2024-07-17T10:40:36.325Z

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Wolfsgruß Türkei Fußball EM Amateur BFV
Wolfsgruß Türkei Fußball EM Amateur BFV – Foto: IMAGO / Matthias Koch

Wolfsgruß und Beleidigungen bei Amateurspiel südlich von München – BFV bezieht klar Stellung

„Null-Toleranz-Politik“

Der Wolfsgruß ist das große politische Thema bei der Fußball-EM, doch auch der Amateurbereich leidet unter der Situation.

München - Es war das große Thema nach dem 2:1-Erfolg der Türken im Achtelfinale der EM gegen die Österreicher. Der Doppeltorschütze Merih Demiral zeigte nach dem Spiel den Wolfsgruß zu den eigenen Fans, postete ein Foto davon in den Sozialen Medien und trat damit eine Lawine der Empörung los. Demiral wurde gesperrt, bei den Türken häufte sich das Unverständnis und im Viertelfinale gab es die Trotzreaktion der Fans. Der Wolfsgruß ist ein Handzeichen der „Grauen Wölfe“, wie Anhänger der „Ülkücü-Bewegung“ auch genannt werden. Sie gelten als rechtsextremistische Gruppierung, in Deutschland werden sie vom Verfassungsschutz beobachtet. Ihre politische Vertretung ist die MHP, sie ist Bündnispartner der AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Auch der Amateurfußball in Bayern ist davor nicht gefeit. Unserer Redaktion liegen Bilder und Videos, sowie Stellungnahmen vor. Es gab in Oberbayern, südlich von München, bei einem Freundschaftsspiel der aktuell laufenden Sommervorbereitung einen ähnlichen Vorfall. Bei einem unterklassigen Match jubelte der Torschütze mit der bekannten Geste, auch Nachahmer im Publikum nutzten das Symbol und feierten. Der Gästeverein hat nichts gegen das Jubeln bei einem Gegentor bei einem Vorbereitungsspiel, kritisierte aber, den Fußballplatz nicht für derartige Aktion zu nutzen und forderte sachlich auf, politisch neutral kicken zu können. Auch Fans wiesen Beteiligte, die jene Gesten nutzten, darauf hin und wurden massiv beschimpft.

„Jedem sollte die Tragweite klar sein“: BFV bezieht klar Stellung zu Wolfsgruß im Amateurfußball

„Wir dulden nicht, dass jemand unseren Sport für jedwede Art von Diskriminierungen, Provokationen und Beleidigungen missbraucht. Fußball steht für Fairplay, Respekt, Gewaltfreiheit, Toleranz und Anerkennung. Deshalb werden wir von unserer Linie der Null-Toleranz-Politik auch nicht abweichen. Spätestens mit der jetzt entstandenen Diskussion sollte jedem die Tragweite klar sein“, heißt es vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) auf Nachfrage unserer Redaktion. Die betroffene Mannschaft bei dem Fall betonte allerdings auch, dass es sich um eine Handvoll Fans und einzelne Akteure handelt, nicht um die Haltung eines ganzen Vereins.

Handlungsspielraum und Verhaltensweisen, sowohl bei Unparteiischen als auch Beteiligten sind wichtig: „Deshalb ist auch jetzt Zivilcourage gefragt – jede und jeder müssen sich bei derartigen Vorfällen klar positionieren und notfalls auch selbst entsprechende Anzeigen bei den zuständigen Sportgerichten erstatten.“ Besonders prekär ist die Situation auch für Schiedsrichter. Ab der Kreisliga ist der Unparteiische in den meisten Kreisen auf sich alleine gestellt, zwei Teams und die Zuschauer in Schach zu halten, gelingt nur schwer.

BFV sensibilisiert Schiedsrichter und appelliert an Mithilfe der Beteiligten

Der BFV weist ausdrücklich auch darauf hin, dass die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sensibilisiert sind, „sie brauchen aber auch die Unterstützung. Es bedarf der Mithilfe aller am Spiel Beteiligten und wir sollten nicht den Fehler machen, unseren Referees noch mehr aufzubürden. Wir müssen bei Themen wie diesen gemeinsam Farbe bekennen“.

Nach der Viertelfinal-Niederlage äußerte sich auch der türkische Präsident Erdogan und verurteilte die Sperre von Demiral, bezeichnete sie als „politisch“. Auch der deutsche Weltmeister, dem viele Amateurfußballer 2014 beim Gewinn der letzten Weltmeisterschaft des DFB-Teams zujubelten, Mesut Özil, unterstützte Demirals und Erdogans Meinung.

Es bleibt nur die Hoffnung, dass solche Situationen im Amateurfußball Einzelfälle bleiben. Und beim Hobby auch weiterhin der Fokus auf die sportliche Auseinandersetzung gesetzt wird. (ank)

Aufrufe: 08.7.2024, 11:37 Uhr
Andreas KnoblochAutor