
Durch eine kämpferisch überzeugende und in der ersten Halbzeit auch spielerisch starke Vorstellung trotzte Zipse der gefürchteten „Leutzscher Hölle“ und gewann beim BSG Chemie Leipzig hochverdient mit 2:0.
BERICHT von Jörg Kaltofen // ZFC Meuselwitz
Nach fast sechs Jahren durfte sich der ZFC Meuselwitz wieder einmal über einen Sieg gegen die Leipziger freuen. Die erste große Aktion des Spiels gehörte ebenfalls den Ostthüringern: Elias Ndukwe Oke zog früh ab, verfehlte das Ziel aber knapp (2.). Die Leopold-Elf blieb am Drücker, störte früh und ließ die Chemiker kaum kombinieren. Immer wieder war Zipse einen Schritt schneller und dominierte das Spiel mit klarem Ballbesitzvorteil. Die Gastgeber agierten ungewohnt ungenau und kamen nur selten gefährlich vor das Tor von Lukas Sedlak.
Nach 19 Minuten drang Lasse Timpelan in den Zipsendorfer Strafraum ein, doch der Abwehrverbund der Ostthüringer klärte souverän. Vier Minuten später setzte Florian Hansch auf der Gegenseite Elias Ndukwe Oke perfekt in Szene, der im Leipziger Strafraum vom Chemie-Kapitän gefoult wurde. Den fälligen Strafstoß verwandelte Andy Trübenbach sicher – trotz des lautstarken Pfeifkonzerts der „grün-weißen Wand“ (23.).
Chemie antwortete mit zwei ungefährlichen Freistößen, bevor Zipse in der 35. Minute Fußball aus einem Guss zeigte: Hansch setzte sich über rechts stark durch, passte präzise auf Trübenbach, der kompromisslos abschloss und sehenswert ins obere Eck traf – das 0:2 und pure Freude im Zipsendorfer Lager. Kurz vor der Pause kam die BSG noch zu zwei Chancen, doch Tim Kießling scheiterte jeweils knapp. So ging es mit einer verdienten 2:0-Führung für den ZFC in die Pause.
Auch die Leipziger Fans mussten anerkennen, dass der ZFC Meuselwitz eine starke erste Hälfte gezeigt hatte. Mit dem Auftritt ihrer Mannschaft waren sie alles andere als zufrieden.
Der zweite Durchgang begann ebenfalls mit einer guten Szene der Leopold-Elf: Trübenbach prüfte aus 20 Metern Chemie-Keeper Horenburg, der im Nachfassen klären konnte (47.). Danach erhöhte Chemie den Druck, drängte die Ostthüringer phasenweise tief in die eigene Hälfte, doch zwingende Chancen blieben Mangelware. Nach gut einer Stunde vergab Tim Kießling per Kopf die beste Möglichkeit zum Anschlusstreffer (63.), kurz darauf verzog Rajk Lisinski knapp.
Die Leopold-Elf verteidigte mit Übersicht und Leidenschaft, ließ kaum etwas zu und brachte so die Zwei-Tore-Führung souverän über die Zeit. Ob die Partie noch einmal kippen hätte können, wenn Sedlak in der 81. Minute nicht stark gegen Fynn Seidel pariert oder der Schiedsrichter kurz vor Schluss auf Handelfmeter entschieden hätte, bleibt Spekulation. So aber nahm der ZFC den verdienten Auswärtssieg mit auf die Heimreise nach Meuselwitz.
Fazit: Eine bärenstarke erste Hälfte legte den Grundstein für den Erfolg der Ostthüringer. In der zweiten Halbzeit hielt die Defensive stand und verteidigte den Vorsprung clever. Herausragend agierte Elias Ndukwe Oke, der mit Tempo, Einsatz und Mut auffiel. Jetzt gilt es, den Schwung in das kommende Pokalspiel beim FC An der Fahner Höhe mitzunehmen.
Georg-Martin Leopold (Trainer ZFC Meuselwitz): „Wir wussten, wie wichtig dieses Spiel ist. Dass es uns heute gelungen ist, erstmals seit Langem wieder zu null zu spielen, freut mich ungemein. In der ersten Halbzeit haben wir spielerisch überzeugt und den Gegner beherrscht. Nach dem 2:0 zur Pause haben wir diszipliniert verteidigt und das Ergebnis souverän gehalten. Das tut uns allen gut – Mannschaft, Trainerteam, Verein und Präsident. Wir wollten die drei Punkte, und die haben wir uns erarbeitet. Hier in Leutzsch zu gewinnen, schafft schließlich nicht jeder.“
Adrian Alipour (Trainer BSG Chemie Leipzig): „Das war nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten. In der ersten Halbzeit waren wir zu passiv und haben durch zwei vermeidbare Fehler die Gegentore kassiert. Danach fehlte uns die Durchschlagskraft, um den Anschluss zu schaffen. Wir hatten unsere Möglichkeiten, konnten sie aber nicht nutzen. Jetzt heißt es, dranbleiben – im Abstiegskampf ist noch alles offen.“