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Wieder Unruhe beim 1. FC Viersen

Nach der Trennung vom Reserve-Trainer Carlos Miguel verlassen etliche Spieler den 1. FC Viersen. Die Mannschaft kritisiert den Trainerwechsel. Der Sportliche Leiter Alexis Triantafillidis bezieht Stellung.

von Daniel Brickwedde · 11.04.2025, 22:00 Uhr · 0 Leser
Carlos Miguel ist nicht mehr Trainer des 1. FC Viersen.
Carlos Miguel ist nicht mehr Trainer des 1. FC Viersen. – Foto: Daniel Bender

Das vergangene Wochenende beendete die monatelange Sieglosserie beim 1. FC Viersen II. Mit 3:1 besiegte die Mannschaft zu Hause Blau-Weiß Wickrathhahn – der erste Dreier nach neun Spielen in der Kreisliga A. Erstaunlich war jedoch der Blick auf den Personalbogen: Aus dem Kader der Vorwoche gegen Otzenrath (0:2) fand sich lediglich noch ein Spieler im Aufgebot wieder. Auch an der Seitenlinie wirkte mit Klaus Hammann ein neuer Name. Der 1. FC Viersen hat entsprechend einmal mehr in dieser Spielzeit turbulente Tage erlebt.

Vorausgegangen war die Trennung von Trainer Carlos Miguel, für die es sportlich durchaus Argumente gab – schließlich rutschte die Mannschaft durch die Sieglosserie auf einen Abstiegsplatz. „Wir haben uns die Tabellensituation und die vergangenen neun Spiele angeschaut, aus denen wir nur zwei Punkte geholt haben. Das Trainergeschäft ist ein Ergebnissport. Und wenn man keine Punkte einfährt, dann ist unser Ziel Klassenerhalt halt gefährdet. Das ist der einzige Grund, warum wir uns von Carlos getrennt haben“, sagt der Sportliche Leiter Alexis Triantafillidis.

Parallele zu Problemen beim 1. FC Viersen im Sommer

Allerdings zieht solch eine Entscheidung in der Regel keine Abmelde-Welle aus der Mannschaft nach sich, was Triantafillidis zur Bemerkung verleitet: „Es scheint sich wie in der Hinrunde beim 1. FC Viersen jetzt eingebürgert zu haben, dass, wenn ein Trainer geht, die Spieler irgendwie mitgehen.“ Glücklich über diese Entwicklung ist Triantafillidis, seit der Rückrunde im Amt, selbstredend nicht. Die Parallele zum Sommer ist jedoch bemerkenswert.

Damals kam es zu Unruhen in der ersten Mannschaft, nach dem Trainer Simon Sommer nach nur wenigen Wochen im Amt zurückgetreten war, woraufhin ebenfalls zahlreiche Spieler den Verein verließen. Die Verantwortlichen kritisierte später das Verhalten der Spieler scharf. Kurzzeitig stand für den 1. FC Viersen sogar der Spielbetrieb in der Landesliga auf der Kippe, ehe der Verein kurzerhand einen Kader zusammenstellte, der derzeit jedoch kurz vor dem Abstieg in die Bezirksliga steht.

Entlassung von Miguel per Whatsapp-Nachricht

Von seiner Entlassung erfuhr Miguel nach eigener Aussage am Mittwoch vor dem Spiel gegen Wickrathhahn in einer „sachlichen“ Whatsapp-Nachricht. Triantafillidis bestätigt dies: „So haben wir es nicht gewollt, aber wir hatten keine andere Wahl, weil wir gezwungen waren zu handeln. Wir haben versucht, vorher einen Termin zu bekommen, aber da konnte er nicht.“ Co-Trainer Dennis Doneth sei derweil die Trennung persönlich mitgeteilt worden.

Einige Tage zuvor hatte Miguel den Sportlichen Leiter darüber informiert, dass er im Sommer sein Traineramt abgeben wolle. Nun zog der Verein direkt die Reißleine. „Ich hätte mich gerne vom Verein und den Jungs mit dem Klassenerhalt verabschiedet. Es war für den Verein eine wirklich schwierige Saison. Wenn man sich nach außen aber immer als eine Familie ausgibt, wäre es schön, wenn man das auch leben würde – und nicht etliche Dinge über Monate im Rücken des Trainers laufen.“ Insgesamt war er drei Jahre in Viersen und zuvor in der Jugend des Vereins tätig.

Miguel fügt weiter an. „Ich habe sehr gerne in Viersen gearbeitet und bin dem Verein für die Möglichkeit dankbar. Aber wenn man die Fluktuation der vergangenen zwei bis drei Jahre bei Spielern und Trainern verfolgt, muss man nichts mehr dazu sagen und kann es nicht ewig auf die andere Partei schieben.“

Probleme im Umgang zwischen Verein und Trainer?

Aus Mannschaftskreisen wurde vor allem eine wachsende Unzufriedenheit als Grund über den Rückzug vieler Spieler genannt – das hatte mit der sportlichen Situation zu tun, aber ebenso mit „Schauplätzen neben dem Platz, die dazu geführt haben, dass der Fokus nicht rein auf den Sport gelegt werden konnte“, wie ein Spieler mitteilt, der nicht namentlich genannt werden möchte. Es ging unter anderem um die Einflussnahme von außen in die Vorbereitung.

Der Umgang zwischen dem Verein und dem Trainer habe sich irgendwann negativ auf das Team und die Ergebnisse ausgewirkt, heißt es aus der Mannschaft. „Wenn der Ton und Umgang nicht mehr so ist, wie er einst mal war, dann hat das ebenfalls Auswirkungen auf das Miteinander im Verein. Als Mannschaft positionieren wir uns klar hinter den ehemaligen Trainer Carlos Miguel und kritisieren den Trainerwechsel“, so ein Spieler weiter. Entsprechend habe man sich aus Loyalität zum Ex-Trainer entschieden, „diesen Umgang nicht weiter zu unterstützen und die Handbremse zu ziehen.“

Mit A-Jugendlichen und Ex-Spielern zum Klassenverbleib

Triantafillidis widerspricht dieser Darstellung: „Ich habe meiner Meinung nach alles Mögliche getan, um Carlos zu helfen, definitiv. Ich kann nicht sagen, dass der Ton rauer geworden ist – ganz im Gegenteil.“ Er bedauert die Abgänge in der zweiten Mannschaft. „Wir haben das weder forciert noch befürworten wir, dass die Spieler den Verein verlassen. Wenn sich die Spieler aber hinter den Trainer stellen, dann können wir das nicht verhindern und müssen es akzeptieren.“

Wie es in der zweiten Mannschaft nun weitergeht? Weiterhin werden in der Regel drei Spieler von der ersten Mannschaft für den Spieltag der Reserve freigegeben. Der restliche Kader besteht aus den Spielern, die geblieben sind, einigen A-Jugendlichen, die hochgezogen wurden und ehemaligen Spielern wie Kevin Pflipsen, den man reaktivieren konnte. Als neuen Cheftrainer fanden die Verantwortlichen zudem schnell Klaus Hammann. „Wir versuchen von der Vereinsseite jetzt alles, um die Klasse zu halten“, sagt Triantafillidis. Aktuell belegt Viersens zweite Mannschaft auf Rang 14 den ersten Abstiegsplatz.