
Der TuS Zülpich überwintert sensationell auf Rang drei der Landesliga Staffel 2. Trainer David Sasse erklärt, warum der Tabellenstand keine Zielverschiebung bedeutet, wie die Vorbereitung aussieht und weshalb die Rückrunde vor allem ein Entwicklungsprojekt bleibt.
Als die Landesliga Staffel 2 in die Winterpause ging, stand der TuS Chlodwig Zülpich 1896 auf einem Platz, den im Sommer kaum jemand erwartet hatte. Mit neun Siegen, drei Unentschieden und nur zwei Niederlagen aus 14 Spielen überwinterte die Mannschaft von Trainer David Sasse auf Rang drei – hinter den beiden Topfavoriten FC Hürth und SV Breinig, aber deutlich vor vielen etablierten Konkurrenten. Für den Verein, der mit begrenzten finanziellen Mitteln arbeitet und konsequent auf Entwicklung setzt, ist das mehr als eine Momentaufnahme.
Nach dem letzten Spieltag gönnte sich die Mannschaft eine dreiwöchige Pause. Neben dem bewussten Abschalten gehörte auch die Weihnachtsfeier dazu, ehe nun traditionell der Winterauftakt ansteht. Sasse beginnt die Vorbereitung wie gewohnt in der Halle, mit vier bis fünf intensiven Einheiten in der ersten Woche. Der Fokus liegt dabei weniger auf kurzfristigen Ergebnissen als auf der körperlichen und spielerischen Basis für die Rückrunde.
Die Bewertung der Hinrunde fällt entsprechend klar aus. Das ursprüngliche Ziel bestand darin, sich stabil in der Liga zu etablieren und unter den ersten zehn Plätzen zu landen. Dass Zülpich nun mit 30 Punkten und 41:22 Toren zur Spitzengruppe gehört, übertrifft die Erwartungen deutlich. Für Sasse ist das Ergebnis eines Prozesses: Neuzugänge wurden schnell integriert, gleichzeitig wurde ein zusätzliches Spielsystem implementiert, das der Mannschaft mehr Variabilität verleiht. Diese taktische Breite habe schneller gegriffen als angenommen.
Ein Spiel steht sinnbildlich für diese Entwicklung. Beim Auswärtsspiel bei Kurdistan Düren lag Zülpich früh mit 0:3 zurück, spielte nach einer Roten Karte ab der 18. Minute in Unterzahl – und drehte die Partie dennoch in der Verlängerung mit zwei Treffern. Für Sasse war dieses Comeback das prägende Erlebnis der Hinrunde, weil es Mentalität, Spielidee und Zusammenhalt vereinte.
Probleme innerhalb der Mannschaft sieht der Trainer kaum. Der Blick richtet sich konsequent nach vorne, nicht auf Defizite. Der Weg des Teams ist klar definiert: Junge Spieler weiterentwickeln, Talente an das Landesliga-Niveau heranführen und Akteure, die früher höherklassig gespielt haben, wieder an ihr Leistungsmaximum heranbringen. Ergebnisse sind dabei Begleiterscheinung, nicht Selbstzweck.
Personell bringt die Winterpause dennoch Bewegung. Torhüter Julian Becker tritt kürzer, bleibt dem Verein aber erhalten. Manuel Macherey wechselt nach Bessenich, Julian Eversheim, Prinz Yoka (nach Erftstadt) und Mika Jensen, der die Rückrunde in der zweiten Mannschaft bestreitet, verlassen den Kader. Dem stehen drei Neuzugänge gegenüber: Torhüter Nico Wirtz aus der Region, Abwehrspieler Zissis Balatsouras vom SV Eilendorf sowie Gustavo von Aschwege von Fortuna Köln II. Alle drei sind junge Spieler, die nicht nur für die Rückrunde, sondern perspektivisch eingeplant sind. Hinzu kommen Rückkehrer wie Luca Ohrem sowie die Hoffnungen auf ein Comeback von Dominik Spies im Frühjahr nach langer Verletzung.
Im Titelrennen bleibt Sasse realistisch. Der Aufstieg führt aus seiner Sicht nur über den FC Hürth und den SV Breinig – zwei Mannschaften mit Kadern auf Mittelrheinliga-Niveau. Zülpich genießt die aktuelle Position, ordnet sie aber ein. Im Tabellenkeller erwartet der Trainer dagegen einen harten Kampf bis zum Saisonende.
So geht der TuS Zülpich selbstbewusst, aber bewusst ohne Druck in die Rückrunde. Platz drei ist kein Versprechen, sondern Bestätigung eines Weges, der auf Entwicklung, Geduld und Nachhaltigkeit setzt – und genau darin liegt derzeit die größte Stärke des Vereins.