
Eigentlich gäbe es ausreichend Gründe, mit der Saison des A-Ligisten TSV Union Wuppertal und der Arbeit der Verantwortlichen dort sehr zufrieden zu sein. Die Mannschaft hat in der Winterpause erstmals die prestigeträchtige Wuppertaler Hallenstadtmeisterschaft gewonnen, und auch in der Liga ist das Team als Vierter durchaus noch mit Chancen auf den Aufstieg in die Bezirksliga ausgestattet. Drei Punkte fehlen aktuell auf den zweiten Tabellenplatz, der zum Aufstieg berechtigen würde. Und doch brodelt es aktuell im Verein.
So vermeldete die Westdeutsche Zeitung bereits in der vergangenen Woche, dass die Vereinsführung die Entscheidung getroffen habe, die Zusammenarbeit mit Trainer Ünsal Bayzit, dem Co-Trainer Christoph Schneider, Torwart-Trainer Cumhur Bayzit und auch dem Sportlichen Leiter Ali Askan nach der laufenden Saison zu beenden - und das offenbar komplett unabhängig vom Ausgang. Als Grund gab der Verein dem Bericht zufolge außersportliche Erwägungen an. "Es geht um mehr als nur den finanziellen Aspekt", wird Finanzvorstand Ole Hendrich zitiert, der Vereinsvorsitzende Thorsten Embruch habe dem "nichts hinzuzufügen". Die Entscheidung im Vorstand soll einstimmig gewesen sein. Die Rede ist von einem "Kulturwandel".
Das alles wundert die sportlich Verantwortlichen schon. Finanziell, so berichtet Ünsal Bayzit, habe der Verein zum Team-Etat ohnehin nur etwa ein Drittel beigetragen, zum anderen sei das Team durchaus bereit gewesen, weitere Sponsoren zu suchen. Auch die Spieler hätten demnach schon signalisiert, auf jeden Fall gesprächsbereit zu sein.
Nun gibt es inzwischen auch einen offenen Brief der Mannschaft. Dort erklärt die Mannschaft ihre Bestürzung darüber, dass ihr vor allem bisher keine stichhaltigen Gründe dafür genannt wurden, dass sie in der kommenden Saison zumindest in Teilen nicht mehr zum Verein gehören sollen. "Seit Jahren engagieren wir uns mit vollem Einsatz für den Verein. Umso enttäuschender ist es für uns, dass eine so weitreichende Entscheidung ohne offene und ehrliche Kommunikation mit uns getroffen wurde. Auch unserem mehrfachen Wunsch nach einem Gespräch mit dem gesamten Vorstand wurde bis heute nicht nachgekommen."
Erwähnt wird auch, dass die Mannschaft immer wieder mehr als nur einen sportlichen Beitrag geleistet habe, etwa beim Umbau der Anlage und der Kabinen. Dabei sei tatkräftig mitgewirkt worden. Den vom Verein angestrebten "Kulturwandel" könne die Mannschaft demnach nicht nachvollziehen. Und wie es ohne eine Erste Mannschaft weiter gehen solle, ohne ein Aushängeschild, ließe sich vom Team auch nicht nachvollziehen.
Zudem stellt die Mannschaft klar, dass niemand aus Spielerkreisen finanzielle Ansprüche gestellt habe. Immer wieder sei klargestellt worden, dass das Team Wege finden wolle, die finanziellen Ressourcen des Vereins nicht zu belasten. "Besonders irritierend war für uns, dass bereits Gespräche mit Teilen der Zweiten Mannschaft geführt wurden, ohne uns vorher über diese Thematik zu informieren. Zudem wurden einige unserer Spieler bereits von Externen und anderen Vereinen auf die unklare Situation angesprochen, wodurch wie erst von dem Thema und dieser Entscheidung erfahren haben. Dies wirft die Frage auf, ob eure Vorgehensweise und eure Entscheidungen ausreichend durchdacht sind. In Summe fühlt sich euer Handeln wie ein Schlag ins Gesicht an - vor allem für jene, die sich stets um die sportliche und gesellschaftliche Entwicklung des Vereins bemüht haben." Die vom Team eingeforderte Vertraulichkeit sei zudem von den Verantwortlichen selbst offenbar missachtet worden.
Die Mannschaft appelliert nun an den Vorstand, sich mit dem Team zusammenzusetzen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Bis dahin wird es spannend zu beobachten sein, ob sportlich der Kurs auf die Bezirksliga trotz der Unruhe gehalten werden kann. Das wäre dann ein Zeichen absoluter Charakterstärke.
