2026-05-15T09:36:57.455Z

Interview

Zwei Karrieren, ein Verein – und ein letztes Derby

Ein Derby, das sportlich vieles vereint – und emotional kaum größer aufgeladen sein könnte: Wenn der FC Schweina-Gumpelstadt den SV Wacker 04 Bad Salzungen empfängt, treffen nicht nur zwei Teams mit völlig unterschiedlichen Saisonzielen aufeinander, sondern auch zwei Vereine, die sich seit Jahren nichts schenken.

von André Hofmann · Heute, 21:00 Uhr · 0 Leser
Volker Harnack (links) und David Arnold (rechts) hängen die Fußballschlappen an den berühmten Nagel.
Volker Harnack (links) und David Arnold (rechts) hängen die Fußballschlappen an den berühmten Nagel. – Foto: © Christian Heilwagen

Während es für die Gastgeber tabellarisch noch um eine bestmögliche Platzierung geht – theoretisch sogar um die Meisterschaft –, steht gleichzeitig fest: Ein möglicher Aufstieg wurde vom Verein bewusst ausgeschlossen. Auf der anderen Seite kämpfen die Gäste aus Bad Salzungen noch um den Klassenerhalt. Und eines ist jetzt schon klar: Derbygeschenke wird es keine geben.

Doch dieses Spiel erzählt noch eine zweite, sehr persönliche Geschichte. Es ist die Geschichte von zwei Ausnahmefußballern, die diesen Verein über Jahre geprägt haben – und nun zum letzten Mal in einem solchen Derby auflaufen werden: David Arnold und Volker Harnack.

Für David Arnold und Volker Harnack ist dieses Spiel weit mehr als nur ein weiterer Saisonvergleich. Es ist ein emotionaler Schlusspunkt unter zwei außergewöhnliche Laufbahnen im Trikot der SG bzw. des FC Schweina-Gumpelstadt.

David Arnold, 36 Jahre alt, beendet seine aktive Karriere nach dieser Saison. Seit 2012 trug er das Trikot des Vereins, absolvierte über 350 Spiele, erzielte mehr als 100 Tore und bereitete unzählige weitere vor. Er war Offensivmotor, Führungsspieler und Identifikationsfigur zugleich.

Volker Harnack, 42 Jahre alt, steht für noch mehr Konstanz und Vereinstreue. Seit 2005 läuft er für Schweina auf - einen kleine Unterbrechung gab es 2011/12 mit dem Ausflug zum FC Eisenach - , kommt auf 437 Spiele für die erste und zweite Mannschaft und erzielte dabei 15 Tore als Abwehrspieler. Kaum ein Spieler verkörpert die sportliche Kontinuität und den Charakter dieses Vereins so sehr wie er.

Zwei Karrieren, viele gemeinsame Jahre

FuPa Thüringen: 1. Wie kam es zum Entschluss am Saisonende die Schuhe an den Nagel zu hängen? War das erst in den letzten Wochen gereift oder schon länger ein Thema?
David Arnold: „Den Entschluss die Schuhe an den Nagel zu hängen hatte ich bereits im Oktober 2024 gefasst, da der Aufwand mit unseren drei Kindern, die mittlerweile auch alle sportlich aktiv sind, sehr hoch war. Aufgrund meiner Erkrankung mit einer Ausfallzeit von einem halben Jahr, habe ich dann gemeinsam mit meiner Familie beschlossen, dass ich so nicht aufhören kann. Deshalb war dann aber auch mit Beginn der Saison 2025/2026 klar, dass diese dann meine letzte sein wird.“

Führungsfigur und Mittelfeldmotor: David Arnold.
Führungsfigur und Mittelfeldmotor: David Arnold. – Foto: © Christian Heilwagen

Volker Harnack: „Den Gedanken gab es schon letztes Jahr. Als René (Heger, Trainer) das Amt vor gut einem Jahr übernommen hat, hat er uns gebeten, dass wir noch ein Jahr dranhängen, damit nach dem Abstieg nicht alles auseinander fällt. Anfang der Saison war aber klar, dass ich aufhöre. Man hat Familie, Frau, teilweise Kinder – irgendwann kann man auch mal Adé sagen. Man nimmt auch jungen Spielern den Platz weg, auch wenn es sportlich noch funktioniert. Irgendwann will man seine Zeit anders nutzen.“

FuPa Thüringen: Hättet ihr euch gerne mit dem Aufstieg verabschiedet? Was sind eure persönlichen Ziele für die letzten drei Spiele?
Volker: „Ich hätte mich gerne mit einem Aufstieg verabschiedet. Aber so wie die Regelungen sind, kann kaum einer planen, ob er Erster wird oder nicht. Ich finde: Der Erste sollte aufsteigen – dann hätte man diese Diskussionen nicht. Mein persönliches Ziel sind drei Siege aus den letzten drei Spielen. Ich hasse es zu verlieren. Ich werde alles raushauen, wir lassen unser Herz nochmal auf dem Platz.“

David: „Natürlich wäre das Karriereende mit einem Aufstieg sensationell gewesen, dafür müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen. Ich denke es war die richtige Entscheidung, dass man das Aufstiegsrecht ausgeschlagen hat. Man kann jetzt, drei Spieltage vor Schluss, noch nicht mal absehen, ob man Erster, Zweiter oder Dritter wird. Und dann als Dritter aufzusteigen, ohne die beste Mannschaft gewesen zu sein, finde ich schwierig. Dazu kommt der Umbruch mit vielen jungen Spielern. Mittelfristig kann ein Aufstieg wieder Thema werden.“

FuPa Thüringen: Wird man euch in anderer Rolle noch irgendwo im Amateurfußball sehen oder macht ihr mal komplett Pause?
Volker: „Ich werde meine Fußballrente bei den Alten Herren in Tiefenort ausklingen lassen – ganz so, wie ich Lust habe und es die Zeit erlaubt. Einfach langsam abtrainieren.“

Bissig und ehrgeizig: So kennt man Volker Harnack
Bissig und ehrgeizig: So kennt man Volker Harnack – Foto: © Christian Heilwagen

David: „Aktiv werde ich erst einmal kürzertreten. Ab und zu bei den Alten Herren mitkicken. Ansonsten bin ich bei uns im Verein für die B-Junioren zuständig, darauf werde ich mich weiterhin konzentrieren. Und natürlich viel Zeit mit der Familie.“

Ein Derby zwischen Punkten, Emotionen und Abschied

Sportlich verspricht die Partie ohnehin Brisanz: Schweina-Gumpelstadt will seine starke Saison krönen, Bad Salzungen braucht jeden Punkt im Abstiegskampf. Doch über allem liegt ein zusätzlicher emotionaler Schatten: das letzte große Derby zweier Spieler, die diesen Verein über Jahre getragen haben.

FuPa Thüringen: Für Bad Salzungen geht’s noch um den Klassenerhalt. Was für ein Spiel erwartet ihr? Worauf kommt es an?
David: „Die Spiele gegen Wacker waren in der Vergangenheit immer sehr umkämpft und ausgeglichen, egal wer wo in der Tabelle stand. Die Ausnahme bildet das Hinspiel in dieser Saison. Aber Bad Salzungen spielt eine sehr starke Rückrunde, deshalb denke ich, dass es diesmal wieder ein heißer Tanz wird – zumal sie Heimrecht haben.“

Volker: „Ich erwarte ein kampfbetontes Spiel. Salzungen wird keinen Zentimeter herschenken. Das Spiel hat immer einen gewissen Charakter, es ist ein Derby mit vielen Bekannten. Einige Spieler waren auch mal bei uns. Ich freue mich darauf. Das sind besondere Spiele, zudem bin ich mit dem Trainer gut befreundet.“

Wenn der Anpfiff ertönt, geht es für 90 Minuten um Punkte. Doch wenn der Schlusspfiff naht, könnte klar sein: Dieses Spiel wird vor allem eines bleiben – ein Stück Vereinsgeschichte.