
Dem 7:1-Testausrufezeichen gegen Schwandorf-Ettmannsdorf folgte eine 1:7-Pleite in Ansbach - die vergangene Vorbereitungswoche darf mehr oder weniger als Sinnbild für die laufende Spielzeit der DJK Gebenbach gesehen werden. Der Bayernligisten aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach ist konstant inkonstant. Oder stimmt das gar nicht? Trainer Dominic Rühl dazu im FuPa-Interview...
Dominic, was macht ein 1:7 in einem Testspiel mit einem? Nimmst man so eine derbe Klatsche während der Vorbereitung einfach so hin? Oder schrillen die Alarmglocken?
Ich bewerte dieses Ergebnis genauso wenig über wie den 7:1-Sieg aus der Vorwoche. Man muss das Ganze sachlich analysieren. Wie die Gegentore zustande kommen, spielt eine Rolle. Es war aber auch nicht alles schlecht. Es war ein Testspiel und wir haben jetzt in den drei Wochen Vorbereitung kein einziges Mal auf einem Platz trainieren können. Zudem mussten die Jungs vergangenen Woche in den vier Einheiten hart arbeiten. Vor allem unmittelbar Donnerstag und Freitag.
Dieses Ergebnis passt zur DJK Gebenbach in der aktuellen Saison: Irgendwie lässt sich das Team von außen betrachtet nicht so richtig einschätzen. Ist Deine Mannschaft eine Wundertüte - auch für Dich?
Nein, passend ist es nicht. Natürlich waren zu Beginn einige Klatschen dabei. Aber auch hier muss man tiefer gehen. Relegation gespielt, Umbruch vollzogen. Da ist ein Start schon mal schwierig. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass es in der Zei,t in der ich da bin, aber auch ein paar Spiele zuvor, die Gegentor-Flut bereits gestoßßt wurde. Am Samstag resultierten die Gegentreffer eher aus der fehlenden Frische und der fehlenden Praxiseinheiten. Wie sollen Abläufe verinnerlicht sein, wenn man sie nicht trainieren kann?
Während die Defensive den kassierten Toren zufolge einigermaßen funktioniert, ist die Offensivausbeute ausbaufähig. Ist das ein Qualitätsproblem? Fehlt es an einem echten Torjäger? Kann Winterneuzugang Andre Klahn das sein?
Ein Qualitätsproblem sehe ich nicht. Eher geht es um Selbstvertrauen und Überzeugung. Auch geht es darum, alle Spieler in bessere Abschlusspositionen und -situationen zu bekommen. Das ist ein Prozess, der Zeit und Training erfordert. Erfreulich war hier schon eine Entwicklung, dass man sich Torchancen erspielt - die Verwertung wird noch kommen.
Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass sich die Oberpfälzer unter Deiner Regie positiv entwickelt haben. 14 der 25 Punkte wurden in den sechs Spielen geholt, in denen Du an der Linie gestanden bist. Warum? Neuer-Besen-Effekt?
Vor meiner Zeit war schon ein leichter Aufwärtstrend erkennbar. Ich habe lediglich versucht, von Tag eins an den Jungs meine Prinzipien und die Auffassung, wie man Auftreten sollte, zu vermitteln. Mir war klar, wo ich ansetzen wollte und die Jungs haben gut mitgezogen. Ich denke auch, dass die Mannschaft Bock darauf hatte, das so mitzugehen. Sie haben ja auch die Leistungen gezeigt und dabei die Vorgaben gut umgesetzt, so dass das auch ein gemeinschaftlicher Erfolg ist.
An welchen konkreten Stellschrauben hast Du gedreht, sodass es gleich besser gelaufen ist?
Ich habe gleich versucht, vollumfänglich mit den Jungs zu arbeiten. Zum einen die Trainingsintensität erhöht, um so zu trainieren, wie wir spielen lassen wollen. Anderseits haben die Jungs für alle Spielphasen die Leitplanken im Schnellverfahren eingebläut bekommen. Natürlich besteht in vielen Bereichen noch Entwicklungspotenzial und -bedarf, aber es scheint gefruchtet zu haben. Aber auch im mentalen Bereich lag der Fokus. Ich habe den Jungs deutlich gemacht, was es aus meiner Sicht alles braucht und was ich von ihnen verlange, um erfolgreich zu sein.
Dich darf man durchaus als Kenner der Bayernliga Nord bezeichnen, deshalb: Wird der (direkte) Klassenerhalt - oder ist er für die DJK Gebenbach durauch im Bereich des leicht möglichen?
Wir haben uns vor der Pause in eine gute Position gebracht und wollen die Entwicklung weitergehen. Was auch heißt, weiterhin maximal erfolgreich zu sein. Schenken wird uns sicherlich keiner was. Wir werden aber den Fokus auf uns und unsere eigenen Leistungen legen. Wie immer habe ich den Jungs eine Zielsetzung aufgetragen und dann ist jeder verpflichtet, alles dafür zu geben.
2023 noch Vizemeister, ging es in den vergangenen Spielzeiten immer weiter nach unten in der Tabelle. Sind die großen Zeiten in Gebenbach vorbei? Müssen im 800-Einwohner-Ort künftig wieder kleine sportliche Brötchen gebacken werden?
Die Vergangenheit und die damit verbundenen Erfolge haben auf mich und mein handeln keine Auswirkungen. Natürlich haben sich durch die Umbrüche Maßstäbe verschoben, aber der damalige Erfolg wurde ja auch müßig aufgebaut. Entweder man will kurzfristig erfolgreich sein oder den Weg gehen, der hier eingeleitet wurde. Und zwar etwas aufbauen, was nachhaltig erfolgreich ist. Daher ist die Kaderstruktur auch eine andere. Meiner Wahrnehmung nach will jeder im Verein maximal erfolgreich sein, letzten Endes weiß es aber auch jeder einzuordnen, was es braucht, um es dann auch so zu sein.
Neumarkt, Eichstätt - nun Gebenbach, Deine dritte Station innerhalb kurzer Zeit in der Bayernliga Nord: Wie groß ist die Gefahr, dass man zu sehr miteinander vergleicht? Hast Du Angst davor, zu kopieren - und somit den Antrieb zu verlieren?
Ich persönliche ziehe keinen Vergleich, weil die Voraussetzungen bei den genannten Vereinen nicht unterschiedlicher sein könnten. Angefangen bei der Kaderzusammenstellung und meinem Mitwirken dabei bis zu den infrastrukturellen Unterschiede. De facto versuche ich den Jungs, meine Prinzipien näher zu bringen - ohne sie in ein Korsett zu stecken. Daher ist es meine Aufgabe, Lösungen zu finden, die Jungs in Positionen zu bringen, dass deren Stärken mit meinen Prinzipien korrelieren können. Das gelingt mir an sich immer, außer die Spieler wollen den Weg gar nicht mitgehen. Dann muss man auch schnell sagen können, dass es nicht passt. Noch dazu entwickle ich meine Spielidee auch permanent weiter. Als Beispiel findet bei den Pressingprinzipien eine Änderung im Vergleich zu vorher statt. Daher existiert keine Grundlage für die oben beschriebenen Gefahren.
Abschließend der obligatorische Blick in die Zukunft - persönlich, aber auch in Sachen Gebenbach. Dein Blick in die Glaskugel?
Persönlich freue ich mich zuerst darauf, wenn unser zweites Kind kommt. Ansonsten will ich mit den Jungs weiterhin viel Spaß haben und maximal erfolgreich sein. Zudem den Zuschauern, die den Weg zu unseren Spielen finden, einen ansehnlichen und erfolgreichen Fußball bieten. Alles andere ist dann schlussendlich die Konsequenz daraus.
Vielen Dank für das Gespräch - und alles Gute für die Zukunft