
Sein Herzensverein, daraus macht Jörg Dahms kein Geheimnis, ist nicht der MSV Duisburg. „Als Niederrheiner tendiere ich eher zu Borussia Mönchengladbach“, sagt der Gocher. Aber: „Schon vor etwa 15 Jahren habe ich Mitarbeiter in der Firma vom MSV sprechen hören – zudem habe ich den Verein immer verfolgt und im Laufe der Zeit eine Leidenschaft entwickelt.“ Und nun zieht es den Familienvater sogar in den Vorstand des Fußballklubs, der in den vergangenen Jahren einen dramatischen Niedergang erlebt hat. Der Tiefpunkt: der Abstieg in die viertklassige Regionalliga West in diesem Sommer. Die „Zebras“, die zuletzt in der Saison 2007/2008 in der Bundesliga kickten, spielen in der kommenden Spielzeit gegen den 1. FC Bocholt, den SV Rödinghausen und den SV Eintracht Hohkeppel. Ein Hauch von Amateurfußball, der den Anhängern wehtut.
Doch der MSV Duisburg besitzt noch immer mächtig Strahlkraft, die Kohle- und Stahlstadt hängt an „ihrem“ Fußballklub. Das weiß auch Jörg Dahms. „Ich war einige Male im Stadion, auch in der vergangenen Saison. Bemerkenswert ist die Leidensfähigkeit der Fans. Wenn trotz der schlechten Lage 16.000 Leute in der Dritten Liga ins Stadion kommen, finde ich das beeindruckend“, sagt Dahms, der die Firmengruppe „Triopt Group“ gegründet hat, ein Dienstleister für innovative Lösungen im Bereich Telekommunikation. Die Gesellschaft sitzt in Goch, die Firmenzentrale in Moers. Im Jahr 2020 verkaufte Dahms die Firma, heute ist er noch als eingesetzter Geschäftsführer tätig.
„Ich habe durch meinen Beruf ein gewisses Netzwerk aufgebaut. Dadurch habe ich einige Menschen kennengelernt, die nah am MSV Duisburg dran sind“, sagt Dahms. „So bin ich zu dieser Kandidatur gestoßen.“ Zusammen mit Thomas Maaßen, Andreas Tappe und Kai-Uwe Otto bildet er das „Team Zukunft“, das am 23. Juli bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung für den Vorstand kandidieren wird. Insgesamt sind vier Vorschläge im Rennen, im „Team 1902“ mischt auch Georg Mewes mit, der als Sportlicher Leiter beim Oberligisten 1. FC Kleve aktiv ist. Zudem stellt sich eine Gruppe um den seit Jahren nicht unumstrittenen Präsidenten Ingo Wald zur Wiederwahl.
„Der MSV Duisburg ist ein Traditionsverein, der es verdient hat, höher zu spielen. Das ist einer der 30 interessantesten Fußballvereine in Deutschland“, sagt Dahms. Sein Team habe bereits eine klare Aufgabenverteilung für den Fall besprochen, dass man obsiegt. „Ich bin sehr technikaffin, daher werde ich mich um den IT-Bereich kümmern, aber auch um Marketing, Sponsoring und Partnernetzwerke“, sagt Dahms. So habe jeder der Teammitglieder einen Spezialbereich. „Meine Firmen sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, aus einem Start-up wurde innerhalb von 14 Jahren ein 380 Mitarbeiter starkes Unternehmen. Ich weiß daher einzuschätzen, was benötigt wird, um mit kreativen Ideen Strukturen zu ändern“, sagt Dahms. Und neue Strukturen braucht es im Stadtteil Meiderich dringend: Der Klub drohte zuletzt im Chaos zu versinken, sportlich lief es sowieso miserabel. „Es steht mir nicht zu, zu bewerten, was schiefgelaufen ist. Dafür war ich zu weit weg“, so Dahms, der eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker im Fachbereich Nachrichtentechnik absolviert hat.
„In den sportlichen Bereich würden wir als Vorstand aber nicht eingreifen wollen. Wir würden Vorgaben machen, die im Detail dann von der sportlichen Führung ausgefüllt würden“, sagt Dahms. Und sein Team hat schon ein klares Ziel formuliert: Der MSV Duisburg soll zügig auf 20.000 Mitglieder anwachsen, derzeit sind es knapp über 8000. „Wir sind schon kräftig dabei, Mitglieder zu werben. Das ist auch ein Beweis dafür, dass wir es mit dem MSV Duisburg gut meinen. Es geht uns nicht darum, irgendeinen persönlichen Nutzen aus der Kandidatur zu ziehen“, so Dahms. Er sagt gar: „Ich habe als Unternehmer viel Glück gehabt. Nun möchte ich etwas von diesem durch meine ehrenamtliche Tätigkeit zurückgeben.“
Ist der direkte Wiederaufstieg in die Dritte Liga denn Pflicht? „Pflicht ist er nicht, aber natürlich sehr wünschenswert.“ Klar sei aber auch: Wenn das „Team Zukunft“ tatsächlich Ende Juli die Geschicke beim MSV Duisburg übernehmen sollte, steht der Kader für die Saison 2024/2025 bereits. „Daher können wir uns an der ersten Saison kaum messen lassen. In der zweiten wäre der Aufstieg dann aber Pflicht – und daran müssten wir uns unbedingt messen lassen“, sagt Dahms. Innerhalb der nächsten zehn Jahre, so erklärt er, müsse der Klub mindestens in der Zweiten Bundesliga spielen, die Mitgliederzahl auf 30.000 bis 40.000 angewachsen und der Verein auf einem nachhaltigen, unternehmerischen Fundament stehen. „Besonders wichtig ist mir, dass wir in Zukunft finanziell unabhängig dastehen und weit von allen roten Zahlen entfernt sind“, sagt Dahms. „Als Vorbild könnte der SV Darmstadt dienen, der in der vergangenen Saison ja sogar noch Bundesliga gespielt hat.“