
Ein Finale für die Geschichtsbücher: SV TiMoNo hat sich in einem spektakulären Endspiel gegen Eintracht Braunschweig erstmals die AOK Niedersachsenmeisterschaft der Frauen gesichert und damit zugleich den Aufstieg in die Regionalliga Nord geschafft. Vor rund 600 Zuschauern im August-Wenzel-Stadion in Barsinghausen setzten sich die Ostfriesinnen nach einem atemberaubenden 5:5 nach Verlängerung schließlich mit 8:7 im Elfmeterschießen durch.
Die Partie begann mit Chancen auf beiden Seiten. Zunächst scheiterte TiMoNo-Kapitänin Lea Begemann frei vor Braunschweigs Torhüterin Nele-Sophie Schäfer (2.), wenig später verhinderte TiMoNo-Keeperin Anna-Maria Tews gegen Lyn Meyer den Rückstand (11.). Ein erster Schlüsselmoment folgte nach 22 Minuten: FIFA-Schiedsrichterin Dr. Riem Hussein, die ihr letztes Pflichtspiel leitete, entschied nach einem Handspiel auf Strafstoß für die Eintracht. Celina Klebe trat an, doch Tews parierte sicher.
Die Ostfriesinnen nutzten den Rückenwind. Teresa Sonntag brachte den SV TiMoNo nach 29 Minuten in Führung, ehe Alina Murra kurz vor der Pause auf 2:0 erhöhte. Die Führung zur Halbzeit war verdient, weil TiMoNo die gefährlicheren Aktionen besaß.
Nach dem Seitenwechsel drehte sich die Begegnung jedoch komplett. Zunächst verkürzte Meyer nach einer Ecke auf 1:2 (50.), dann schlug Cindy Kaufmann einen Freistoß aus rund 18 Metern sehenswert zum Ausgleich ins Tor (57.). Nur wenig zuvor hatte TiMoNos Marlit Eden wegen einer Notbremse die Rote Karte gesehen. In Überzahl nutzten die Braunschweigerinnen ihre Chance: Kaufmann traf nach einem Konter erneut und brachte die Eintracht erstmals in Führung (68.).
Doch TiMoNo zeigte bemerkenswerte Moral. Die eingewechselte Anneke Kampen stellte nur drei Minuten später wieder auf 3:3 (71.). Weil sich in der Schlussphase der regulären Spielzeit keine Mannschaft entscheidend durchsetzen konnte, ging das Finale in die Verlängerung.
Dort sorgte Tomke Hasnik per Kopf nach einer Ecke für das 4:3 der Ostfriesinnen (93.). Die Antwort der Eintracht ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Meyer erzielte mit ihrem zweiten Treffer den erneuten Ausgleich zum 4:4 (101.).
Als die Entscheidung bereits vom Punkt zu fallen schien, brachte die ebenfalls eingewechselte Maya Andresen Braunschweig in der 116. Minute mit 5:4 nach vorne. Doch auch dieses Mal fand TiMoNo eine Antwort. In der vierten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung stocherte Marie Moldenhauer den Ball zum 5:5 über die Linie und erzwang das Elfmeterschießen.
Dort avancierte Torhüterin Tews endgültig zur Heldin. Nachdem sie bereits den ersten Braunschweiger Versuch von Leandra Kim Hampe-Michels pariert hatte, hielt sie auch den entscheidenden Elfmeter von Charlotte Brühler. Damit war der historische Erfolg perfekt.
Entsprechend emotional zeigte sich TiMoNos Trainer Jan-Henrik Koppelkamm nach dem Abpfiff: „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich bin jetzt seit sieben Jahren Trainer dieser Mannschaft und verfolge seitdem das Ziel, in die Regionalliga aufzusteigen. Dass wir es auf diese Weise geschafft haben, ist nicht in Worte zu fassen.“
Weiter sagte Koppelkamm: „So ein Spiel hatte ich in meiner bisherigen Trainerlaufbahn noch nicht. Davon werden wir noch in zehn Jahren sprechen. Ich bin stolz auf die Mädels, weil sie sich für eine unfassbare Saison belohnt haben. Jetzt wird einfach nur gefeiert.“
Für zusätzliche Emotionen sorgte der Abschied von Dr. Riem Hussein. Nach mehr als zwei Jahrzehnten als Schiedsrichterin beendete die Unparteiische ihre aktive Laufbahn mit einem denkwürdigen Finale und wurde nach Spielende von beiden Mannschaften mit einem Spalier verabschiedet.
Während Trainer Simon Wintgen und Eintracht Braunschweig den Traum vom Aufstieg knapp verpassten und einen neuen Anlauf in der Oberliga nehmen müssen, wartet auf den SV TiMoNo ab August erstmals das Abenteuer Regionalliga. Ein passenderer Rahmen für diesen historischen Erfolg wäre kaum denkbar gewesen.
Eintracht Braunschweig – SV TiMoNo 7:8 n.E. (0:2, 3:3, 4:4)
Braunschweig: Nele-Sophie Schäfer – Gina Berger, Lyn Meyer, Cindy Kaufmann (93.
Charlotte Brühler), Jill-Lina Lange (46. Maya Andresen), Jolie Jelain Just, Imke-Dorothea
Wiedenroth (86. Marie Gollmer), Antonia Farr, Celina Klebe (46. Lea Eggers), Anna Fries (75. Leandra Kim Hampe-Michels), Neele Wunsch. Trainer: Simon Wintgen.
TiMoNo: Anna-Maria Tews – Lisa Schlegel, Marlit Eden, Teresa Sonntag (111. Ronja Sofie
Kolbeck), Lea Begemann (64. Lena Garvels), Fabia Feeken, Tomke Hasnik (106. Marie
Moldenhauer), Larissa Jetses (69. Hannah Schrapper), Fenna Borde, Lina Wallbaum, Alina
Murra (64. Anneke Kampen). Trainer: Jan-Henrik Koppelkamm.
Schiedsrichterin: Dr. Riem Hussein (TSG Bad Harzburg). Assistenten: Jasmin Matysiak
(SV Fortuna Bösdorf), Irina Wehr (VSV Rössing).
Gelbe Karten: Jolie Jelain Just (90.+3), Marie Gollmer (103.) – Tomke Hasnik (41.).
Rote Karte: Marit Eden (56.).
Tore: 0:1 Teresa Sonntag (29.), 0:2 Alina Murra (44.), 1:2 Lyn Meyer (50.), 2:2 Jolie Jelain
Just (57.), 3:2 Cindy Kaufmann (68.), 3:3 Anneke Kampen (71.), 3:4 Tomke Hasnik (93.), 4:4 Lyn Meyer (101.), 5:4 Maya Andresen (116.), 5:5 Marie Moldenhauer (120.+4).
Elfmeterschießen: Twes pariert gegen Hampe-Michels, Schäfer pariert gegen Tews, 1:0
Andresen, 1:1 Feeken, 2:1 Berger, 2:2 Wallbaum, Farr verschießt, 2:3 Moldenhauer, Tews
pariert gegen Brühler.
Zuschauer: 600