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Ligabericht

Wormatia Worms: Grundsatzfragen nach der Abreibung

Nach 2:6-Klatsche beim SV Gonsenheim will Trainer Lemm mit dem Mannschaftsrat über die Spielweise sprechen

von Torben Schröder · 30.08.2026, 11:33 Uhr · 0 Leser
Keeper Luca Pedretti hielt die Niederlage noch, na ja, in Grenzen.
Keeper Luca Pedretti hielt die Niederlage noch, na ja, in Grenzen. – Foto: Kristina Schäfer (Archiv)

Das war mehr als eine Niederlage. Die 2:6 (2:2)-Klatsche, die die Oberliga-Fußballer von Wormatia Worms beim SV Gonsenheim kassiert haben, wirft grundsätzliche Fragen auf. Nach vier Pflichtspiel-Pleiten am Stück, so unterschiedlich sie zu begründen waren, denkt Trainer Artur Lemm über eine grundsätzliche Neuausrichtung nach.

Der Spielverlauf zeigt, dass es der Mannschaft an mentaler Stärke fehlt. Durch Mert Özkayas Foulelfmeter (6.) eigentlich ideal ins Spiel gekommen, löste das prompte 1:1 durch Jan Vogel (11.), vorbereitet durch einen Tiefenball auf der linken Seite, Unsicherheit aus. „Man hat das Gefühl, dass das direkt etwas mit der Mannschaft macht, und das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen“, sagt Lemm.

Es ergab sich eine Halbzeit, die beiderseits reich an Torchancen war. Die dickste vereitelte Luca Pedretti, der Elias Walters Foulelfmeter hielt (26.). Vorne fehlte es an Effektivität. Isaac Okwubor setzte einen Kopfball daneben (20.), Belel Meslem scheiterte zweimal im direkten Duell mit SVG-Keeper Paul Simon (27., 29.). Völlig frei durfte auf der Gegenseite Maurice Neukirch mittig vor dem Tor eine Ecke einlochen (33.), auch nach zwei weiteren Eckbällen brannte es.

Pausenführung plötzlich möglich

Eher überraschend in dieser Phase, glich Okwubor nach einem Einwurf und Meslems Querpass aus (40.). Nun hätte Wormatia sogar mit einer Führung in die Kabine gehen können, zwei vergebene Chancen und die Abseitsfahne verhinderten dies. Effektiv war der VfR auch diesmal nicht. Das nächste dicke Ding ließ direkt nach Wiederbeginn Amir Moore aus (46.), ehe das Wormser Spiel völlig kollabierte.

Das 2:3 illustrierte, wo die Schwäche im Lemm-System der Mann-gegen-Mann-Verteidigung auf dem gesamten Platz liegen kann. Gonsenheimer Spielaufbau, der Torwart schlug den Ball weit vor, Jan Vogel gewann sein Luftduell, Laurenz Graf blieb liegen, sodass Vogel nach Yannik Ischdonats Hereingabe mutterseelenallein einschieben durfte (47.). Kein Übernehmen, kein Durchschieben, keine Absicherung.

"Verlieren völlig die Kontrolle"

„Bis zum Pokalspiel haben wir von der Energie her eine sehr ordentliche Runde gespielt“, sagt Lemm. Plötzlich gebe es jedoch Phasen „mit viel zu großen Abständen, keiner guten Energie, ohne Aufwand, Sprints, Zweikampfbereitschaft, schnellem Zuschieben“. Nach dem 2:3 „verlieren wir“, wie Lemm analysiert, „aus dem gut gemeinten Willen, es wieder gutzumachen, völlig die Kontrolle über das Spiel und geben riesige Räume. So kannst du nicht Fußball spielen.“

Nach Tom Fladungs Doppelchance (51.) hagelte es Gonsenheimer Hochkaräter. Can Karakas unbedrängt aus dem Rückraum (54.), Anes Abdiovski im Anschluss an eine weitere, eigentlich verhungerte Ecke (60.) und Yannik Ischdonat nach Bennett Kruses Flankenlauf (70.) machten das halbe Dutzend voll. Eine Handvoll weiterer Großchancen verballerte der SVG.

Improvisierte Aufstellung

Lemm verweist darauf, dass die vier ersten Alternativen für die Schienenspieler-Position weggebrochen sind. Eine Systemveränderung mit improvisierter Besetzung war die Folge. Das ist aber kein Grund, derart fahrig und unstrukturiert zu verteidigen. „Gonsenheim war in den zentralen Positionen fußballerisch heute deutlich stärker“, sagt Lemm, „wir haben viele Eins-gegen-Eins-Duelle nicht gewonnen.“ Dass Neuzugang Tim Grünewald direkt bester Wormser gewesen sei, könne eigentlich nicht sein.

Lemms System ist hoch anspruchsvoll in Sachen Konzentration und Intensität. Es kann, wie der Saisonstart zeigte, zu tollen Leistungen führen, wenn die Überzeugung da ist. Aber es birgt große Risiken, wenn all diese Eigenschaften nicht zu 100 Prozent erfüllt sind. „Wir müssen unsere Köpfe zusammenstecken und wieder als Einheit agieren, wir alle“, sagt der Trainer, der sich nun mit dem Mannschaftsrat besprechen will, ob der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden soll – dann aber mit voller Überzeugung – oder eine andere Herangehensweise ratsamer ist.

Spieler müssen sich wohl fühlen

„Ich will erfolgsorientiert Fußball spielen“, betont Lemm. Die Mannschaft müsse sich im verordneten System auch wohl fühlen. Tut sie das nicht mehr, oder fehlt es an Spieler-Profilen und Fitness dafür, dann muss die Wormser Spielanlage womöglich neu definiert werden.

SV Gonsenheim: Simon – Luft (75. Pohland), Abdiovski, Hangatta – Polichronakis, Neukirch, Cucchiara, Engler (71. Jensen) – Vogel (71. Coric), Karakas (58. Kruse) – Walter (46. Ischdonat).

Wormatia Worms: Pedretti – Moore, Büker, Vrella (76. Kömesögütlü), Akoto – Fladung, Graf – Grünewald, M. Özkaya, Okwubor (76. Sayed) – Meslem.