
Inan Aydar, Trainer des Mannheimer Kreisligisten SV Enosis Mannheim, macht den FuPa Baden Sommercheck.
1) Wie fällt euer Fazit zur vergangenen Saison aus?
Die Saison 2024/25 war für uns als Verein eine intensive, lehrreiche und gleichzeitig herausfordernde Spielzeit.
Sportlich konnten wir in einigen Phasen unser Potenzial andeuten, mussten aber auch anerkennen, dass uns in vielen Bereichen die nötige Konstanz, Kompaktheit und Struktur gefehlt hat. 92 Gegentore in 28 Spielen sprechen eine klare Sprache – defensiv waren wir zu offen, zu unorganisiert und haben zu viele einfache Fehler gemacht. Auch wenn wir im Offensivspiel mit 69 erzielten Treffern durchaus Qualität gezeigt haben, war das Gleichgewicht im Spiel nicht gegeben.
Neben dem Platz war die Saison geprägt von vielen Wechseln und Veränderungen – sowohl im sportlichen Bereich als auch in der Struktur. Das hat uns sicherlich nicht geholfen, eine klare Linie und stabile Mannschaftsleistung zu entwickeln.
Trotz allem: Die Saison war wichtig. Denn sie hat uns aufgezeigt, wo wir stehen, was fehlt und was wir ändern müssen.
2) Was sind eure Ziele für 2025/26?
Nach einer durchwachsenen vergangenen Saison haben wir für die neue Spielzeit klare sportliche und strukturelle Ziele definiert. Die Richtung ist eindeutig: Wir wollen Enosis Mannheim stabilisieren, weiterentwickeln und wieder in die Erfolgsspur bringen.
3) Wer wird eurer Meinung nach Meister und warum?
Die Liga ist in diesem Jahr stark besetzt – mit vielen Mannschaften, die sich berechtigte Hoffnungen auf eine Topplatzierung machen können. Es gibt die konstanten Teams wie Käfertal und Ilvesheim, die seit Jahren gefestigt spielen und immer oben mitmischen. Mit Feudenheim hat sich zudem ein weiterer Verein sehr gezielt und namhaft verstärkt – das wird man im Saisonverlauf deutlich merken. Und auch Neckarau, als Absteiger mit Qualität im Kader, darf man nie abschreiben.
Trotzdem gibt es für uns aktuell einen klaren Topfavoriten: den Aufsteiger aus Neulußheim. Was sie personell auf die Beine gestellt haben, ist auf diesem Niveau außergewöhnlich. Eine sehr erfahrene, spielstarke und eingespielte Mannschaft, die definitiv mit Ambitionen antritt und das auch ausstrahlt.
Aber am Ende werden Kleinigkeiten entscheiden: Tagesform, Kaderbreite, Verletzungen, Mentalität – und wer Woche für Woche bereit ist, alles zu investieren.
Wir freuen uns auf diese Herausforderungen und wollen dafür sorgen, dass auch Enosis in dieser Liga wieder eine Rolle spielt, mit der man rechnen muss.
4) Der Amateurfußball wird aktuell attraktiver und die Bundesliga eher unattraktiver. Stimmt Ihr diesem Trend zu?
Ja, es gibt den Trend: Amateurfußball wirkt zunehmend attraktiver, durch Nähe, Emotion und echte Community-Erlebnisse. Gleichzeitig wird die Bundesliga kommerziell komplexer, leidet aber unter stagnierendem Wachstum und abnehmender heimischer Aufmerksamkeit. Die Zahlen zu Marktwerten und Zuschauerzahlen untermauern diese Wahrnehmung, aber nichts desto trotz bleibt die Bundesliga die Bundesliga.
5) Mit Blick auf die Spitze und Bezug zur Vize-Europameisterschaft der U21: Gehört der deutsche Fußball wieder mit zum Besten in der Welt?
Die U21 hat mit dem Vize-Europameistertitel erneut gezeigt, dass im deutschen Nachwuchsfußball viel Qualität steckt – technisch, taktisch und mental. Deutschland verfügt über Talente mit internationalem Format, über hervorragende Ausbildungsstrukturen und über Trainer, die den modernen Fußball verstanden haben.
Aber: Ein Turniererfolg oder eine starke Jahrgangsleistung allein bedeuten noch keine Rückkehr zur Weltspitze.
Was fehlt, ist die nachhaltige Verankerung dieser Leistungen in der Breite, vor allem im Übergang zwischen Jugend und Herrenbereich. Denn genau dort verliert der deutsche Fußball oft seine besten Talente – durch fehlende Spielpraxis, stockende Entwicklung oder ein zu spätes Vertrauen auf hohem Niveau.
Wenn es gelingt, die Generationen wie die U21 von heute konsequent in den Profibereich zu überführen, Spielideen zu stabilisieren und national wie international wieder mit Mut und Klarheit aufzutreten, dann kann der deutsche Fußball perspektivisch wieder zu den Besten gehören.
Die Grundlagen sind da – was zählt, sind jetzt Kontinuität, Konsequenz und Mut.