
Worms/Mainz. Zweiter gegen Fünfter, südliches gegen nördliches Rheinhessen, Vorgänger gegen Nachfolger – das Prestige-Duell zwischen Wormatia Worms und dem SV Gonsenheim diesen Mittwoch (19.30 Uhr) unter Flutlicht bietet viele spannende Facetten.
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Zwei neue Trainer haben personell runderneuerte Mannschaften nach missglücktem Saisonstart schnell ins Punkten gebracht und stabile Serien zu verteidigen. Wormatia, seit neun Pflichtspielen unbesiegt, sammelte allerdings seit Anfang August keine Erfahrung mehr gegen Top-Gegner – anders als die Mainzer, die in acht Spiele ohne Niederlage die Partien in Engers (1:1) und gegen TuS Koblenz (0:0) einreihten.
Ist Wormatia bereit für ein Topspiel? „Wir sind schon lange bereit, egal für welchen Gegner“, betont Trainer Anouar Ddaou, der fünf Jahre beim SVG an der Seitenlinie stand, den langjährigen Abstiegskandidaten im oberen Drittel etablierte und vorübergehend sogar, mit der Vizemeisterschaft 2024, den VfR überflügelte. „Das ist kein alltägliches Spiel, die Vorfreude ist groß“, betont Ddaou.
Dass er im Guten ging, zeigte sich am Rande des Gonsenheimer Spiels gegen Eppelborn (3:1), wo der 45-Jährige entspannt zwischen verletzten SVG-Spielern und Sportvorstand Marvin Bylsma stand. „Der Empfang war sehr herzlich, aber wir haben ja auch sehr gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet.“ Aus den Diskussionen zwischen den Clubs, Stichwort Coronaregeln und Platzsperrung, hielt sich Ddaou stets heraus. Und Spieler, die all das miterlebt haben, sind eh kaum noch da.
Nachfolger Luca Vanni war anderthalb Jahre neben seinem Job als U19-Trainer in Gonsenheim auch Ddaous Co-Trainer. „Wir haben gut zusammengearbeitet, begrüßen uns nett“, sagt Ddaou. Von einem vertrauensvollen Verhältnis spricht Vanni: „Ich konnte viel von ihm lernen.“ Im regelmäßigen Austausch stehen die beiden allerdings nicht mehr. Interessant wird zu beobachten sein, wer seinen Trainerkollegen mit welchem taktischen Kniff überraschen will.
Ddaou verspricht sich ein hochklassiges Spiel auf technisch-taktisch hohem Niveau. Beide wissen, dass der jüngste Eindruck täuscht. Der SVG ist besser als beim mühseligen 3:1 gegen Schlusslicht Eppelborn, Wormatia stabiler und spielstärker als beim erzitterten 1:0 in Dudenhofen. „Sehr durchdachte Spielzüge, Emotionalität und Intensität“ erwartet Ddaou vom SVG. Und weniger individuelle Fehler im Aufbau- und Übergangsspiel von seinen Jungs.
Eine Torwartleistung von Tobias Edinger wie in der Vorderpfalz würde ebenfalls helfen. Der Wormser Keeper stand drei Jahre beim SVG im Tor. „Gonsenheim hat gern den Ball, fordert dich, gibt dann aber auch Räume her“, blickt Ddaou voraus, „das sind zwei Mannschaften, die ähnlich ticken, Dominanz ausstrahlen wollen.“ Ein Kernunterschied: Bei Wormatia fehlen nur noch Leo Klein (Vorstufe einer Schambeinentzündung) und vielleicht Niklas Meyer, während der SVG bis zu neun Ausfälle befürchtet.
„Wormatia hat immer den Anspruch, ganz oben mitzuspielen“, sagt Vanni, „die nennst du in einem Atemzug mit TuS Koblenz und FK Pirmasens. Ein enormes Brett, und in Worms sind sie verlustpunktfrei.“ Auch mit einer „gesunden Aggressivität von der Tribüne“ rechnet der SVG-Trainer, um sogleich zu betonen, wie er solche Oberliga-untypischen Randbedingungen schätzt. 3:4 lautete übrigens Ddaous Pflichtspielbilanz gegen Wormatia als SVG-Coach.