
An einen geregelten Trainingsbetrieb war beim VfL Halle 96 in den vergangenen Wochen nicht zu denken. "Wir haben gewissermaßen in den Testspielen trainiert", berichtet der neue Teammanager Andreas Wellmann. Am Sonnabend wird es für die Hallenser mit dem Auswärtsspiel beim zweitplatzierten RSV Eintracht wieder ernst. Im Vergleich zum letzten Punktspiel hat sich das Gesicht der Mannschaft auf allerhand Positionen verändert.
So auch auf der Position des Teammanagers. "Michael Elze hatte seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt", berichtet dessen Nachfolger Andreas Wellmann. Dieser war bis zum November noch in selber Rolle beim Verbandsligisten VfB Merseburg tätig. "Dort kam meine Zeit leider zu einem Ende", sagt Wellmann und ergänzt: "Zu dem wie und warum wurde schon genug gesagt - das muss ich nicht mehr kommentieren. Ich brauchte dann erst einmal ein bisschen Abstand und habe die Zeit ohne den Fußball genossen."
Doch schnell ploppten die Anrufe und Nachrichten auf dem Handy des 52-Jährigen auf. "Es gab mehr als 20 Anfragen, ob ich mich als Teammanager einbringen möchte", erzählt Wellmann. In die engere Auswahl kamen jedoch "nur zwei, drei Vereine" - und "eigentlich stand die Entscheidung schnell fest", ergänzt er. Denn das Verhältnis zu Farih Kadic, dem Präsidenten des VfL Halle 96, ist seit gemeinsamen Tagen beim SV Merseburg 99 "sehr gut", erzählt Wellmann: "Wir verstehen uns ausgezeichnet und haben schon früher auf Augenhöhe zusammen gearbeitet. Darum fiel mir die Entscheidung für den VfL leicht."
Seit Januar also ist Andreas Wellmann bei den 96ern im Amt - und prompt war er bereits in zahlreiche Spielergespräche involviert. Immerhin hatten mit dem bisherigen Stammtorhüter Julius Schmid, Dario Borval (beide Ziel unbekannt), Linus Hörold (SG Blau-Weiß Brachstedt), Jakob Dierichen (SV Blau-Weiß Farnstädt) und Janko Hentsch (SSV Markranstädt) gleich fünf Spieler den Oberligisten im Winter verlassen. Zu den Spielerprofilen:
Also musste der VfL Halle 96 im Gegenzug aktiv werden. "Die Transfers kamen über Farih zustande. Sein Netzwerk ist beeindruckend", unterstreicht Wellmann. So gelang es dem Oberligisten nicht nur, die Abgänge quantitativ zu ersetzen, sondern durchaus auch qualitativ aufhorchen zu lassen.
Mit dem 28-jährigen Angreifer Arlind Shoshi (zuletzt FC Eilenburg) und dem 30-jährigen, brasilianischen Defensivmann Raimison Dos Santos (Sportfreunde Lotte) holte sich der VfL viel Routine ins Boot. Beide bringen die Erfahrung aus mehr als 130 Ober- und Regionalliga-Einsätzen mit. Auch der 21-jährige Offensivspieler Godjes Yeboah, der zuletzt in Österreich sowie kurzzeitig beim FC Grimma war, lief im Dress des FC Teutonia Ottensen bereits in der Regionalliga auf. "Arlind hatte seinen Vertrag in Eilenburg aufgelöst, Raimisons Freundin hat hier einen Job gefunden und Godjes hat im Probetraining sowie in den Testspielen überzeugt", klärt Wellmann zu den Neuzugängen auf. Zu den Spielerprofilen:
Ein kleiner Coup ist dem Oberligisten zudem auf der Torhüterposition gelungen. Bartłomiej Jelonek - der neue Schlussmann im Stadion am Zoo - stand zuletzt beim polnischen Erstligisten Piast Gliwice unter Vertrag. Nun soll sich der 24-jährige Pole mit Phillip Stark einen Konkurrenzkampf um den Posten zwischen den Pfosten liefern. "Im Training hat er bereits einen guten Eindruck hinterlassen", berichtet Wellmann. Zum Spielerprofil:
Vervollständigt wird die Riege der fünf externen Neuzugänge von Josua Felipe Frühauf. Der 21-Jährige war im vergangenen Winter vom VfL zum VfB Merseburg gewechselt. "Damals war der Deal, dass er in Merseburg die Spielpraxis sammeln sollte, die man ihm in Halle nicht versprechen konnte - quasi wie eine Leihe", erklärt Wellmann, der den Wechsel seinerzeit auf der Gegenseite selbst mit eingefädelt hatte. Nun ist Frühauf nach überzeugenden Auftritten in der Verbandsliga zurück beim Oberligisten. Zum Spielerprofil:
Auch intern hat die Mannschaft um Trainer Luca Shubitidze im Winter noch Zuwachs erhalten. So darf sich Vladislav Rayko, der schon seit jüngster Kindheit im Verein spielt, bei den Herren zeigen. Der 18-Jährige habe "in der U19 mit sehr guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und hat sich deshalb diese Chance verdient", unterstreicht Wellmann. Zum Spielerprofil:
Auf dem Papier jedenfalls ist der Kader des VfL Halle 96 mit den vielen Veränderungen im Winter nicht schlechter geworden. Nach der mäßigen Hinrunde mit Tabellenplatz acht möchte sich der Vorjahresdritte wieder etwas höher orientieren. "Um noch ganz oben angreifen zu können, war das erste Halbjahr nicht gut genug. Dafür sind wir zu weit weg", weiß Wellmann und ergänzt: "Trotzdem wollen wir in der Rückrunde so viele Punkte wie möglich holen und die Saison bestmöglich abschließen." Genau dafür wurde der Oberligist im zweiten Transferfenster tätig: "Wir konnten uns in allen Positionsgruppen gezielt verstärken", resümiert Wellmann die Winterperiode.