
An die Kreisliga A dürften sie beim 1. FC Mönchengladbach nur ungern denken. Schließlich galt die Ober- oder Landesliga stets als Selbstanspruch des Traditionsvereins. Aktuell ist der Absturz in den Kreisfußball allerdings sehr realistisch. Seit dem vergangenen Wochenende belegt der 1. FC Mönchengladbach den vorletzten Platz der Bezirksliga, der de facto sportlich die letzte Position bedeutet, da der SV Lürrip nicht mehr am Spielbetrieb teilnimmt. Die Tabelle ist jedoch das eine, der Trend das andere: Elf Ligaspiele hat der 1. FC nun hintereinander verloren. Eine sportlich grauenhafte Serie.
Um dem Abstieg entgegenzuwirken, kam im Winter Dennis Krause als neuer Übungsleiter. Seitdem stand Krause in fünf Partien an der Seitenlinie – und sah fünf Niederlagen. 24 Gegentore in dieser Phase schönen die Bilanz nicht. Also: Wie drastisch steht es um den 1. FC Mönchengladbach?
„Die Situation ist so, wie ich sie mir auch vorgestellt habe. Es ist eine junge Mannschaft, es ist eine schwierige Situation, aber wir versuchen alle, an einem Strang zu ziehen und aus der Negativspirale herauszukommen“, sagt Krause. Dass einige Akteure verletzungsbedingt fehlen, will Krause indes nicht als Ausrede gelten lassen. Etwas Qualität fehlt der Mannschaft trotzdem. Kubilay Erol und Timo Weber werden derzeit wieder herangeführt; Deniz Salk stand am vergangenen Wochenende gegen den TuS Wickrath erstmals wieder in der Startelf – und erzielte in den ersten 16 Minuten gleich seine Saisontore Nummer neun und zehn.
Dass am Ende dennoch eine 2:5-Niederlage in die Statistik einging, verdeutlicht das Grundproblem des 1. FC: phasenweise ganz gut, über 90 Minuten aber bislang nicht ausreichend. Das war auch in der Woche zuvor gegen TuRa Brüggen zu sehen. Gegen den Tabellenzweiten führte der 1. FC Mönchengladbach bis zur 80. Minute mit 3:1, ehe auch diese Partie mit 3:4 noch verloren ging.
„Die letzten 25 Minuten hat Brüggen nur noch hohe Bälle in den Strafraum gespielt und dann drei echte Brecher vorne drin gehabt – und ein anderes Selbstbewusstsein, muss man ehrlich sagen. Bei uns brennt in so einer Situation natürlich der Baum“, sagt Krause, fügt aber an: „Wir haben 80 Minuten ein gutes Spiel gemacht.“
Für Krause werden die Phasen größer, in denen sein Team „guten Fußball“ spielt. „Wir kriegen es aber leider nicht hin, das über 90 Minuten aufs Parkett zu bringen“, sagt Krause. Gegen den SC St. Tönis hielt der 1. FC ebenfalls bis zur 74. Minute ein 1:1-Remis. Dann erhielt Rafioudine Bawa einen Platzverweis, St. Tönis erzielte ein Tor nach dem anderen – und Mönchengladbach reiste mit einer 1:6-Niederlage zurück.
Krause muss daher aktuell nicht nur eine Ergebniskrise moderieren, sondern auch gegen einen möglichen Moralverlust ankämpfen. Elf sieglose Spiele in Serie können schließlich die Motivation drücken. Krause ist sich dessen bewusst, sieht aktuell aber noch keine Gefahr: „Die Mannschaft will. Der Mannschaft kann ich nichts vorwerfen. Am Dienstag hatten wir 24 Spieler im Training. Also von der Einstellung kann ich bis jetzt nichts sagen“, sagt er.
Mehr Struktur in die junge Truppe sollen die erfahrenen Wintertransfers bringen. Die Verpflichtung von Tayfun Yilmaz hat sich zwar zerschlagen, dafür sind Safer Erdogan (27 Jahre), Philip Welzer (26) und Asim Göksu (29) Spieler, die im Mannschaftsgefüge vorangehen sollen. „Sie bringen alle eine gewisse Qualität mit und führen das Team. Das ist das, was wir wollen – sowohl im Training als auch in den Spielen“, sagt Krause. Erdogan hat alle fünf Rückrundenspiele über 90 Minuten durchgespielt. Welzer und Göksu kamen jeweils aus längeren Pausen zurück, brauchen noch etwas, gehörten zuletzt aber ebenfalls zur Startelf. Welzer erzielte beispielsweise zwei Tore gegen Brüggen.
Krause bleibt zuversichtlich, was die sportliche Kehrtwende angeht. „Ich bin davon überzeugt, dass das besser wird. Und es muss auch besser werden. Denn: Wenn du so viele Gegentore bekommst, kannst du die Liga nicht halten. Aber ich bleibe dabei: Gegen St. Tönis und Brüggen haben wir gute Spiele abgeliefert und bewiesen, dass wir über weite Strecken das Tor sauber halten können“, sagt er, ehe er anfügt: „Was dann zum Ende der Spiele passiert ist, das ist sicherlich eine große Baustelle, an der wir arbeiten müssen.“
Was der Spielplan aber auch offenbart: Mit Neuwerk, St. Tönis, Brüggen und Wickrath traf der 1. FC Mönchengladbach zuletzt auf vier Teams aus den Top sechs der Liga. „Natürlich musst du gegen diese Teams auch irgendwie versuchen, Punkte zu holen“, sagt Krause. Aber die Gegner, gegen die zwingend Zähler geholt werden müssen, kommen nun: der 1. FC Viersen, Thomasstadt Kempen und der VfL Tönisberg – drei Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Diese Partien geben weitere Hinweise darauf, ob sich die Verantwortlichen noch stärker mit der Kreisliga A beschäftigen müssen.