
Der Bann ist gebrochen. Seit dem 18. Oktober, also fast fünf Monate lang, musste der VfR Wormatia Worms auf einen Pflichtspiel-Sieg warten. Das bittere Pokal-Aus im Elfmeterschießen gegen Pirmasens warf die bis dahin auf Aufstiegskurs befindlichen Nibelungenstädter völlig aus der Bahn, acht Oberligaspiele vor der Winterpause ergaben lediglich zwei Zähler.
Umso größer war die Erleichterung, als beim FV Diefflen endlich der Abpfiff ertönte und der 3:2 (2:1)-Sieg fest stand. „So kann man in die restliche Rückrunde starten“, konnte auch Anouar Ddaou strahlen. Sollte der Wormser Trainer in den nächsten Tagen ein, zwei graue Haare neu an sich entdecken, wird er wissen, wo sie herkommen. Viel zu lange machte es seine Elf spannend. Und auch der Unparteiische war Ddaou ein Rätsel.
„Die ersten 15, 20 Minuten haben komplett uns gehört“, fasst der Chefcoach zusammen. „Danach wurde es bis zur Pause ein wilderes Spiel.“ Mert Özkaya, der einen von Laurenz Graf verlängerten Einwurf am zweiten Pfosten einschob (31.), und Nico Jäger, der „Arjen-Robben-mäßig“ von rechts nach innen zog und, leicht abgefälscht, per Schlenzer traf (37.), besorgten den Doppelschlag.
Doch die Saarländer antworteten. Nach einer Flanke nutzte Fabian Poß die Konfusion in der Wormser Verteidigung (38.). Und nach Marc Nauths vergebener Chance staubte Julian Kern auf der Gegenseite im Gestocher zum 2:2 ab (49.). Dazwischen lag eine Druckphase Diefflens samt Lattentreffer und einer Doppel-Parade von Tobias Edinger.
Ellenbogen-Check bleibt folgenlos
Und dazwischen lag auch Ddaous Platzverweis. Er hatte eine Vorgeschichte. Wormatia-Kapitän Tom Fladung hatte Mitte der ersten Halbzeit eine Diskussion mit dem Unparteiischen. „Danach gab es fast keinen Pfiff mehr für Tom“, hält Ddaou fest. So auch nicht, als ihm bei einem weiten Ball im Luftduell Poß' Ellenbogen ins Gesicht flog. „Eine glasklare Tätlichkeit, das hat jeder gesehen“, betont der VfR-Trainer. Stattdessen gab es Gelb für beide.
Im Kabinengang wollte Ddaou gern eine Begründung für diese Entscheidung hören, sah sich aber einem erklärtermaßen alles andere als gesprächigen Fabian Mohr gegenüber. Ddaou, bislang nicht als Wüterich aufgefallen, sah nach eigener Schilderung für den Satz „Das ist doch keine Antwort“ Gelb. Und für die Ankündigung, das entsprechende Video an den Verband zu schicken, dann die Ampelkarte. Die Unparteiischen, so berichtet Ddaou, werteten diese Ankündigung offenbar als Drohung.
Das Sieg- ist ein Traumtor
Daher erlebte der Trainer die Vielzahl Torchancen, die die Wormser in Durchgang zwei liegen ließen, ebenso vom Zuschauerraum aus wie das Siegtor von Mert Özkaya, der seinen zehnten Saisontreffer mit einem 25-Meter-Freistoß in den Winkel setzte (56.). „Wir haben in der zweiten Halbzeit nur auf ein Tor gespielt, hatten zig Torchancen und müssen es viel höher gestalten“, fasst Ddaou zusammen, „es war eine sensationelle zweite Halbzeit und insgesamt ein gutes Spiel von uns, das wir unnötig spannend machen.“
Wermutstropfen sind die Sperre des Trainers beim kommenden Heimspiel gegen Idar-Oberstein sowie die Verletzungen von Leo Klein im Training (Sprunggelenksblessur, zwei bis drei Wochen Pause) und Niklas Meyer, der kurz vor dem Seitenwechsel vom Feld humpelte.
Wormatia Worms: Edinger – Ralda, Makanda, Graf, Obas – Fladung – Sundin (72. Siontis), M. Özkaya (80. Edet) – Jäger, Meyer (45. Nauth), Schehl.