
1. FC Wülfrath – SSV Bergisch Born. Vier Spieltage vor Saisonende steht der FCW in der Landesliga, Gruppe 1, vor einer brisanten Partie. Deshalb hoffen Mannschaft, Staff und Vorstand bei diesem Abstiegsduell auf eine große Kulisse und lautstarke Unterstützung der eigenen Fans. Anstoß ist am Sonntag um 15 Uhr im Lhoist Sportpark.
Es kann ja in „Fußball-Wülfrath“ niemandem egal sein, dass das Team des Trainerduos Joscha Weber/Thomas Cyrys nach nur einer Saison in der höheren Spielklasse gleich wieder runter muss in die Bezirksliga. Die Ausgangslage der Kontrahenten auf den beiden ersten Nichtabstiegsplätzen ist mit 32 Punkten identisch. Nur die um drei Treffer minimal bessere Tordifferenz spricht für die Platzherren. Dazu gewann Wülfrath in Born nach einem 0:2-Pausenrückstand noch mit 3:2. Gleichwohl ist das Ganze ein Ritt auf der Rasierklinge.
Joscha Weber sagt dazu: „Das ist am Sonntag kein Endspiel, wir haben ja noch weitere drei Begegnungen vor uns. Dennoch stehen wir vor einer brutal wichtigen Partie, die wir unbedingt gewinnen müssen.“ Der FCW-Chefcoach fügt hinzu: „Zuletzt in Süchteln zeigte unsere Mannschaft gute spielerische Ansätze. Gegen Born gilt es nun, die Fehlerquote zu reduzieren und eine mögliche Nervosität in Grenzen zu halten. Ich bin da zuversichtlich. Die Jungs haben in den Trainingseinheiten dieser Woche konzentriert gearbeitet, wissen um die Bedeutung des Spiels. So wollen wir auch auftreten, mit Selbstvertrauen und dem nötigen Einsatz- und Siegeswillen. Kurz gesagt: Jetzt geht es ans Eingemachte.“
Personell gibt es mit den angeschlagenen Arman Corovic und Ahmad Jafari zwei Härtefälle – Einsatz ungewiss. Ein noch größeres Fragezeichen steht hinter Leon Bachmann. In seinen bisher zehn Einsätzen für den FCW war der Winterzugang im Mittelfeld die Zuverlässigkeit in Person. Ausgerechnet in der Schlussphase der Saison gibt es Probleme mit den Adduktoren. „Die Physiotherapie hat angeschlagen, ich bin schmerzfrei. Jetzt müssen wir sehen, wie es nach dem ersten Mannschaftstraining ausschaut“, gibt der 25-Jährige vor dem Abstiegsduell zu bedenken.
Die ersten Schritte im Vereinsfußball machte der junge Leon seinerzeit beim KSV Baunatal. Bei einem Spiel in der Hessen-Auswahl wurden Scouts von Schalke 04 auf den talentierten Nachwuchsspieler aufmerksam. Nach einem dreitägigen Probetraining folgte die Verpflichtung für die U16 (Westfalenliga) des frisch gekürten Bundesligaaufsteigers. Die Saison (2017/18) darauf ging es hoch ins U17-Bundesligateam. Damals waren, neben anderen, heutige Profis wie Nationalspieler Malick Thiaw (derzeit Newcastle United), Mehmet Aydin (Eintracht Braunschweig) und Erdem Canpolat (Torhüter beim türkischen Erstligisten Caykur Rizespor) seine Mannschaftskollegen. Es schlossen sich zwei Spielzeiten (2018 – 2020) bei den Bundesliga A-Junioren von Rot-Weiß Oberhausen an, wo Bachmann in der zweiten Saison als Kapitän Verantwortung übernahm.
Oberligist SpVg Schonnebeck hieß die erste Station im Seniorenfußball. Bachmann im Rückblick: „Bei RWO gab es für die Jungs aus dem eigenen Nachwuchs keine richtige Perspektive. Deshalb der Wechsel zu Schonnebeck. Aber dort konnte die Saison aufgrund der Corona-Pandemie nicht zu Ende gespielt werden.“ Im Sommer 2021 ging es weiter zum Oberligisten TVD Velbert. „Nach einer guten Vorbereitung zog ich mir in der Saison darauf am vierten Spieltag einen Kreuzbandriss zu. Das war ein herber Rückschlag. Ich war über acht Monate außen vor, konnte aber durch meine noch guten Kontakte zu Schalke 04 im Gesundheitszentrum Medicos eine intensive Reha durchziehen.“ An die Zeit beim frisch gekürten Aufsteiger in die 1. Bundesliga denkt Bachmann, der seine berufliche Zukunft mit einem BWL-Studium an der Ruhr-Universität vorantreibt, ohnehin gerne zurück: „Es war eine positive Zeit dort im Fußball-Internat. Ich habe für meine sportliche und persönliche Entwicklung eine Menge mitgenommen.“
Wettkampfmäßig Fußball spielen konnte der stets mannschaftsdienlich agierende Mittelfeldmann beim TVD wieder ab August 2023, absolvierte dort bis zu seinem Wechsel im Juni 2024 zur SpVgg Erkenschwick insgesamt 45 Oberligaspiele. Nach der einjährigen Stippvisite beim westfälischen Oberligisten ging es, trotz der 20 Einsätze, zurück nach Schonnebeck. Nach nur fünf Spielen war auch dort aus persönlichen Gründen Feierabend. Der Rest ist bekannt. Aus dem Kontakt zu FCW-Kapitän Maik Bleckmann, seinerzeit Teamkollege beim TVD, resultierte im Winter der durch Joscha Weber finalisierte Wechsel an den Erbacher Berg.
„Ich habe mich schnell integriert. Neben Maik hatte ich ja auch mit Faga Fagasinski, Saki Xiros und Florian Schikowski in Velbert gespielt. Das hat den Einstieg erleichtert. Jetzt geht es in den nächsten Wochen nur darum, dass wir die Klasse halten“, betont der in Essen wohnende Mittelfeldspieler. Trainer Weber ergänzt: „Leon hat unserem Spiel von Beginn an gut getan. Er hat sich mit seiner positiven Einstellung und Leistungsbereitschaft schnell zu einem wichtigen Baustein zwischen Abwehr und Offensive entwickelt.“