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Ligabericht

Wormatia: Kollektives Versagen, ungekrönte Aufholjagd

2:3-Niederlage beim SV Gonsenheim wegen katastrophaler Anfangsphasen

von Torben Schröder · 28.09.2024, 18:09 Uhr · 0 Leser
Für Jan Dahlke war mehr als nur ein Tor drin.
Für Jan Dahlke war mehr als nur ein Tor drin. – Foto: Claus-Walter Dinger (Archiv)

Das lag nun wirklich nicht in der Luft. Vier Spiele, zehn Punkte, eine immer stabilere Defensive – und dann das. 2:3 (0:2) hat der VfR Wormatia Worms im Oberliga-Topspiel beim SV Gonsenheim verloren, zu sehen im Re-Live. Ein halbes Dutzend guter, sehr guter Chancen hatten die Platzherren allein in den ersten 18 Minuten. Eine Aufholjagd trotz fast schon aussichtslosen Rückstands, das können sich die Wormser anrechnen lassen. Doch zwei Drittel der Spieldauer geben Rätsel auf.

„Wir haben hier mal wieder zwei Gesichter gezeigt“, sagt Kapitän Sandro Loechelt. Hier, auf der BSA Mombach, ließ sich der VfR auch vor fünf Monaten schon förmlich überrennen, lag früh 0:3 hinten, kämpfte sich dann ins Spiel, verlor aber 1:3. „Wir liegen zurecht hinten, wachen dann erst auf“, sagt Loechelt, „dann haben wir gezeigt, was wir spielen können. Am Ende wäre ein Unentschieden gerecht gewesen.“ Letzteres freilich sahen die Gonsenheimer anders.

„Wir waren 30 Minuten nicht bei der Sache“, sagt Cotrainer Benny Früh, „wir können 0:3, 0:4 zurückliegen. Das war kollektives Versagen, wir waren im Tiefschlaf, hatten nicht die Körperhaltung und Bereitschaft, die es braucht.“ Das Resultat: Yannik Ischdonat traf ins lange obere Eck (11.), Jan Vogel flach ins untere (18.). Vorausgegangen waren eine Flanke und ein Diagonalball, jeweils abgelegt vom vorgerückten Linksverteidiger Tibor Engler.

Luca Pedretti verhinderte früh einen aussichtslosen Rückstand, parierte im Eins-gegen-Eins mit dem Ex-Pfeddersheimer Ryoji Matsumura (15.) und gegen Nokouri Hangattas Kopfball (16.). Das flache 4-4-2, das die Mainzer sonst nicht spielen, mag mit gedoppelten Außenbahnen eine Überraschung gewesen sein. Doch das erklärt nicht, wie zögerlich und fahrig die Gäste agierten. „Das Gute ist: Wir fangen uns wieder“, sagt Früh. Der SVG rotierte nach Abdellatif El Mahaouis verletzungsbedingter Auswechslung (28.) ins 4-3-3 zurück, der VfR bekam Zugriff.

Zweimal Alu-Pech für Wormatia

Stark, wie Gonsenheim-Keeper Paul Simon den Schuss von Jan Dahlke an den Querbalken lenkt (30.). Pech, wie Mert Özkaya per Kopf nach Simons Ausflug ins Leere am Außenpfosten scheitert (35.). „Es fehlten überall ein paar Prozent“, blickt Loechelt auf die erste Halbzeit, „eines führt dann zum anderen. Dabei hatten wir in den Wochen vorher und auch beim Warmmachen eigentlich das Gefühl, dass wir da sind.“ Daher schworen die Wormser sich in der Pause zur Aufholjagd ein – und wurden direkt kalt erwischt.

Ecke Ischdonat, Kopfball Maurice Neukirch – 0:3 (47.). Wieder ein Standard-Gegentor. Danach wirkten die Wormser wie gelähmt und konnten vollends aus der Kurve fliegen, wenn nicht Laurenz Graf auf der Linie gegen Ischdonat (54.) und Pedretti mit dem langen Bein gegen Vogel (56.) gerettet hätten. „Die Entstehung des Standards war schon blöd“, sagt Früh, „nach dem Gegentor waren wir dann zehn Minuten tot.“

Dahlke hat einen Hattrick auf dem Schlappen

Umso bemerkenswerter, wie der VfR zurückkam. Langer Ball, Ablage, Heber von Dahlke ins Netz, nur noch 1:3 (60.). Plötzlich schwimmt der SVG hinten. Dahlke steht mittig völlig frei, braucht aber zu lange mit der Entscheidungsfindung (71.). Und rutscht dann, ebenso frei, aus (74.). Früh kann es nicht glauben, wirft Block und Stift durch die Coachingzone. Und jubelt kurz danach doch. Matsumura liegt mit Krampf am Boden, der VfR spielt seinen Angriff aus. Julian Marquardt, der das Spiel belebte, flankt, Erijon Shaqiri drückt den Ball am kurzen Pfosten rein (77.).

„Wir haben die Chancen, auf 3:3 zu stellen“, sagt Früh, „das wäre gut für die Moral gewesen. Die 30 Minuten Tiefschlaf haben uns das Spiel gekostet.“ Und nicht das letztlich nicht gekrönte Comeback, nach dem die Wormser zumindest den Applaus ihrer Fans mitnahmen. Rund die Hälfte der 250 Zuschauer trugen Wormatia-Farben. Eine letzte dicke Chance nach einem Freistoß blieb im Gewühl ungenutzt (84.). Dann spielte der SVG seine per Abwehrbollwerk gesicherte Führung herunter.

Mittwoch geht es in Eppelborn weiter

„Wir müssen an die letzten 30 Minuten anknüpfen“, fordert Früh. „Die Möglichkeiten zum Ausgleich hatten wir“, hebt Loechelt hervor, „das sollte uns Mut machen.“ Nach dem Auslaufen am Sonntag geht es am Dienstag im Training schon darum, sich auf das Gastspiel am Mittwochabend bei Aufsteiger Eppelborn vorzubereiten. Es sind personelle Änderungen zu erwarten, denn Früh machte „zwei, drei Ausfälle in der Startelf“ aus.

Wormatia Worms: Pedretti – Nicklis (28. Baylan), Graf, Smiljanic, Obas – Loechelt, K. Özkaya (57. Willrich) – Shaqiri, Catovic (57. Marquardt), M. Özkaya – Dahlke.