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Mittwoch 19.04.17 14:13 Uhr|Autor: Jan Mauer
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Kalchreuth-Kapitän Markus Giering musste vom Platz - der Grund dafür ist eher ungewöhnlich. F: Zink

Eine Replik im Sinne des Sports - oder doch Unsportlichkeit?

Wie in der Bezirksliga-Partie Hüttenbach gegen Kalchreuth aus einem falschen Satz und fehlendem Fingerspitzengefühl ein mittelgroßer Aufreger wurde

Am Dienstagabend wurde FC Kalchreuth-Kapitän Markus Giering vom Bezirkssportgericht Mittelfranken zu einem Spiel Sperre verurteilt - eigentlich keine ausführliche Meldung wert, wäre nicht der Hintergrund der Sperre kein alltäglicher: Giering war einem Mitspieler in einem verbalen Scharmützel beigesprungen, handelte sich bei diesem Vorgang einen Platzverweis wegen Beleidigung ein. Was in der 80. Minute der Bezirksligapartie SpVgg Hüttenbach gegen FC Kalchreuth passierte, ist letztlich ein Lehrbeispiel über üblichen Trash-Talk, löbliche Sportlichkeit - und fehlendes Fingerspitzengefühl.



Karsamstag, 29. Spieltag, zehn Minuten vor Ende, Spielstand 1:3: Auf ein Foul folgt ein Wortgefecht, Hüttenbach-Kapitän Timm Loch und Kalchreuth-Verteidiger Branko Mircetic haben sich was zu sagen. Loch darf sich einen abfälligen Satz über seine Körpergröße anhören - er kennt das schon, er ist nunmal nicht der Größte -, ihm selbst rutschen die Worte "lern du erstmal richtig deutsch" heraus; nicht die feine Art, das merkt der Hüttenbacher selbst. Markus Giering, der Kapitän der Kalchreuther, ist auch in der Nähe und mischt sich jetzt ein: "Was bist denn du für ein Rassist", sagt er zu Loch.

Es sei, so erinnern sich die Beteiligten zu einem Zeitpunkt, an dem ein solcher Moment üblicherweise längst in Vergessenheit geraten wäre, keine besonders hitzige Szene gewesen. Der Schiedsrichter zeigt Gelb für Loch und - das ist der Grund, warum das alles doch nicht ganz so schnell aus den Köpfen war - Rot für Giering. Wegen Beleidigung, wie es der Unparteiische auch in der entsprechenden Meldung formuliert.

Alltag auf dem Sportplatz

Am Rande der Ostermontags-Partie gegen den SV Schwaig, die Giering als Zuschauer verfolgen muss, äußert sich der Kalchreuther Kapitän zu den Vorkommnissen - und betont zuvorderst das faire Verhalten der Hüttenbacher. Auch die gefallenen Worte des Gästeakteurs, der Auslöser der Aufregung, will er gar nicht hochhängen: "So ein Satz fällt tausendfach auf dem Sportplatz". Das Spiel sei emotional gewesen, beide Teams kämpften um ihre Saisonziele. "Ich unterstelle ihm überhaupt nicht,  ausländerfeindlich zu sein. Solche Sätze passieren, da hört man ganz andere Dinge", so Giering, der auch sagt: "Ich selbst würde das Wort 'Rassist' so wohl nicht nochmal verwenden." Eines aber stellt er klar: "Ich finde, dass man das ansprechen muss und werde das auch weiter tun. Wenn alle bei soetwas weghören, geht es in die falsche Richtung."

Es verdient Anerkennung, Sätze nicht unwidersprochen hinzunehmen, die despektierlich auf die Herkunft des Bezeichneten abzielen. Dass sich Giering mit seiner spezifischen Wortwahl dennoch eine Rote Karte einhandelte, ist rein formal wohl zu begründen, zeigt zumindest aber fehlendes Fingerspitzengefühl seitens des Unparteiischen. Auch das ist verzeihbar: Fehler und Fehleinschätzungen passieren.

Auch die Hüttenbacher intervenierten

Auch Hüttenbach-Coach Kevin Trauner spricht zwei Tage später von einer "völlig überzogenen Roten Karte", die auf dem Platz für alle "eine Überraschung" gewesen sei. Das Unrechtsempfinden der Heimelf habe sich angesichts der Bestrafung für Giering gemeldet, noch auf dem Feld haben Timm Loch selbst und Offensivmann Matthias Gruner versucht, den Schiedsrichter zu einer Rücknahme des Platzverweises zu bewegen - auch das eine sportliche Haltung, die Anerkennung verdient. Nach der Partie thematisierten die Hüttenbacher die Rote Karte gegenüber dem Unparteiischen erneut, doch der habe abgeblockt. Nicht die souveränste Art, aber auch das nachvollziehbar für einen jungen Menschen, der sich nach solch nervenzehrenden Szenen nicht rechtfertigen oder weiter unter Druck gesetzt fühlen möchte.

"Wir hätten schon gerne eine Stellungnahme abgegeben", so Trauner, so aber ging der Vorfall ohne die Note der Hüttenbacher an das Bezirkssportgericht. Dass bei FuPa am Samstagabend kurzzeitig eine falsche Darstellung der Szene zu lesen war, zudem die Vorkommnisse auf dem Portal fussballn.de und der Facebook-Seite der Kalchreuther thematisiert wurden, sorgte für Aufregung.

Das BSG verhandelte am Dienstag diesen doch recht ungewöhnlichen Fall. Es gab zwar keinen Freispruch, aber auch keine weiteren Sanktionen gegen den Kalchreuther Kapitän: Ein Spiel Sperre ab dem 16.04., so lautet das Urteil. "Eine Beleidigung haben wir da nicht gesehen, eher 'Unsportliches Verhalten'", so der zuständige Richter Manfred Zimmermann auf Nachfrage. Da Giering in der Montagspartie gegen Schwaig bereits Zuschauer war, ist er in der kommenden Partie der Kalchreuther gegen Spitzenreiter SpVgg Erlangen wieder einsetzbar.

 
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