Große Ehre für Bayer 04 Leverkusen! In der Wolfsburger Autostadt werden am heutigen Montagabend die renommierten Sepp-Herberger-Awards verliehen. Die Werkself sicherte sich dabei den ersten Platz in der Kategorie Resozialisierung. Ein starkes Zeichen dafür, dass der Fußball auch dort Brücken bauen kann, wo Mauern eigentlich unüberwindbar scheinen.
Wenn heute Abend um 20.15 Uhr die Scheinwerfer angehen (live auf dem DFB-YouTube-Kanal sowie bei MagentaTV), steht ein ganz besonderes Projekt im Rampenlicht. Mit der Initiative „Anstoß für ein neues Leben“ engagiert sich Bayer 04 seit Jahren intensiv in der JVA Wuppertal-Ronsdorf. Das Ziel: Inhaftierten durch den Sport eine Perspektive für die Zeit nach der Entlassung zu geben.
Mehrmals im Jahr tauschen Verantwortliche, Trainer und aktive Profis das heimische Stadion gegen den Fußballplatz hinter schwedischen Gardinen. Erst im vergangenen Sommer besuchte Bundesliga-Spielerin Vanessa Haim die Anstalt, um mit den Frauen zu trainieren. „Der Weg durch die Gänge war ungewohnt und bedrückend, aber auf dem Platz spielte das keine Rolle mehr“, erinnert sie sich. „Die Frauen waren offen, motiviert und wissbegierig. Am Ende ging es nur um Fußball und den gemeinsamen Spaß.“
Auch Torwart-Legende Rüdiger Vollborn stellte sich den Fragen der Insassen. Der Rekordspieler der Werkself betonte nach seinem Besuch: „Die Jungs waren extrem interessiert. Da wurde deutlich, welche enorme Rolle der Fußball auch in der JVA spielt.“ Solche Momente bieten den Inhaftierten nicht nur Abwechslung, sondern echte Wertschätzung – ein rares Gut im Gefängnisalltag.
Für Frank Linde, Projektkoordinator Soziales bei Bayer 04, geht das Engagement weit über den Kick im Hof hinaus. Er sieht den Fußball als Schlüssel zur Resozialisierung. „Alle haben Fehler gemacht, das ist unbestritten. Aber jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient“, stellt Linde klar. Besonders der Amateurfußball in den Vereinen vor Ort biete nach der Haft wichtige Anknüpfungspunkte.
Durch die Einbindung in eine Mannschaft entstehen soziale Bindungen, die einen Rückfall in das alte, oft kriminelle Umfeld verhindern können. Werte wie Zusammenhalt, Fairness und Teamgeistsind auf dem Platz essenziell – und im Alltag draußen überlebenswichtig.
Die Konkurrenz in der Kategorie Resozialisierung war namhaft: Hinter Leverkusen landeten die JVA Butzbach(Hessen) auf Platz zwei und die SG Oftersheim (Baden) auf dem dritten Rang. Insgesamt schüttet die DFB-Stiftung Sepp Herberger heute Abend 100.000 Euro Preisgeld an elf Preisträger in fünf Kategorien aus.
Die Auszeichnung für Bayer 04 ist mehr als nur ein Pokal für die Vitrine. Sie ist die Bestätigung dafür, dass Proficlubs ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen. Wenn der Ball rollt, sind für einen Moment alle gleich – und genau dieser Moment kann für viele der Anstoß für ein neues Leben sein.