2026-06-03T09:07:03.210Z

Spielvorbericht

Zwischen Hoffnung und Absturz

Borsch und Büßleben vor richtungsweisendem Abstiegsduell.

von André Hofmann · Heute, 11:30 Uhr · 0 Leser
Adrian Buberl (links) und Maximilian Geißler (rechts) haben eine entscheidende Rolle als Torwart für ihre Mannschaften.
Adrian Buberl (links) und Maximilian Geißler (rechts) haben eine entscheidende Rolle als Torwart für ihre Mannschaften. – Foto: Julius Schwalenberg / Christia

Wenn am vorletzten Spieltag der Thüringenliga der SV Borsch 1925 auf den SV Blau-Weiß Büßleben trifft, steht für beide Mannschaften weit mehr als nur ein gewöhnliches Ligaspiel auf dem Programm. Es ist ein Duell zweier Teams, die um ihre Zukunft in Thüringens höchster Spielklasse kämpfen – allerdings aus unterschiedlichen Ausgangspositionen.

"Do-or-die" bei Büßleben

Die Tabellenlage wirkt auf den ersten Blick klar: Büßleben reist als Schlusslicht in die Rhön und liegt sechs Punkte hinter dem rettenden Ufer. Ein Sieg ist Pflicht, wenn die ohnehin kleine Hoffnung auf den Klassenerhalt über den letzten Spieltag hinaus am Leben bleiben soll. Borsch dagegen hält aktuell den ersten Nichtabstiegsplatz und liegt nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor dem punktgleichen FC Saalfeld. Weil weiterhin unklar ist, ob am Saisonende drei oder sogar vier Mannschaften den Gang in die Landesklasse antreten müssen, herrscht in der Abstiegsregion jedoch große Unsicherheit.

„Die Situation ist natürlich nicht optimal, weil niemand genau weiß, woran er ist“, sagt Borschs Torhüter Adrian Buberl. Viel Zeit, sich mit Rechenspielen zu beschäftigen, wolle er dennoch nicht verschwenden. „Wir können die Anzahl der Absteiger nicht beeinflussen, aber wir können unsere Leistungen auf dem Platz beeinflussen. Deshalb liegt unser Fokus darauf, die nötigen Punkte zu holen.“

Während in Borsch die Ungewissheit eher als Störfaktor wahrgenommen wird, betrachtet Büßlebens Schlussmann Maximilian Geißler die Lage gelassener. „Die Undurchsichtigkeit der aktuellen Situation bringt mich dabei nicht aus der Ruhe. Der Fußball schreibt schließlich immer wieder seine eigenen Geschichten“, sagt er. Gleichzeitig macht er deutlich, dass sein Team die Verantwortung für die prekäre Lage auch bei sich selbst sucht: „Wir haben unsere Hausaufgaben vor dem Tor zu lange nicht erfolgreich gemacht.“

Die Bedeutung der Partie ist beiden Lagern bewusst. Buberl erwartet einen Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht. „Wir erwarten ein intensives und umkämpftes Spiel gegen einen Gegner, der uns sicher alles abverlangen wird.“ Dennoch sieht er sein Team gut gerüstet. Entscheidend werde sein, „von der ersten Minute an präsent zu sein, die Zweikämpfe anzunehmen und unsere Chancen konsequent zu nutzen“. Die Leidenschaft aus dem jüngsten Auftritt müsse erneut auf den Platz gebracht werden.

Interessanterweise sieht Geißler den Druck eher auf der anderen Seite. „Natürlich stehen wir unter Druck, aber wir können deutlich entspannter in das Spiel gehen als Borsch“, meint der Büßlebener Keeper. „Sie müssen gewinnen, sonst könnte es für sie selbst noch einmal eng werden.“ Seine Mannschaft fahre als Außenseiter nach Borsch und könne „im Grunde nur gewinnen“. Damit aus der Außenseiterrolle tatsächlich Zählbares entsteht, fordert Geißler jedoch einen kompromisslosen Auftritt: „Wir müssen über unsere Grenzen gehen, fighten, kämpfen und unser Herz für den Verein auf dem Platz lassen.“

So treffen am Samstag zwei Mannschaften aufeinander, die sich ihrer Situation vollkommen bewusst sind. Auf der einen Seite Borsch, das mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machen könnte. Auf der anderen Seite Büßleben, für das nur ein Dreier die Tür zum möglichen Wunder offen hält.

Wunder bei Büßleben? - Borsch hat es in der Hand

An dieses Wunder glaubt Geißler trotz aller Widrigkeiten. Der Aufsteiger sei mit wenig Thüringenliga-Erfahrung in die Saison gegangen und könne finanziell nicht mit vielen Konkurrenten mithalten. Was ihn dennoch optimistisch stimmt, seien die „Büßlebener Tugenden“: Zusammenhalt, Leidenschaft und die Bereitschaft, füreinander einzustehen. „Wenn wir unsere Büßlebener Tugenden auf den Platz bekommen, traue ich uns zu, dieses Wunder noch zu schaffen.“

Auch in Borsch setzt man auf die eigene Geschlossenheit. „Mich stimmt optimistisch, dass die Mannschaft trotz der schwierigen Situation immer zusammengeblieben ist“, sagt Buberl. Die Qualität im Kader sei vorhanden, entscheidend sei nun, bis zum Schluss an das gemeinsame Ziel zu glauben.

Die Vorzeichen könnten kaum klarer sein: Für Büßleben ist es die letzte Chance, die Hoffnung auf den Ligaverbleib zu bewahren. Für Borsch die Möglichkeit, einen direkten Konkurrenten entscheidend zu distanzieren und den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu sichern. Wenn der Schiedsrichter am Samstag anpfeift, wird für beide Teams deshalb nicht weniger als ein Endspiel beginnen.