
Said El Mala ist zweifellos der Shootingstar der aktuellen Bundesliga-Saison. Der gebürtige Krefelder kommt für den 1. FC Köln bisher auf zehn Tore und vier Vorlagen, wurde zudem schon einmal von Bundestrainer Julian Nagelsmann zur Nationalmannschaft berufen – wenngleich er von dort nach wenigen Tagen zur U21 geschickt wurde. Kein Wunder also, dass sich die Gerüchte um einen Transfer des 19-Jährigen häufen. Zuletzt soll Familie El Mala dem englischen Premier League-Klub Brighton & Hove Albion die Zusage für einen Wechsel im Sommer gegeben haben. Die Rede ist von einer Ablöse in Höhe von 35 Millionen Euro. Und genau hier kommt der TSV Meerbusch ins Spiel.
Denn von der U16 bis zur U19 haben Said El Mala und sein Bruder Malek zwei Jahre lang in der Jugend des Oberligisten gespielt. Deswegen stünde den Meerbuschern im Falle eines Wechsels eine Ausbildungsentschädigung zu. Bei 35 Millionen Euro Ablöse wären das etwas mehr als 250.000 Euro. „Wir würden uns freuen, wenn es so käme“, sagt Christoph Peters, Sportlicher Leiter des Klubs. „Wir haben das auch schon ausgerechnet und würden Said dafür herzlich danken. Abseits des Geldes haben wir ihn auch als einen ganz feinen Menschen kennengelernt.“
Für einen Verein wie den TSV sind 250.000 Euro eine Stange Geld. Peters setzt es ins Verhältnis: „Wenn man sich so die Etats der Vereine anschaut, kann man sagen: Bei uns würde das für drei Jahre reichen, bei Sonsbeck vielleicht sogar für vier, bei einem Verein wie dem KFC Uerdingen für drei Monate.“ Der Geldregen soll dann aber auch nachhaltig eingesetzt werden. „Wir denken da an den Bau eines neuen Sportplatzes“, sagt er und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wir hoffen dann auf einen weiteren Wechsel, um die zweite Rate zu bezahlen.“ Dennoch hält Peters fest: „Die Zukunft des TSV Meerbusch ist nicht auf Said El Mala ausgelegt.“
Wobei weitere Wechsel auch gar nicht so unrealistisch wären. Brighton gilt in England als Ausbildungsverein und ist vor allem für sein fortschrittliches Daten-Scouting in Bezug auf Transfers bekannt. So werden viele Spieler entdeckt, die viele andere Klubs nicht auf dem Zettel haben. Nationalstürmer Deniz Undav ist da eines der bekanntesten Beispiele. Insgesamt 14 Spieler wurden im vergangenen Sommer und Winter verkauft – nicht nur nach England, sondern auch nach Italien, Belgien oder Frankreich. Die Krux ist nämlich, dass der TSV Meerbusch nur eine weitere Ausbildungsentschädigung erhält, wenn El Mala erneut das Land wechselt.
Dabei hätte El Mala nach seinem Aus bei Borussia Mönchengladbach fast mit dem Fußballspielen aufgehört. Sein Bruder überredete ihn, doch beim TSV Meerbusch wieder anzufangen. Peters erinnert sich: „Wir mussten nach einem Meldefehler eine U18 aus dem Nichts aufbauen. Am Anfang hatte ich dort fünf Spieler. Aus der U19 wollte niemand bei uns spielen.“ Auch in der U17 und U16 hatte er gefragt, die El-Mala-Brüder sagten jeweils zu und standen teilweise um 9 Uhr an einem Sonntagmorgen auf dem Platz. „Die hatten einfach Bock, Fußball zu spielen. Die Jungs sind Goldschätze. Immer höflich, super erzogen und völlig bodenständig.“ Dass vor allem Said eine solche Karriere im zweiten Anlauf nimmt, war natürlich nicht absehbar. Aber eine Sache fällt laut Peters dann doch auf: „Seine Tore, wie er sie heute erzielt, das hat er genauso schon damals bei uns gemacht. Er ist fußballerisch beseelt und wird seinen Weg gehen. Er brennt einfach für Fußball.“
Und damit bringt er dem TSV Meerbusch nun offenbar mehr als eine Viertelmillion Euro ein. „Wir sind froh und dankbar, dass wir ihn bei uns hatten. Wir sind ihm zu Dank verpflichtet.“