Mit Spannung wurde das neue Heimtrikot des TSV 1860 erwartet. Der neue Retro-Look begeistert die Fans und lässt Erinnerungen wach werden.
München – Kevin Volland bekam den Ball in der eigenen Hälfte und drehte sich geschmeidig um seinen Gegenspieler. Ein paar Schritte, ein kurzer Blick nach oben und schon peitschte er den Ball in die Maschen. Mit links, von der Mittellinie, aus etwa 50 Metern. Ein absolutes Traumtor.
Für einen Moment schwebten alle Löwen-Fans im Fußball-Himmel. Der Messias, der Heilsbringer, er ist wahrhaftig nach Giesing zurückgekehrt. Es war ein Moment, der an die ganz Großen des Fußballs erinnerte. Doch es war nicht der erste Augenblick dieser noch jungen Saison, in dem sich alle Weiß-Blauen verwundert die Augen rieben und sich fragten: „Sind das wirklich unsere Löwen?“
Denn als die Spieler des TSV 1860 München in ihr neues Heimtrikot schlüpften, konnte man meinen, die „Albiceleste“ sei nach Giesing umgezogen. Das Dress mit seinem charakteristischen Streifen-Muster erinnert doch verblüffend an die Trikots der argentinischen Nationalmannschaft – nur dass statt des Weltmeister-Emblems der stolze bayerische Löwe auf der Brust prangt.
Besonders pikant: Während Argentinien mit Lionel Messi und Diego Maradona die wohl größten Zehner aller Zeiten aufbietet, klafft bei 1860 München ausgerechnet auf dieser prestigeträchtigen Rückennummer eine Lücke. Fabian Schubert hatte sich vergangene Saison die Nummer 10 gesichert – doch ein Messi oder Maradona war er wahrlich nicht. Seit seinem Abgang ist die Nummer 10 bei den Sechzgern nicht belegt. Die Löwen tragen zwar das Trikot der Weltmeister, aber lassen den dazugehörigen Zauberfuß vermissen. Wo bleibt Giesings Messi oder Maradona?
Eine Spur führt zu Kevin Volland. Der Neuzugang bewies im Testspiel gegen Jahn Regensburg, dass auch in Giesing Fußballgötter entstehen können. Sein Traumtor von der Mittellinie war so spektakulär, dass wohl selbst Maradona im Fußball-Himmel applaudierte. Man stelle sich jetzt noch vor, die Löwen hätten im neuen Heimtrikot gespielt und Volland hätte die 10 getragen – die Verwechslungsgefahr wäre immens.
Zumal Volland mit seinem begnadeten linken Fuß den Ball vom Mittelpunkt in die Maschen bugsierte – und das mit spielerischer Leichtigkeit. Dass Messi und Maradona ebenfalls ein feines linkes Füßchen haben und hatten, muss kaum erwähnt werden. Volland, es wird Zeit, sich von der Nummer 31 zu lösen – die Welt wartet darauf!
Vielleicht ist das neue Trikot ja ein Zeichen, ein Versprechen an die Zukunft. Vielleicht ist das argentinische Flair ja genau das, was die Löwen brauchen, um den langersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga zu meistern. Schließlich haben die Argentinier bewiesen, dass man auch nach langen Durststrecken wieder zu alter Größe finden kann.
Wenn das Trikot nur einen Bruchteil der südamerikanischen Magie nach Giesing bringt, wären die Fans wohl schon zufrieden. Optisch sind die Löwen schon mal Weltklasse. Auch das „Einmal Löwe, immer Löwe“ im Nackenbereich und der Stern für die Deutsche Meisterschaft von 1966 erinnern daran, dass dieser Verein schon bessere Zeiten gesehen hat – Zeiten, in denen man tatsächlich Titel gewann, statt nur so auszusehen, als könnte man welche gewinnen. Das 1:1 in Essen lässt zumindest hoffen. (mg)