
Worms. Nach dem Freitagstraining machte Tobias Edinger noch einen Abstecher. Es war der erste Spieltag der Oberliga, und der TSV Gau-Odernheim debütierte gegen den SV Gonsenheim – dem Ex-Club des neuen Torhüters von Wormatia Worms. Spätestens seit dem 1:0-Sieg des Aufsteigers, aber auch schon aus Verbandsliga-Erfahrung als Keeper in Idar-Oberstein, ist Edinger gewarnt: Diesen Aufsteiger, wo Wormatia am Sonntag (15.30 Uhr) antritt, darf man auf keinen Fall unterschätzen.
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„Das ist eine Mannschaft mit dem 100-prozentigen Willen, alles reinzuhauen, auch dort, wo es wehtut“, warnt Edinger, „sie kommen über Mentalität, Kampfgeist, Siegeswille, haben hinten ihre Türme und setzen auf schnelle Umschaltangriffe. Wir müssen ruhig bleiben, kompakt verteidigen und dann aus unserem Ballbesitz etwas machen.“ Denn Ballbesitz dürfte der VfR viel haben.
Einer der „Türme“ beim TSV ist Noah Juricinec – genauso ein Edinger-Kumpel aus gemeinsamen SVG-Zeiten wie Sechser Luca Dietrich. Eine Gefahr, den Underdog zu unterschätzen, sieht der 24-Jährige nicht: „Dafür haben sie schon zu viel gezeigt, zu viele Punkte geholt, es Gegnern extrem schwer gemacht. Und es ist ein Derby, wahrscheinlich mit vielen Zuschauern, es wird auch hitzig sein.“
Die sportlichen Ambitionen bei Wormatia waren es, und die guten Erfahrungen mit Chefcoach Anouar Ddaou, unter dem Edinger bereits in Gonsenheim gespielt hatte, die ihn im Sommer zum Wechsel motiviert haben. Der Torwart schwärmt von der Qualität seiner Mitspieler, staunt über die Dimensionen des Vereins, strahlt förmlich durchs Telefon, wenn er vom Dauer-Support und dem gemeinsamen Jubeln mit den Fans nach Spielschluss spricht.
Sieben Pflichtspiele, sechs Siege, dreimal die Weiße Weste – die Start-Bilanz kann sich mehr als sehen lassen, vor allem gemessen am XXL-Umbruch im Sommer. „Natürlich besteht an der ein oder anderen Stelle noch Entwicklungspotenzial“, sagt Edinger, „wir haben gefühlt jedes Spiel eine Halbzeit, in der wir nicht ganz auf der Höhe sind. Wenn wir erst mal beide Halbzeiten auf unserem Level spielen, sind wir sehr schwer zu schlagen.“
Die Integration habe schnell geklappt, die Altersstruktur ist homogen, die vielen Einheiten samt Übernachtungswochenende in einer Jugendherberge in der Vorbereitung schweißten zusammen. „Die Spielidee, die Prinzipien sind leicht zu verstehen“, sagt Edinger, „und kaum einer ist dabei, der die Anforderungen in dieser oder in höheren Ligen nicht kennt. Alle haben eine gute Ausbildung genossen.“
Natürlich sei das Team noch lange nicht am Optimum. „Viele Abläufe funktionieren noch nicht zu 100 Prozent“, sagt der 24-Jährige, „was immer funktioniert, sind Kampf, Wille und kompakt zu verteidigen.“ Das zunächst mühselige 3:0 gegen Auersmacher sieht Edinger als Musterbeispiel: „Wir haben den Gegner müde verteidigt, dann über Spielidee und individuelle Qualität Akzente gesetzt. Das ist schon eine Marschrichtung.“
Und als Keeper freut man sich eh, wenn Kompaktheit Trumpf ist: „Der Angriff gewinnt Spiele, die Verteidigung Meisterschaften, sagt man ja.“ Wenn man sehe, wo Gonsenheim vor Ddaous Amtszeit stand und wo am Ende, „und dann ein Verein mit solchen Strukturen wie bei uns – da gibt es wenig Grenzen“. Das Ziel laute, in jedem Wettbewerb bis zum Schluss in Greifdistanz zu etwas Großem zu sein. Nächster Halt: Gau-Odernheim.