
Zwei Trends setzten sich fort im Rheinhessen-Duell des Fußball-Oberliga, und sie führten zum logischen Ergebnis. 2:0 (0:0) hat Wormatia Worms gegen den SV Gonsenheim gewonnen und damit für's Erste Rang fünf gesichert. Sechs Spiele, fünf Punkte – für die Mainzer geht es dieses Jahr abwärts, während der VfR seinen vierten Dreier am Stück einsackte. Und das, wie ergebnisgleich gegen Eppelborn und RW Koblenz sowie zuvor gegen Morlautern (3:0), wieder im Schlussspurt.
Eine zu weit gezogene Flanke schnappt sich Moritz Gotthardt, spielt einen sauberen Doppelpass mit Luca Jensen und legt dann vor dem Kasten quer. Talha Baylans Abstauber frei vor dem Tor lässt das Gros der 900 Zuschauer jubeln (90.) – unmittelbar bevor der Unparteiische die Nachspielzeit anzeigt. Der SVG wirft alles nach vorne, spielt dann hinten raus einen Fehlpass, Baylan geht steil, legt rüber zu Mert Özkaya, der am zweiten Pfosten Erijon Shaqiri einsetzt. 2:0, Deckel drauf (90.+4). „Jetzt weiß ich, warum die Leute immer so spät einschalten bei uns im Livestream“, heißt es unter Freudenrufen bei Wormatia TV.
„Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht“, sagt Wormatia-Trainer Marco Reifenscheidt, „es war ein anderes Spiel als unsere letzten Heimspiele, die Jungs waren schärfer, das Positionsspiel gut.“ Doch ein Chancenfestival war es nicht. Ein dickes Ding hatte der SVG im Konter, doch Abdellatif El Mahaouis Lauf aufs Wormser Tor brachte keinen Treffer. Genauso wie ein Konter nach Wormser Ecke kurz vor dem 1:0. „Da hatten wir zwei Mal das Glück auf unserer Seite“, sagt Reifenscheidt. Und freut sich über die Tore: „Die zwei Sprints mehr, die wir gemacht haben, haben den Unterschied gemacht.“
Späte Doppelschläge werden zur Spezialität
Kann man schon vom Wormatia-Dusel sprechen? Späte Tore bringen, wie der Wormatia-Coach bemerkt, Zutrauen und Geduld mit sich. Man wird nicht hektisch, glaubt an seine Chance. Und jeder solcher spät eingetüteten Siege „macht was mit der Mannschaft“, betont Reifenscheidt, „und vielleicht auch mit dem Gegner“. Der 43-Jährige attestiert seiner Elf einen Reife-Fortschritt, der sich auch darin äußerte, dass beide Innenverteidiger früh Gelb-verwarnt recht souverän durchhielten. „Die Mannschaft glaubt dran, das ist der Unterschied“, betont Reifenscheidt, „sie ist gegen den Ball sehr aggressiv und lässt sich mit dem Ball was einfallen. Ich finde, wir haben verdient gewonnen.“
Ferhat Gündüz, der Gonsenheimer Cotrainer, haderte mit der Niederlage, weil er einen disziplinierten Auftritt seiner Mannschaft gesehen hatte: „Wir sind aufgetreten mit Stolz, mit Motivation, mit Konzentration. Wormatia Worms war viel effektiver. Ich kann der Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen. Eine bittere Niederlage.“ Einmal musste Nokouri Hangatta auf der Linie klären, einmal war Keeper Paul Simon nach einer Ecke gefragt. „Tore zu schießen, funktioniert zurzeit nicht“, sagt Gündüz, „die Reaktion auf dem Platz war da, und die Enttäuschung war groß.“
Nun sind beide Cheftrainer im Urlaub
Gündüz hatte das Kommando, weil SVG-Chefcoach Anouar Ddaou die Ferienzeit nutzt und mit seiner Familie im Urlaub ist. Reifenscheidt reiste nach Spielschluss seinen Freunden in den Ski-Urlaub nach. Und ist rechtzeitig vor dem dritten Heimspiel am Stück Samstag gegen Idar-Oberstein wieder da. „Ich werde gut gelaunt sein“, freute sich der Wormatia-Trainer auf seinen Kurztrip.
Wormatia Worms: Pedretti – Gotthardt, Ota, Onyejekwe (88. Grajcevci), Smiljanic – Rosenbaum, K. Özkaya – M. Özkaya, Graf (76. Jensen), Schehl (60. Baylan) – Shaqiri.
SV Gonsenheim: Simon – Hangatta, Karakaya, Lapre (71. Rodwald) – Klein, Neukirch, Coric, Tepedibi (90.+2 Heine) – Babovic (71. Vogel), El Mahaoui, Ischdonat.