
Genau zwei unbesiegte Monate sind vorüber, die zweite Pleite in dieser Oberliga-Saison ist perfekt – und sie war absolut vermeidbar. Mit einer anderen Mentalität vom Start weg, und mit einer besseren Chancenverwertung. So aber steht für den VfR Wormatia Worms eine 1:2 (0:2)-Niederlage bei Arminia Ludwigshafen zu Buche.
Auf ein „sehr hitziges, intensives Spiel, ein Derby mit vielen Spielern, die die Seiten gewechselt hatten“, blickt VfR-Trainer Anouar Ddaou: „Ludwigshafen hat man von der ersten Minute an angemerkt, dass sie den Glauben hatten und dieses Derby unbedingt für sich entscheiden wollten. Das Gefühl hatte ich in den ersten 25, 30 Minuten bei uns nicht.“
Die Folge war ein kapitaler Fehlstart. Erst machte Maximilian Krämer („der in der ersten Halbzeit bärenstark war“) einen langen Ball fest und verwertete dann selbst im Zentrum (13.). Dann wurden die Gäste bei einem Umschaltangriff der Arminia im Rücken ihrer Abwehrkette erwischt, Yassin Memokoh vollstreckte (36.). Zwischendrin scheiterte Altin Vrella mit einem Elfmeter an Keeper Kevin Urban. Laurenz Graf war mit dem Ellbogen getroffen worden. Ähnliche Aktionen hatten auch zu einigen Freistößen geführt.
„Normalerweise ist Altin ein sicherer Schütze, und es ist richtig, dass der Kapitän Verantwortung übernimmt“, sagt Ddaou, „aber du musst diese Dinger in solchen Spielen machen.“ Damit blickt der Trainer auf eine Vielzahl Gelegenheiten, die vor, aber insbesondere nach der Pause ungenutzt verstrichen. Marc Nauth, der als einziger nach dem 2:0-Sieg gegen den SV Gonsenheim vom Mittwoch in die Startelf rotiert war, köpfte vor dem Seitenwechsel seinen Gegenspieler an, sodass der Ball knapp am Tor vorbei flog.
Ddaou erkennt seine Mannschaft erst mit Verzögerung wieder
„Ludwigshafen macht aus drei Möglichkeit zwei Tore“, rechnet Ddaou vor. So viel Effizienz auf Wormser Seiten, und es hätte einen Kantersieg geben können. Schon vor dem Seitenwechsel sah Ddaou eine „krasse Druckphase, wo das 2:1 fallen muss“. „In der zweiten Halbzeit haben nur noch wir gespielt und Chancen im Minutentakt gehabt. Da hatten wir viel mehr Energie, Intensität, Wille, Biss. Das war eine Mannschaft, die ich wiedererkannt habe.“
Nur die in Dudenhofen (1:0) und gegen den SVG gezeigte Effektivität war dahin. Graf ließ, wie der VfR-Trainer berichtet, zwei Hundertprozentige liegen. Und Noah Maier, in der Halbzeit eingewechselt, „hatte drei, vier Mal am Elfmeterpunkt den Ball auf dem Fuß und hätte das Spiel allein entscheiden können“. Hinzu kamen Standards und Strafraumaufenthalte en masse.
Immerhin, der Anschluss gelang dann doch noch. Graf stocherte im Gewühl nach dem Ball, der zu Maier kam. Der Stürmer ließ seinen Gegenspieler stehen und traf ins lange Eck (80.). Spät, aber eigentlich früh genug, um die Partie noch zu drehen, wie sich in der Folge zeigen sollte. Doch Bobby Edet schoss aus dem Fünf-Meter-Raum den Keeper an. David Schehl lief Urban den Ball ab, brachte gegen den an der Strafraumkante postierten Torwart den Ball in einer Drei-gegen-Eins-Situation aber nicht aufs Gehäuse, weil Urban stark reagierte. Auch Mert Özkaya und noch mal Maier vergaben, dann war es vorbei.
"Sensationeller" Urban und eine kuriose Gelbe Karte
„Ihr Torwart hat ein sensationelles Spiel gemacht“, muss Ddaou eingestehen. „Wir verlieren ein Spiel, das wir nicht verlieren müssen.“ Und das am Ende zu zehnt, weil Vasileios Siontis zweimal einen aussichtsreichen Ludwigshafener Konter taktisch unterband und die Ampelkarte sah (90.+4). Weil Cotrainer Christoph Schunck, als auf einmal wundersam die Spielgeräte schwanden, als Balljunge agierte, gab es Gelb.
„Englische Woche, tiefer Boden“, räumt Ddaou mögliche Ausreden gleich selbst ab, „der Gegner hatte dieselben Voraussetzungen.“ Wurde zu wenig rotiert? „Wir haben eine hoch intensive zweite Halbzeit gespielt. Dazu wären wir auch in der ersten Halbzeit in der Lage gewesen.“ Da aber hat offenbar der Wille gefehlt. Die Spieler hätten sich nach dem Sieg im Rheinhessen-Duell gut gefühlt, also sah Ddaou wenig Anlass zu wechseln.
Nach dem Spiel schrieb der 45-Jährige zwei freie Tage in den Dienstplan. „Erholung vor allem für den Kopf“ ist das Ziel, ehe am Dienstag die Vorbereitung auf den nächsten Gegner ansteht. Am Mittwochabend geht es erneut nach Dudenhofen, diesmal im Verbandspokal-Achtelfinale. „Da sollten die Jungs eine Reaktion zeigen“, fordert der Chefcoach.
Wormatia Worms: Edinger – Siontis, Vrella, Baderschneider (79. Edet), Obas (69. Roetynck) – Fladung, K. Özkaya (46. Jäger) – Meyer (46. Maier), M. Özkaya, Nauth (69. Schehl) – Graf.