Herr Dohmen, Was war der Grund für die Entscheidung, am Saisonende aufzuhören?

Nach der Saison ist Schluss. Dominik Dohmen, der Kapitän des Oberligisten SC St. Tönis, hängt seine Schuhe an den Nagel. Zuvor traf er sich mit uns zum Gespräch. Über seine Zeit beim Sportclub und die Gründe für seine Entscheidung. Warum er mit Stolz zurückblickt – und in welchen Momenten er doch noch mal ins Grübeln kommt.
Der Kapitän des SC St. Tönis geht von Bord. Nach sechs Jahren im Trikot des Oberligisten beendet Dominik „Dodo“ Dohmen nach dieser Spielzeit seine Laufbahn, die im Seniorenbereich in der Saison 2010/11 bei seinem Heimatverein SV Lürrip in der Landesliga begann. Der 34-jährige Linksfuß bestritt bisher 140 Spiele für den Sportclub, dem es in den vergangenen Jahren gelang, sich auch dank Dohmens (Führungs-)Qualitäten in der Spitzengruppe der Oberliga zu etablieren. Im Interview spricht er über den Grund für seine Entscheidung, Höhen und Tiefen in St. Tönis und das anstehende Pokalfinale gegen den MSV Duisburg.
Herr Dohmen, Was war der Grund für die Entscheidung, am Saisonende aufzuhören?
Dominik Dohmen Die Entscheidung hat vor allem familiäre Gründe. Ich habe gemerkt, dass ich durch meine Selbstständigkeit (Geschäftsführer der Futziball GmbH, Amn. d. Red.) und vor allem der Trainingstage plus dem Spieltag sonntags zu wenig Zeit für meine noch junge Tochter und meine Familie habe. Die Prioritäten haben sich etwas verschoben.
Ein Leben ohne aktiven Fußball nach so langer Zeit – wie ist die Vorstellung, wie das sein wird?
Dohmen Ich würde lügen, wenn ich gerade jetzt in der Phase, in der es sportlich so gut für uns läuft, gedanklich nicht hier und da mal mit der Entscheidung kämpfe. So langsam wird es mir bewusst, dass das wahrscheinlich die letzten Minuten für mich auf dem Platz sind. Ich stehe eigentlich noch voll im Saft. Gerade nach Spielen, in denen ich persönlich gut spiele und Komplimente von den Jungs oder von außen bekomme, kommt man ins Grübeln oder ich grübele zumindest. Auf der anderen Seite freue ich mich total auf die trainingsfreien Abende, die Zeit mit der Kleinen und meiner Frau. Aber nach 30 Jahren Fußball bin ich gespannt, vier, fünf Wochen nicht zum Training zu müssen. In der Oberliga war ich zu Hause, kann man sicher sagen. Der Fußball hat das Leben mitbestimmt. Auch der Urlaub richtete sich größtenteils danach. Jetzt können wir den Urlaub auch mal frei von irgendwelchen Trainingsplänen planen.
Das war es dann komplett mit dem Fußball?
Dohmen Darüber, ob und wie ich noch mal was mache, habe ich noch keine finale Entscheidung getroffen. Ob ich mal als Spieler auf den Platz zurückkehre, weiß ich noch nicht. Stand jetzt war es das.
Noch ist es nicht so weit, aber wie wird der Rückblick auf die Jahre in St. Tönis sein?
Dohmen Ich hatte von Anfang meine Rolle als Führungsspieler und Kapitän in St. Tönis. Ich blicke mit Stolz zurück. Es war oder ist nach wie vor toll, etwas mit aufgebaut zu haben. Wir haben Prägnantes für den Verein geschaffen und es ist schön, sich so verabschieden zu dürfen. An der Stelle möchte ich noch mal betonen, dass man sich in St. Tönis eigentlich nur wohlfühlen kann. Die Verantwortlichen machen auch außerhalb des Platzes gute Arbeit. Es ist schön, ein Teil von der Entwicklung des Vereins zu sein.
Der SC etablierte sich zu einem Spitzenteam. Was hat der Verein in den vergangenen Jahren richtig gemacht?
Dohmen Ich glaube, dass wir von der Gemeinschaft leben. Das klingt immer einfach, ist aber für eine Mannschaft extrem viel wert. Bei der Verpflichtung neuer Spieler achten die Verantwortlichen darauf, dass sie neben der sportlichen Qualität vor allem menschlich zur Mannschaft passen. Bekim (Trainer Bekim Kastrati, Anm. d. Red.) legt neben Disziplin auch großen Wert darauf, dass das Miteinander stimmt. Das ist die Basis, mit der ein gutes Trainerteam dann eine Mannschaft weiter entwickeln kann. Ich habe ja schon mal gesagt, dass wir in jedes Spiel mit einer klaren Idee mit und gegen den Ball gehen. Dass in der Mannschaft Qualität steckt und wir es umsetzen können, konnten wir auch in dieser Saison wieder zeigen. So macht es vor allem im Moment sehr viel Spaß, ich genieße es!
In so vielen Jahren durchlebt man Höhen und Tiefen. Was war der schönste Moment?
Dohmen Sicher der Einzug ins Pokalfinale, als wir nach dem Spiel mit den Fans und Bengalos gefeiert haben. Das war ein Tag, der einem sicher immer in Erinnerung bleiben wird. Uns als Mannschaft hat vor dem Halbfinale sicher auch die schwierige Zeit von Markus Hagedorn einen Extra-Push gegeben. Wir wissen, was der Verein ihm bedeutet und dass er sich für den Verein und uns mit freut. Ich hoffe, dass ihm solche Momente mit Blick auf seine Gesundung guttun.
Was war rückblickend die sportlich schwierigste Zeit?
Dohmen Sicher die Zeit, als wir in der Saison 23/24 tabellarisch unten standen. Wir hatten mit Alexander Thamm einen guten Trainer, sind aber einfach nicht aus der Negativspirale rausgekommen. Eine lange Zeit, in der viele Gespräche geführt wurden, auch mit mir als Kapitän. Wir haben vieles hinterfragt und mit Sicherheit auch in der Situation unsere Erfahrung sammeln können.
Wie ist das Erreichen des Pokalfinales einzuordnen?
Dohmen Für den Klub der größte sportliche Erfolg der Vereinsgeschichte. Für mich persönlich das Highlight meiner Laufbahn. Mehr muss ich nicht sagen.
Gegner ist der MSV Duisburg. Ein Drittligist, der an die Tür zur 2. Bundesliga klopft. Eine unlösbare Aufgabe?
Dohmen Der MSV ist natürlich der klare Favorit. Aber genau solche Spiele spielt man ja, um sich zu messen. Wir haben im Niederrhein-Pokal schon gegen Drittligisten wie Rot-Weiss Essen gespielt und wissen, was auf uns zukommt. Trotzdem fahren wir nicht dahin, um nur dabei zu sein. Wir wollen das Maximum rausholen – und wenn sich eine Chance ergeben sollte, dann sind wir da.