2026-05-15T09:36:57.455Z

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„Wir wollen aus dem tabellarischen Hamsterrad raus“

Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel spricht über Fehler der Vergangenheit, die Kaderplanung und die Zukunft der Eintracht

von red · Heute, 10:51 Uhr · 0 Leser
– Foto: Horst Vogler

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Unmittelbar nach dem gesicherten Klassenerhalt richtet sich der Blick bei Eintracht Braunschweig bereits auf die kommende Saison. In einer ausführlichen Medienrunde analysierte Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel gemeinsam mit Cheftrainer Lars Kornetka die abgelaufene Spielzeit – selbstkritisch, offen und mit klaren Vorstellungen für die Zukunft.

Kessel machte keinen Hehl daraus, dass die Verantwortlichen mehrere Entscheidungen im Saisonverlauf inzwischen kritisch bewerten. Besonders die Winterpause rückte dabei in den Fokus.

„Wir sind da selbstkritisch mit uns. Es war ein Fehler, nicht ins Trainingslager zu fahren“, erklärte der Sport-Geschäftsführer auf der Homepage des Vereins. Die Vorbereitung auf die Rückrunde sei unter den damaligen Witterungsbedingungen „eigentlich überhaupt nicht“ möglich gewesen.

Auch personell räumte Kessel Fehler ein: „Mit Sicherheit war der Umbruch im Winter ein Stück weit zu groß.“ Gleichzeitig verwies er darauf, dass mehrere Spieler aktiv Wechselwünsche hinterlegt hätten. Besonders schwer wog aus seiner Sicht der Verlust von Chris Conteh: „Das Loch in der Offensive, grade was das Scoring angeht, haben wir nicht schließen können.“

Rückblickend bewertet Kessel zudem die lange Freigabe nach der Hinrunde kritisch: „Nach der Hinrunde war es ein Fehler, der Mannschaft so lange freizugeben.“

Lob für Kornetka und neuer inhaltlicher Weg

Deutlich positiv fiel dagegen Kessels Bilanz zum Trainerwechsel im März aus. Die Entscheidung für Lars Kornetka sei „wichtig und richtig“ gewesen.

„Mit Lars kam eine neue Energie in die Gruppe“, sagte Kessel. Besonders die Mischung aus spielerischen Lösungen und pragmatischem Ansatz in der Druckphase des Saisonendspurts habe der Mannschaft geholfen. Als Beispiele nannte er die Auswärtsspiele in Kaiserslautern und auf Schalke.

Vor allem menschlich und inhaltlich scheint Kornetka die Verantwortlichen überzeugt zu haben: „Mit Lars haben wir einen Trainer gefunden, der total zur Eintracht passt.“

Kein großer Umbruch geplant

Für die kommende Spielzeit kündigte Kessel eine deutlich strukturiertere Planung an als noch im Vorjahr. Der Verein wolle auf dem vorhandenen Gerüst aufbauen und größere Veränderungen vermeiden.

„Wir haben ein Fundament, auf dem wir aufbauen können“, betonte der 37-Jährige. Ziel sei es ausdrücklich, „den Umbruch nicht zu groß werden zu lassen“.

Die Gespräche mit möglichen Neuzugängen laufen bereits. Laut Kessel wurden klare Spielerprofile definiert – insbesondere mit Blick auf die offensiven Schwächen der vergangenen Saison.

„Wenn man unsere geschossenen Tore sieht und Memo Aydin und Erencan Yardimci mit jeweils fünf Toren die Top-Stürmer waren, dann wissen wir, an welchem Hebel wir anzusetzen haben“, erklärte der Sportchef. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Eintracht finanziell keine Garantie-Torjäger verpflichten könne: „Wir müssen dahinkommen, dass wir die ein, zwei Spieler finden, die wir dahin entwickeln.“

Vorsichtige Zielsetzung für die neue Saison

Eine konkrete Tabellenprognose wollte Kessel noch nicht abgeben. Dennoch formulierte er den Anspruch, sich mittelfristig aus dem unteren Tabellenbereich zu lösen.

„Klar ist, dass wir aus dem tabellarischen Hamsterrad raus und die nächsten Schritte gehen wollen“, sagte Kessel. Gleichzeitig deutete er an, dass der Verein durchaus ambitioniert in die kommende Saison blickt: „Ich glaube schon, dass wir hohe Ansprüche an uns selbst haben, vielleicht schon nächstes Jahr positiv überraschen zu können.“

Auch zur Zukunft einiger verliehener Spieler äußerte sich Kessel ausführlich. Sanoussy Ba soll die Sommervorbereitung zunächst bei der Eintracht absolvieren. Jona Borsum, der bei Kickers Offenbach überzeugte, werde im Verlauf der Vorbereitung von Kornetka genau beobachtet.

Noch offen ist hingegen die Perspektive von Linus Queisser. Bei Torhüter Justin Duda deutete Kessel an, dass ein Wechsel sinnvoll erscheinen könnte: „Für ihn ergibt es aber wahrscheinlich am meisten Sinn, seinen Weg woanders fortzusetzen.“

Die Eintracht arbeitet damit bereits intensiv an den Grundlagen für die kommende Spielzeit – mit dem klaren Ziel, nach mehreren Jahren im Abstiegskampf künftig wieder stabilere sportliche Perspektiven zu schaffen.