
Worms. Der VfR Wormatia Worms hat schon deutlich bessere Zeiten erlebt. Das Flaggschiff Oberligateam erlebt erneut eine Saison im grauen Mittelmaß der Tabelle, ist aber rund um den Wormser Klub allgegenwärtig und übertüncht seit jeher auch Fortschritte im Jugendbereich oder bei der U21 (derzeit ein Spitzenteam in der Landesliga) des Vereins. Einfach, weil die Stimmung rund um den Traditionsverein in der Regel von der sportlichen Entwicklung der Ersten Mannschaft abhängig ist. Und um die ist es angesichts der sportlichen Entwicklung der vergangenen Jahre aktuell nicht besonders gut bestellt.
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Verein, Fans und Beobachter sind sich einig: Für sportlichen Erfolg benötigt es Kontinuität. Und so gerne die Wormatia-Verantwortlichen in diesem Bereich Fortschritte erzielen würden, so schwierig gestaltet sich die Realität. Bestes Beispiel: die Transfers in diesem Winter. Sechs Spieler gingen, zwei Neue (Jabez Makanda und Kerem Kabadayi) kamen. So erklärbar die Abgänge auch sind (Ajet Grajcevci, Jonathan Muiomo und Timo Ulpins spielten sportlich keine Rolle, Thomas Roetynck flog wegen einer Disziplinlosigkeit aus dem Team und bei Altin Vrella und Malik Yerima spielte der Beruf eine wesentliche Rolle), so ernüchternd war diese Tatsache für die Wormatia-Fans.
Denn mit Vrella verließ eben sogar der Kapitän den Verein. Ein Spieler, der in den Augen aller Betrachter, auch künftig eine zentrale Rolle beim VfR hätte einnehmen sollen. „Wir müssen uns lösen von der Loyalität der Vergangenheit”, sagt VfR-Präsident Florian Natter im Wormatia-Podcast „1908“ und hält den Vrella-Transfer aus Vereinssicht „mit der Ablöse (...) für den wirtschaftlich vernünftigen Weg.” Eine wenig „romantische“ Aussage, aber absolut legitim. Eins zu eins zu ersetzen wird der Abwehrchef nicht sein, weswegen die Wormaten in den kommenden Monaten auf die Alternativen Jabez Makanda, Talent Kerem Kabadayi und Comebacker Leo Klein setzen. Den Abgang und das frei gewordene Budget direkt zu reinvestieren war angesichts der Kurzfristigkeit und des umkämpften Spielermarktes nicht realistisch.
So verständlich der Vrella-Abgang argumentativ auch ist, er passt in das Bild, das die Wormatia in den vergangenen Jahren auf dem Transfermarkt abgegeben hat. Zahlreiche Spieler kamen und gingen. Nach dem Regionalliga-Aufstieg kamen vor der Saison 2022/2023 15 Neue an die Alzeyer Straße – zwölf VfRler verließen den Verein. 2023/2024 wurden erneut viele Spieler transferiert (14 Neue, 18 Abgänge). Gleiches galt vor den Spielzeiten 24/25 (14/15) und 25/26 (19/19). Und dabei sind die Winterwechsel noch nicht mal berücksichtigt. Für die Wormatia-Fans galt also vor jeder neuen Saison zuletzt das Motto: neues Spieljahr, neue Mannschaft. Ein Fakt, der die fehlende Kontinuität belegt: Vom Wormatia-Kader der Saison 2023/2024 sind nur noch Moritz Gotthardt und John Dos Santos (zwischendurch beim SC Verl II) übrig.
Wer bei der Wormatia sportlich heraussticht, erliegt in der Regel den Verlockungen höherklassiger Vereine. So weit, so normal. Unter anderem die Wege der ehemaligen VfR-Unterschiedsspieler Simon Joachims, Noel Eichinger oder Daniel Kasper zeigen, dass die Wormatia ein „Sprungbrett“ für Talente sein kann. Nur: Viele junge Spieler wollen sich bei einem Transfer inzwischen nur noch auf das nächste Jahr festlegen. Der neue Verein ist also gezwungen einen „Kompromiss“ einzugehen, um den gewünschten Spieler verpflichten zu können. Bedeutet zwar kurzfristige Planbarkeit, aber eben auch keine Kontinuität. Würde die Wormatia in solchen Fällen auf eine längerfristige Zusammenarbeit beharren, würde sie wohl bei einigen dieser Spieler, die selbst in der Oberliga bereits oftmals mit Beratern auftreten, leer ausgehen. Ein weiteres Problem sind selbstredend potente Vereine, mit denen die Wormatia schlicht nicht (mehr) mithalten kann.
Mit diesen Schwierigkeiten müssen auch andere Vereine umgehen. Doch es gibt genügend Beispiele, die beweisen, dass Erfolg und Kontinuität auch in Liga fünf zueinanderfinden können. Schott Mainz machte das zuletzt vor, aktuell auch der FK Pirmasens und besonders der TSV Gau-Odernheim. Jeder Verein muss dabei sicher differenziert betrachtet werden, auffällig ist aber, dass diese Klubs in ihren Personalplanungen weiter sind als die Wormser. Denn wie der Kader der Wormser in der kommenden Saison aussehen wird, ist, Stand jetzt, völlig unklar. Und ein Angriff auf die vorderen Tabellenplätze unter diesen Voraussetzungen schon jetzt ein Nachteil gegenüber zur Konkurrenz.
Das Problem, das in der Vergangenheit wenig Talente aus der eigenen Jugend den Weg in die Erste Mannschaft fanden, haben die VfR-Verantwortlichen schon vor Jahren moniert und gegengesteuert. Mit der Verpflichtung von Christoph Hartmüller als Sportlicher Leiter U16-U21, der jüngst seinen Vertrag bei den Wormaten verlängerte, hat der Verein die Weichen auf eine bessere Verzahnung zwischen Jugendbereich und Herrenfußball gestellt. Zu einer Verbesserung trägt auch Björn Weisenborn als Co-Trainer von Anouar Ddaou in der Oberligamannschaft und Chefcoach von Wormatias U21 bei. Positiv: Rechtsverteidiger Felipe Ralda de Oliveira, vor der Saison bei der U21 gestartet, ist mittlerweile ein vollwertiges Kadermitglied im Oberligakader des VfR.
Gleiches gilt für die Mittelfeldtalente Lukas Sundin und Alazar Mulugeta, die ihre Spielpraxis vorwiegend noch in der Landesliga erhalten. Ein weiteres Positivbeispiel: Omar Hashem Sayed verbrachte seine Jugend zwar beim TV 1817 Mainz und stieß erst im vergangenen Sommer zum Landesliga-Team der Wormatia, dort setzte sich der 19-jährige Stürmer aber auf Anhieb durch (16 Torbeteiligungen in 14 Begegnungen) und ist für die kommende Spielzeit im Ddaou-Team fest eingeplant.