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Ligabericht

»Zu viel schwarz oder weiß, wenig grau« am Weinberg

TSV Neudrossenfeld, Winterbilanz: Manager Daniel Stöcker im Interview.

von Helmut Weigerstorfer · 04.02.2026, 19:30 Uhr · 0 Leser
Urgestein Stefan Kolb (rechts) ist weg, plötzlich - und mit Nebengeräuschen.
Urgestein Stefan Kolb (rechts) ist weg, plötzlich - und mit Nebengeräuschen. – Foto: Felix Schmautz

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Ist es ein Lob, den TSV Neudrossenfeld in seiner dritten Bayernliga-Saison überhaupt als "graue Maus" der Liga zu bezeichnen? Ja und nein! Denn einerseits ist man am Weinberg natürlich froh, sich etabliert zu haben in der 5. Liga. Andererseits macht den Oberfranken die fehlende Konstanz und das immer volle Lazarett zu schaffen. Sportlicher Leiter Daniel Stöcker dazu im FuPa-Interview...

Daniel, zunächst einmal ganz allgemein: Wie fällt Dein Fazit zur Winterpause aus? Was lief gut? Was muss unbedingt verbessert werden?
Grundsätzlich sind wir im Soll, könnten aber 4 bis 6 Punkte mehr haben, was nach der Tabellenführung Ende August definitiv möglich gewesen wäre. Aber samt unserer sensationellen Pokalsaison ist es bislang, wie gesagt, alles okay.

Offensichtlich ist: Das Auf und Ab der vergangenen Jahre geht weiter. Einem guten Spiel folgt gefühlt eine schlechte Partie. Es gibt heroische Siege, aber auch derbe Klatschen. Warum? Warum schafft ihr es nicht, Konstanz reinzubringen? Liegt dann doch an der Qualität?
Zu viel schwarz oder weiß, wenig grau. Unsere Leistungsschwankungen sind zu extrem und vor allem müssen wir uns im letzten Spielfelddrittel verbessern, da sind wir zu harmlos. Sicher ein komplexes Thema und nicht an einem Punkt festzumachen. Aber einer wird definitiv Qualität sein oder besser gesagt, es fehlen diesbezüglich vielleicht ein, zwei (erfahrene) Mentalitätsspieler.

Beständigkeit gibt's leider nur im Lazarett, das traditionell gut gefüllt ist. Und auch hier die zentrale Frage: Warum? In der Vergangenheit konntest Du diese Frage nicht konkret beantworten. Und nun?
Ich habe nach wie vor keine Antwort darauf. Es ist teilweise auch unglaublich, wie die Verletzungen zustande kommen. Es ist kein Muster erkennbar, um irgendwo ansetzen zu können, präventiv dagegen vorzugehen.

Weiterhin stehst Du für Klartext. Du nimmst traditionell kein Blatt vor den Mund. Und wenn Du schweigst, darf man das als Alarmstimmung interpretieren. Ist diese Emotionalität einfach Teil Deines Charakters, oder ein bewusstes Stilmittel als Sportlicher Leiter einer Bayernliga-Mannschaft?
Ich halte nichts von "Wischi-Waschi, bla, bla, bla...", sondern bin ein Mann klarer Worte und mache aus meinem Herzen keine Mördergrube. Wenn ich dann mal schweige, liegt es daran, dass man manche Dinge einfach nicht öffentlich bespricht oder dass die Emotionen erst ein wenig abkühlen würde, weil man sonst vielleicht Dinge sagt, die in der Gesamtschau nicht zu 100 Prozent stimmig sind.

Über die Zukunft von Trainer Andreas Baumer wird demnächst entschieden.
Über die Zukunft von Trainer Andreas Baumer wird demnächst entschieden. – Foto: Wolfgang Zink

Trittst Du in der Öffentlichkeit, also gegenüber den Medien, genauso auf wie im Kreise der Mannschaft? Wie oft soll ein Manager überhaupt vor dem Team sprechen? Regelmäßig oder nur in Ausnahmefällen?
Ich habe da keinen Plan und keine feste Vorgehensweise. Wenn ich fühle, dass ich etwas sagen sollte, dann tue ich das. Egal ob im positiven oder negativen Sinne und egal ob öffentlich oder intern. Natürlich ist aber zumeist auch ein Ziel, eine Intention dahinter. Ob das dann in vier Wochen dreimal ist oder ein halbes Jahr lang gar nicht, ist, wie erwähnt, situationsbedingt.

Ein Thema bzw. ein Name, der angesprochen werden muss: Stefan Kolb. Sein Ende am Weinberg Ende des vergangenen Jahres kam überraschend. Warum das plötzliche Aus? Ist so ein abrupter Abschied einer Vereinslegende würdig?
Es waren sportliche und disziplinarische Gründe. Jetzt, wo er selbst Trainer wird, kann er einige Dinge mit etwas Abstand sicher anders sehen. Zu Details äußere ich mich öffentlich nicht und kann nur sagen, wer mich und den TSV kennt, der weiß, dass wir uns sicher sehr gerne einen anderen Abschied gewünscht hätten - oder besser gesagt: sein Karriereende beim TSV. Aber nun ist es, wie es ist und ich hoffe, die Zeit heilt Wunden.

Und noch eine Personalie: Trainer Andi Baumer. Im Winter ist ja bekanntlich oft Zeit für Gespräch, was die neue Saison betrifft. Erzähl doch mal...
Hier gibt es noch nichts zu erzählen. Andi ist derzeit und wie immer fokussiert und bereitet die Mannschaft akribisch auf die Restsaison vor. In den nächsten Tagen setzen wir uns, wie gehabt zusammen, analysieren und sprechen über die Zukunft...

Was stimmt Dich ingesamt positiv, dass der TSV Neudrossenfeld am Ende erneut die Klasse hält? Wäre das dann ein "Alltagserfolg" oder weiterhin ein besonderer Triumph?
Das ist alles andere als ein Alltagserfolg. Es ist für uns mit unseren Mitteln und der geographischen Lage jedes Jahr ein Kampf, eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Wenn ich sehe, was an anderen Standorten abgeht und welch Angebote da teilweise unterbreitet werden, kämpfe ich mit Händen in Zwangsjacke. Wir versuchen jedoch das Beste daraus zu machen und hoffen immer wieder auf die Weiterentwicklung von Talenten und unterklassigen Spielern.

Abschließend der Blick in die Zukunft: Werden die Drusserfelder ein Bayernliga-Dino? Oder geht noch mehr?
Zunächst einmal wäre es schön, sich in der Bayernliga zu etablieren und als Ziel auch mal Platz 4-8 anstatt Klassenerhalt ausgeben zu können. Aus genannten Gründen ist dies aber sehr schwer. Dennoch sind wir immer auf Weiterentwicklung bedacht, sportlich und infrastrukturell. Teilweise treten wir etwas auf der Stelle und ich werde mit der Vorstandschaft das Gespräch suchen, über die zukünftige Ausrichtung sprechen und wie immer gut und innovativ zusammenarbeiten. Denn eines muss man auch mal sagen. Wie sich der TSV als Dorfverein und mit seinen Möglichkeiten in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Hinsichten entwickelt hat, ist sensationell und Verdienst der Vorstandschaft. Aber wir werden uns nicht ausruhen...

Vielen Dank für das Gespräch - und alles Gute für die Zukunft.