
Ob Anton Bobyrew ein Wunderheiler ist, wird sich noch zeigen. Jedenfalls versucht sich der 38-jährige daran, dem „totgesagten Patienten“ SC West noch eine Lebenschance zu geben. Als Caglar Mollaahmetoglu und Murat Yildiz vor wenigen Wochen ihre Trainerstühle beim Tabellenschlusslicht der Kreisliga A nach nur wenigen Wochen im Amt wieder räumten, stellte sich Bobyrew als Retter in der Not der Verantwortung.
Der erst vor dieser Saison als Spieler vom FC Büderich II zurückgekehrte Routinier hielt zunächst den Trainings- und Spielbetrieb aufrecht. Inzwischen ist klar, dass der einstige Oberligaspieler des SC West das Team mindestens bis zum Saisonende als Spielertrainer coachen wird. „Wir haben uns hier gemeinsam im Sommer dazu entschlossen, einen Versuch zu starten, den Verein wieder nach oben zu bringen. Dann kann ich nicht drei Monate später tatenlos zusehen, wie alles den Bach runtergeht. Das ist nicht mein Charakter“, erklärt Bobyrew, warum er das „Himmelfahrtskommando“ übernahm.
Die ersten Wochen unter der Leitung des Trainernovizen können sich sehen lassen. Nach der 3:5-Niederlage gegen den TSV Urdenbach holte West zu Hause gegen den Tabellenvierten VfL Benrath immerhin ein 1:1. Zuletzt gab es zwar ein 0:3 gegen den Spitzenreiter SC Unterbach. Die letzten beiden Gegentore fielen dabei aber erst in der Schlussminute beziehungsweise Nachspielzeit. „Wir verteidigen inzwischen gut“, sagt Bobyrew, der ohnehin die eigenen Stärken wieder in den Vordergrund stellen will. „Wir sind der SC West und in der Lage, jedem Gegner in der Kreisliga A weh zu tun. Das ist das, was wir der Mannschaft momentan versuchen zu vermitteln.“
In der Kabine kommt die Herangehensweise gut an. Auch Bobyrews klare Kante scheint Wirkung zu zeigen. Gerade die alt eingessenen Spieler nahm sich der Coach zur Brust. „Ich habe an ihre Ehre appelliert und ihnen zu verstehen gegeben, dass ich nur noch Spieler gebrauchen kann, die sich voll und ganz mit der Aufgabe identifizieren, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.“
Die Worte zeigten Wirkung. Die Trainingsbeteiligung zog wieder an und damit wurden auch die Leistungen besser. Dass das allein nicht ausreichen wird, um die Klasse zu halten, weiß auch Bobyrew. Gemeinsam mit seinem zurück ins Boot geholten Assistenten Fabian Müller hält er daher bereits Ausschau nach Verstärkungen. „Wir brauchen in der Rückrunde mehr Konkurrenzkampf und einen Torjäger“, zählt der Übungsleiter auf.
Gelingt es, die Mängelliste abzuarbeiten, sieht Bobyrew die Mission „Wunderheilung“ als machbar an. Denn: „Es gibt zum Glück noch genug Teams in der Verlosung, die nicht viel besser sind.“
