
Worms. Der Stadion-DJ hatte sich was ausgedacht. Erst bekamen alle (anwesenden) Spieler, die Fußball-Oberligist Wormatia Worms verlassen, ein gerahmtes Bild überreicht, verbunden mit Dankesworten. Dann ertönte die Champions-League-Hymne. „Die Meister, die Besten, the Champions.“ Vielleicht ein bisschen viel der Lorbeeren, zumindest mit Blick auf das Saisonfinale. 0:3 (0:2) gegen Arminia Ludwigshafen – dieser letzte Eindruck wird helfen, den Trennungsschmerz von der Wormatia-Mannschaft 2023/24 zu verkraften.
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Die Luft war raus beim VfR. Nicht jedoch bei den Gästen, die mit ihrem Dreier aus eigener Kraft die Klasse hielten. Und die mit vielen bekannten Gesichtern angereist waren. Steffen Straub, dessen Einsatz ohne Spielberechtigung einst die Wormser Zweite – unter Trainer Aydin Ay – den Verbandsligaaufstieg gekostet hatte, legte zwei Tore auf. Erst per Freistoß, dann per Flanke, jeweils hinter den zweiten Pfosten. Wal Fall köpfte (22.), Matteo Monetta schoss ein (26.). Saisontor Nummer 15 für den 40-Jährigen, der auch mal ein Regionalliga-Jahr bei Wormatia verbrachte – vor anderthalb Jahrzehnten. Damit war die Partie durch.
Der vor zwei Wochen inthronisierte Arminia-Trainer Marco Laping sprach später von einem der schwersten Auswärtsspiele der Saison und schwärmte regelrecht von der Kulisse: „1000 Zuschauer, da sieht man, was in Worms für ein Potenzial ist.“ Allein, die sportliche Realität war an diesem Tag eine andere. Auch das Hinrunden-Duell in Ludwigshafen (1:2), das übertrieben nickelig verlief und Ende Oktober die erste Saison-Niederlage bedeutet hatte, taugte für die massiv ersatzgeschwächte Wormatia nicht als Motivationsspritze. Bastian Hommrich stellte, wieder nach einer Flanke, auf 0:3 (62.). Da war die Tribüne der EWR-Arena längst verstummt.
Highlights aus Sicht der Wormser gab es dennoch. Daniel Kasper verabschiedete sich von den Fans. Der Stürmer griff sich noch einmal ans Wormatia-Wappen und kündigte an, sich trotz des anstehenden Umzugs nach Fürth häufiger in Worms sehen zu lassen: „Meine Freundin wohnt hier. Auch wenn man das oft sagt – ich bin zuversichtlich, mit dem Verein in Kontakt zu bleiben.“ Eine gute Kopfballchance hatte der wieder unermüdlich arbeitende 21-Jährige (38.), viel mehr Gefahr versprühte sein Team nicht. Kasper verweist auf die überaus dünne Personaldecke: „Der Gegner ist hoch motiviert. Wir haben noch mal das für uns Machbare reingehauen.“
Jean-Yves Mvoto hätte jeder sein Abschiedstor gegönnt. Einige Flankenversuche gab es, keiner kam an, nachdem der 35-Jährige über eineinhalb Jahre nach seinem bislang letzten Einsatz als Mittelstürmer eingewechselt wurde. Strahlen konnte Mvoto, der nun zurück in die Heimat nach Paris zieht, dennoch. Einen Kopfball, erzählt er im Plausch mit den Teamkollegen auf Englisch, hätte er sich gewünscht. Aber auch so: Der Abschied unter stehenden Ovationen auf der Tribüne war ein herzlicher. „Es waren drei emotionale Jahre“, erzählt Kasper, der für Mvoto Platz gemacht hatte, „ich bin hier super aufgenommen worden, habe mich pudelwohl gefühlt. Es war immer eine Ehre hier zu spielen. Ich habe es unheimlich genossen. Das ist ein Riesen-Verein hier, wo viel dahinter steckt.“ Lieber hätte Kasper den VfR an diesem Tag in die Relegation geschossen oder vorige Woche den Pokal gewonnen. „Ich bin mir sicher, dass die Jungs nächstes Jahr wieder angreifen.“
Einige junge Gesichter rotierten aufs Feld. Justin Tamon (20) aus der Zweiten debütierte, A-Junior Salvatore Mangano gab seinen Ausstand – er wechselt zum FCK II. Der hat sich durch die Wormser Niederlage Rang vier geschnappt. Aber: „Wir stehen besser als im ersten Jahr unter Kristjan Glibo“, betont Clubchef Florian Natter. Trainer Peter Tretter richtete seinen Dank „im Namen der Mannschaft und aller Verantwortlichen“ an die Zuschauer, an das Umfeld. Dem Abwärtstrend 2024 zum Trotz, „unsere Fans haben uns immer unterstützt“. Jetzt gelte es sich zu sammeln und dann von Neuem anzugreifen, auch wenn Tretter die Aufstiegsplätze nicht explizit als Ziel ausrufen möchte. Schon am 26. Juni ist Trainingsauftakt, eine Woche vorher beginnen die Laufpläne.
Wormatia: Pedretti (74. Dos Santos) – Nicklis (46. Ilic), Ludwig, Smiljanic, Mangano (74. Tamon) – Haber, Jensen (62. Maurer) – Gotthardt, Manganiello, Shehada – Kasper (79. Mvoto).