Der WSV als Familienmitglied: Werner Bugl (links) neben seinem Bruder Sepp, der heute Ehrenvorsitzender des Vereins ist.
Der WSV als Familienmitglied: Werner Bugl (links) neben seinem Bruder Sepp, der heute Ehrenvorsitzender des Vereins ist. – Foto: Archiv WSV St. Englmar

Dorfplatz-Idol (22): Sein WSV - und das seit sieben Jahrzehnten

Im Rahmen der Serie "Dorfplatz-Idol" blickt FuPa auf die Vereinslegenden von A-Klassisten +++ Teil 22: Werner Bugl vom WSV St. Englmar +++

Zu einem typischen Sonntagnachmittag gehört ein Spiel der Dorfmannschaft auf dem örtlichen Sportplatz. Abgerundet wird das Ganze durch das obligatorische Zuschau-Bier und die vielen, vielen Diskussionen rund um die 90 Minuten. Besonders im Fokus stehen dabei die sog. Vereinslegenden, also Spieler, die sich besonders verdient machen bzw. gemacht haben. Im Rahmen der Serie "Dorfplatz-Idol" blickt FuPa auf eben jene Ikonen der A-Klassen-Vereine, die entweder noch aktiv sind - oder längst ihre Karriere beendet haben. Teil 22: Werner Bugl vom WSV St. Englmar.

"Sicherlich gäbe es noch weitere Kandidaten, welche es auch verdient gehabt hätten, dieses Porträt mit Leben zu befüllen. In diesem Zusammenhang wollen wir allerdings einen ganz besonderen Teil der Englmarer Fußballgeschichte noch einmal hochleben lassen - nämlich den Bugl Werner. Egal auf welche Fußballplätze man fährt - wenn man das Englmarer Vereinswappen auf dem T-Shirt trägt wird man so gut wie überall gefragt, wie es dem Bugl Werner geht und was er so treibt. Er hat sich nämlich über mehrere Jahrzehnte durch seine Umtriebigkeit beim WSV weit über die Gemeinde- und Landkreisgrenze hinaus einen Namen gemacht. Ob als Spieler, Trainer oder Abteilungsleiter - der Werner genoss überall hohes Ansehen und steht auch heute noch für Kompetenz, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit. Wenn einer am Sonntag schlecht gespielt hat, wird er das im Anschluss im Vereinslokal vom Werner auch hören.

Eine besonders erwähnenswerte Anekdote: An seinem 66. Geburtstag (!!!) schnürte der Werner nochmal seine Fußballschuhe in der 2. Mannschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die Reserve in dieser Saison kein Spiel gewinnen. Doch dieses eine Spiel mit ihm konnte gewonnen werden. Es sollte auch das einzige und letzte Spiel dieser Saison gewesen sein, bei dem man drei Punkte einfahren konnte. Noch heute wird von diesem Ereignis am Sportgelände am Tannenbaum erzählt, weil der Werner zudem noch einer der Besten in diesem Spiel war. Unvergessen bleibt auch seine besondere Körpertäuschung, die er in Perfektion beherrscht und mit der er auch heute noch so ziemlich jeden Gegenspieler ins Leere laufen lassen könnte." (Johannes Altmann, 2. Vorsitzender WSV St. Englmar)


»Die Millionen, die mich weggelockt hätten, konnte keiner bezahlen«

Gratulation, Du bist das Dorfplatz-Idol Deines Vereins. Der Vorsitzende hat Dich auserkoren. Was bedeutet Dir diese Auszeichnung?
Diese Auszeichnung zeigt mir, dass ich von Seiten der Vereinsführung für meine jahrzehntelange Treue, Verbundenheit und dem Engagement Lob, Dank und Anerkennung erfahren darf. Mein Vater war bei der Vereinsgründung 1. Vorstand, sodass mein Bruder Sepp und ich mit dem damaligen ASV-Blut schon früh infiziert wurden.

Seit wann bist Du für Deinen Verein aktiv? Wie viele Spiele hast Du in dieser Zeit bestritten? Welche Erfolge hast Du gefeiert?
Vier Jahre nach Kriegsende - also 1949 - habe ich mich dem Verein angeschlossen. Damals war ich Spieler der Schüler. Bis heute habe ich genau 1.249 Spiele für den WSV bestritten und 360 Tore erzielt. Ich durfte mehrere C- und B-Klassen-Meisterschaften feiern und bin sogar 7 Mal für die Landkreis-Auswahl aufgelaufen.

Welche Aufgaben rund um Deinen Verein hast Du bisher über Dein Spieler-Dasein hinaus übernommen?
Da ist einiges zusammengekommen. Neben meiner Spielerzeit war ich 27 Jahre Abteilungsleiter Fußball beim WSV und 16 Jahre ehrenamtlicher Spielertrainer. Eine besondere Ehre war es für mich, 16 Jahre den Bogener Rautenkickern angehört zu haben. Darüber hinaus war ich bei fast allen baulichen Aktivitäten des WSV dabei - allen voran bei der Errichtung des Vereinsheimes.

In fast jedem 3. Spiel war Werner Bugl für den WSV als Torschütze erfolgreich.
In fast jedem 3. Spiel war Werner Bugl für den WSV als Torschütze erfolgreich. – Foto: Archiv WSV St. Englmar

Warum ist der Verein Deine große Herzensangelegenheit? Was zeichnet Deinen Verein aus? Welche Alleinstellungsmerkmal hat er?
Ich war ja schon als kleiner Bub seit der Geburtsstunde des Vereins mit meinem Vater an der Spitze quasi mit dabei. Zusammenhalt und Kameradschaft sind damals wie heute ein sehr wichtiger - wenn nicht der wichtigste - Baustein des Vereins. Und außerdem singen wir den schönsten Fußballermarsch.

Welche Spiele oder gar Spielzeiten sind Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Als Spieler die Duelle gegen den 1. FC Bad Kötzting und gegen die SpVgg Ruhmannsfelden. Als Funktionär der Sieg gegen Dornwang in Irlbach und der damit verbundene Aufstieg in die damalige A-Klasse. Und natürlich die sehr knappe Pokalniederlage gegen den damaligen Bayernligisten Plattling.

Gibt es irgendein (Sieges-)Ritual, an das Du Dich mit Freude erinnern kannst?
Natürlich waren die schönsten Zeiten immer die Meisterschaften. Bei den Siegesfeiern bzw. Meisterfeiern reichten die Bierkästen bis zur Decke. Zwischenzeitlich mussten wir wieder ein Spiel verlieren, sonst wären wir alle Alkoholiker geworden (schmunzelt).

Auch mit 80 Jahren ist Werner Bugl noch WSVler durch und durch.
Auch mit 80 Jahren ist Werner Bugl noch WSVler durch und durch. – Foto: Bugl

Hattest Du höherklassige Angebote? Wenn Ja: Aus welchen Ligen? Und: Warum hast Du diese abgelehnt?
Ich spielte beim Post SV München drei Jahre in der damaligen 2. Amateurliga. Angebote lagen vom TSV Straubing, ASV Cham und SpVgg Deggendorf vor. Doch die Millionen konnte keiner bezahlen, die mich zu einem Weggang vom WSV gelockt hätten (lacht). Damals entwickelte sich der Verein kontinuierlich gut.

Wie hat sich Dein Verein aus Deiner Sicht entwickelt, seitdem Du mit an Bord bist?
An Bord bin ich schon eine Zeit lang nicht mehr. Ich schaue mir das mittlerweile sonntags mit der Familie von außen an.

Gibt es in der aktuellen Mannschaft aus Deiner Sicht jemanden, der ebenfalls das Potenzial zum Dorfplatz-Idol hat?
Diese Einschätzung steht mir meiner Meinung nach nicht zu.

Abschließend der obligatorische Blick in die Zukunft: Wo siehst Du Deinen Verein in 10-15 Jahren?
Leider ist in den letzten Jahren eine Stagnation zu verzeichnen. Eine Vorschau für die nächsten Jahre ist schwer abzugeben, da gute Spieler von höherklassigen Vereinen abgeworben werden. Zurzeit spielen auch drei Spieler aus unserem Ort bei Bezirks- bzw. Landesligavereinen.
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Euer Verein spielt in der A-Klasse? Und auch ihr habt den einen Spieler, der als Legende gilt (egal ob noch aktiv oder längst passiv)? Dann schreibt uns bitte an niederbayern@fupa.net!

Lange ist's her, aber es bleibt unvergessen: Diese Mannschaft trat bei der Einweihung der Anlage "Am Galgenberg" an - mit Werner Bugl (hinten 3.v.l.) als Spielführer.
Lange ist's her, aber es bleibt unvergessen: Diese Mannschaft trat bei der Einweihung der Anlage "Am Galgenberg" an - mit Werner Bugl (hinten 3.v.l.) als Spielführer.

Aufrufe: 25.4.2021, 05:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor

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