wieder aufzustehen"

GL FFM OST: +++ Früher Bundesliga-Profi bei der Eintracht, jetzt Gegner von Pfaffenhausen und Somborn: Ervin Skela wird heute 40 Jahre alt +++

GELNHAUSEN. Er ist zweifelsfrei der prominenteste Fußballer in der Gruppenliga Frankfurt Ost. Beim Tabellenzweiten FC Hanau 93 zieht der 75-fache albanische Nationalspieler Ervin Skela im Mittelfeld die Fäden, ist Gegner der heimischen Vereine SV Pfaffenhausen und SV Somborn. Heute feiert der ehemalige Bundesliga-Profi der Frankfurter Eintracht seinen 40. Geburtstag. Im Gespräch mit dem GT blickt Skela auf eine lange Karriere zurück, die ja noch nicht beendet ist. Am Sonntag steht für Skela und seine 93er an der Hanauer Kastanienallee das Gipfeltreffen mit dem noch ungeschlagenen Spitzenreiter JSK Rodgau an.




Spüren Sie ihr fortgeschrittenes Alter eigentlich nach den Gruppenligaspielen, oder stecken Sie die Belastungen dort locker weg?

Bislang habe ich noch nichts gemerkt, denn ich hatte ja beim Alter immer noch die Zahl drei vorne stehen (lacht). Nein im Ernst: Knochen und Knie halten. Ich bin nach wie vor sehr aktiv und das Kicken mit den jungen Burschen hält mich ja auch jung.

Sie sind für die Eintracht-Frankfurt-Fußballschule und den SC Hessen Dreieich als Nachwuchstrainer aktiv. Wie gefällt Ihnen die Arbeit im Juniorenbereich?

Sehr gut, ich mache das jetzt seit zwei Jahren. Der Kontakt kam seinerzeit über Charly Körbel zustande, der mich ja damals als Spieler auch für die Eintracht entdeckt hat und meinen Wechsel aus Mannheim in die Wege geleitet hat. Es läuft ganz gut, die Sommer-Camps sind immer schnell ausgebucht, es werden viele Events veranstaltet. Ich war mit meiner Mannschaft zehn Tage bei einem Turnier in China und auch schon im Trainingslager in Abu Dhabi. In erste Linie gilt es, Talente aus der Region zu fördern.

Wird es irgendwann auch einen Trainer Ervin Skela im Seniorenbereich geben?

Man soll ja niemals nie sagen. Aktuell bin ich mit meiner Aufgabe bei der Eintracht-Frankfurt-Schule als C-Juniorentrainer des SC Hessen Dreieich sehr zufrieden. Das Projekt Dreieich ist ja auch langfristig ausgerichtet. Seit Rudi Bommer und Ralf Weber die erste Mannschaft trainieren, stimmen Erfolg und Strukturen. In diesem Verein sind Leute wie unter anderem Charly Körbel am Werk, die richtig Ahnung haben.

Welcher Trainer Ihrer Karriere hat Sie am meisten beindruckt?

Wissen Sie, als junger Spieler hat man immer etwas auszusetzen. Jetzt im Nachhinein und aus einer anderen Position heraus sehe ich vieles anders. Jeder Trainer ist verschieden, jeder hat seine eigene Philosophie und ich gebe im Nachhinein allen Recht. Egal ob hart oder weich, ich habe von jedem etwas gelernt und versuche das Beste davon in meine eigene Arbeit einfließen zu lassen.

Sie bestritten 75 Länderspiele für ihr Heimatland Albanien. Bei der Europameisterschaft in diesem Jahr war Albanien erstmals bei einem großen Turnier dabei. Wie sehr ärgert es Sie im Nachhinein, dass zu Ihrer Zeit nie eine Qualifikation geglückt ist und wie bewerten sie die aktuelle Qualität des albanischen Fußballs?

Ich bin stolz darauf 75 Mal das Trikot der Nationalmannschaft getragen zu haben und Kapitän gewesen zu sein. Dass es Albanien jüngst geschafft hat, an einem großen Turnier teilzunehmen, hat mich sehr gefreut und war das Produkt jahrzehntelanger Arbeit, da ist man auch nicht neidisch. Ich durfte die Begeisterung in meinem Heimatland ja live miterleben, denn ich war als Fernsehexperte in Albanien während der Europameisterschaft im Einsatz. Es hat Riesenspaß gemacht, die Begeisterung auf der Straße mitzuerleben, Public-Viewing mit 20 000 Fans, Wahnsinn.

Ist auch eine Rückkehr in ihre Heimat denkbar, oder fühlen Sie sich dafür in Deutschland zu wohl?

Ein klares Nein. Ich bin mit 18 Jahren gekommen, bin jetzt länger in Deutschland, als ich es in Albanien war. Ich fühle mich in Deutschland pudelwohl, bin mit Sprache und Mentalität voll integriert. Es würde mir sehr schwerfallen, dieses Land wieder zu verlassen, zumal auch mein Sohn hier geboren wurde. Natürlich bleibe ich vom Herzen her Albaner.

Zurück nach Hanau. Am Sonntag steht das Gruppenliga-Topspiel gegen die JSK Rodgau an. Kribbelt es bereits oder ist für Sie als Routinier jedes Gruppenliga-Spiel gleich?

Ganz ehrlich? Für mich ist das ein Spiel wie jedes andere. Das war schon bei mir zu Bundesligazeiten so. Es geht immer um drei Punkte und nur, wenn man sich ohne Hektik auf jedes einzelne Spiel konzentriert, kann man erfolgreich sein. Wir sollten als Mannschaft am Sonntag das machen, was wir können, dann sehe ich gute Chancen, dass wir gewinnen.

Was zeichnet ihren Verein Hanau 93 aus Sicht eines Ex-Profis aus?

Seit der Zeit, als mich Giovanni Fallacara damals kontaktiert hat, sind viele Freundschaften entstanden. Die Jungs spielen eine große Rolle. Wir sind ein charakterstarkes Team und keiner denkt, er wäre der Größte. Ich gehe immer voller Freude und mit einem Lachen im Gesicht dorthin. Es macht einfach Spaß. Fußball macht mir generell nach wie vor viel Freude.

Wie schätzen sie die Aufstiegschancen der 93er ein?

Letztes Jahren waren die Ambitionen da, am Ende waren wir abgeschlagen. Diese Saison tritt die Mannschaft unter den neuen Trainern Christoph Prümm und Slavisa Dacic viel stabiler auf. Die beiden machen einen tollen Job, es wird eine ganz andere Linie gefahren. Klar läuft nicht alles immer glatt, doch Patzer passieren jeder Mannschaft. Die Kunst ist es, danach wieder aufzustehen. Wir wollen mit Hanau 93 unbedingt aufsteigen und ich und auch Daniyel Cimen wollen mit unserer Erfahrung dabei helfen.

Können Sie sich vorstellen, über das Saisonende hinaus für Hanau 93 zu spielen, oder haben Sie andere Pläne?

Das ist Zukunftsmusik. Klar ist, dass ein Aufstieg in die Verbandsliga vieles leichter machen würde, denn Erfolg hält vieles zusammen und erleichtert dem Sportlichen Leiter Giovanni Fallacara die Suche nach Sponsoren. Ich selbst fühle mich Hanau 93 sehr verbunden. Wenn ich helfen kann, tue ich das sehr gerne. Und dafür muss ich nicht unbedingt auf dem Platz stehen.

Gibt es einen Moment in ihrer Karriere, an den Sie sich am liebsten zurückerinnern?

Es gibt zwei Momente. Zum einen den Bundesliga-Aufstieg 2003 mit Eintracht Frankfurt, als wir es gegen Reutlingen durch den Treffer zum 6:3 kurz vor Schluss doch noch geschafft haben. Mit der Nationalmannschaft haben wir 2004 den frischgebackenen Europameister Griechenland im ersten Spiel der WM-Qualifikation zuhause mit 2:1 besiegt. Da herrschte Ausnahmezustand in Albanien. Eine Begeisterung als wären wir Weltmeister geworden. So etwas vergisst man nicht.





FuPa Hilfebereich