
Die Ausgangslage könnte kaum spannender sein. Wenn der SV Budberg am Sonntag Viktoria Goch (15 Uhr) empfängt, geht es für die Mannschaft von Trainer Tim Wilke um nicht weniger als den ersten Oberliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte. Allerdings ist der Landesliga-Zweite auf einen Punktverlust des Spitzenreiters SV Scherpenberg angewiesen.
Die Moerser haben zeitgleich mit dem PSV Wesel zu Hause eine harte Nuss zu knacken. Die Gäste besitzen weiterhin Chancen auf den Klassenerhalt. „Natürlich spürt man schon das Kribbeln“, sagt Wilke am Freitag. „Aber wir versuchen, das nicht zu groß werden zu lassen. Es kommt ein kompliziertes und anspruchsvolles Fußballspiel auf uns zu. Die Herausforderung besteht darin, die Vorfreude und die vielen Emotionen mit dem sportlichen Fokus in Einklang zu bringen.“
Einfach ist das nicht. Neben dem eigenen Meistertraum sorgen weitere Nebenschauplätze für Gesprächsstoff. Die dritte Mannschaft kann zuvor auf eigener Anlage den Sprung in die A-Liga schaffen, die Reserve steht schon mit einem Bein in der Bezirksliga, dazu sind Verabschiedungen geplant. „Es prasselt momentan unglaublich viel Positives auf den Verein ein. Darauf freuen sich alle Budberger wahnsinnig“, so Wilke, der gleichzeitig zur vollen Konzentration mahnt. „Wir können uns noch so sehr freuen und aufgeregt sein. Wenn wir unser Spiel nicht gewinnen, gehen unsere Chancen gegen Null. Ich muss niemanden mehr überzeugen.“
Dabei warnt der 51-Jährige eindringlich vor dem letzten Gegner, der im Vergleich zum Hinspiel deutlich stabiler geworden sei. Die Viktoria befindet sich in guter Verfassung und spielt als Aufsteiger mit Rang acht unter dem ehemaligen MSV-Kapitän Kevin Wolze eine erfolgreiche Saison.
Für zusätzliche Brisanz sorgt ein TikTok-Beitrag einer privaten Gocher Fanseite. Darin werden die Anhänger dazu aufgerufen, den möglichen Aufstieg des „Erzrivalen“ SV Budberg zu verhindern. Wilke nahm die Stichelei mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. „Für die Beteiligten auf dem Platz spielt das keine Rolle. Ich glaube ohnehin nicht, dass Goch noch einmal Teil einer Aufstiegsparty sein möchte.“ Denn schon 2023 mussten die Gocher in der Bezirksliga miterleben, wie die Budberger vor ihren Augen feierten. Nun wollen sie selbst zum Partycrasher werden.
Dass sich der SVB in den vergangenen Wochen überhaupt in diese Ausgangsposition gebracht hat, erfüllt Wilke schon jetzt mit Stolz in einer auch für ihn bis dato unbekannte Situation. „Wir wollten den Druck bis zum letzten Spieltag hochhalten. Das haben wir geschafft. Wir haben ein schweres Restprogramm erfolgreich bewältigt und uns die Möglichkeit erarbeitet, bis zum Schluss um alles zu spielen. Jetzt wollen wir diesen letzten Schritt gehen.“
Parallel blickt ganz Budberg natürlich auch auf die Zwischenstände aus Asberg. Wilke rechnet damit, dass die Ergebnisse zwangsläufig ihren Weg auf den Platz finden werden. „Das lässt sich nicht ausblenden. Vielleicht kann es sogar beflügeln. Es gibt keine Regel oder Anweisung, wie wir damit umgehen sollen. Wir lassen es auf uns zukommen.“
Trotz aller Begleitumstände versucht er, die Nervosität von seiner Mannschaft fernzuhalten. „Ich sage den Jungs seit zwei oder drei Wochen, dass wir keine Schwere zulassen dürfen. Gewinner sind wir so oder so. Platz zwei mit dieser Punktzahl allein spricht schon für eine atemberaubende Saison mit wahnsinnigen Zahlen.“
Nach der dreiwöchigen Spielpause kann der Verfolger personell aus dem Vollen schöpfen. Wichtig sein wird aus Budberger Sicht vor allem der Start in die Partie. Die jüngsten Heimspiele waren nicht immer von dem intensiven Powerfußball geprägt, der die Mannschaft über weite Strecken der Saison ausgezeichnet hat.
Ob Tränen der Enttäuschung, Stolz oder grenzenloser Jubel. Unabhängig vom Ausgang wartet auf den SV Budberg ein Saisonabschluss-Tag, den sicherlich im gesamten Verein so schnell niemand vergessen wird.