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Interview

Wenn sich Möbelstücke verschieben

Der FSV 06 Ohratal ist in der Endphase einer durchwachsene Saison. Sportlich steht der Ligaverbleib fest. Mit Dirk Huber trennen sich dennoch die Wege.

von André Hofmann · 22.05.2025, 11:00 Uhr · 0 Leser
Max Wildies (links) und Philipp Kiebert (rechts) feierten zusammen schon Aufstiege, trauerten bei Abstiegen. Ab kommende Saison ist Max Wildies die rechte Hand des Trainers Philipp Kiebert auf dem Feld.
Max Wildies (links) und Philipp Kiebert (rechts) feierten zusammen schon Aufstiege, trauerten bei Abstiegen. Ab kommende Saison ist Max Wildies die rechte Hand des Trainers Philipp Kiebert auf dem Feld. – Foto: R.Frank

Und der FSV 06 schaffte bereits vor Saisonende Klarheiten, wer die Mannschaft kommende Saison übernimmt. Mit Philipp Kiebert wechselt ein verdienstvoller Spieler auf die Trainerbank. Er kennt den Verein, das Umfeld und hat klare Ziele, die nur gemeinsam im "Team" erreicht werden können. FuPa Thüringen hat mit ihm gesprochen...

FuPa Thüringen: Hi Philipp, wie ist es für dich die Fußballschuhe gegen den Trainerstuhl zu tauschen? Welche Herausforderungen sind damit verbunden?
Philipp Kiebert: Eigentlich verschieben sich ja mehr oder weniger die Möbelstücke - schließlich tausche ich gefühlt die Couch gegen den Trainerstuhl. Die Fußballschuhe hatte ich ja in den vergangenen zwei Jahren immer nur aushilfsweise an. Aktuell bewege ich mich in einer Mischung aus Gefühlen zwischen wahnsinniger Vorfreude und großem Respekt. Letzteres ergibt sich vor allem durch die Zeit, die der Trainerjob bedarf. Denn wenn ich etwas forciere, dann auch mit voller Leidenschaft. Ich mache mir in Puncto Fußballkompetenz weniger Sorgen, sondern eher darüber, wie ich es den Jungs nachhaltig vermitteln kann. Grundlegend bin ich aber guter Dinge, weil ich vollsten Rückhalt von meiner Frau habe, den des Trainerteams und auch den des Vorstandes. Den aus der Mannschaft muss ich mir noch erarbeiten und das ist auch gut so.

FuPa Thüringen: Wie siehst du die Entwicklung beim FSV 06 Ohratal? Wie bewertest du die laufende Saison?
Philipp: Ich empfinde die Entwicklung spätestens mit dem Antritt des neuen Vorstandes als sehr positiv, ohne dabei den alten Vorstand zu diskreditieren. Manchmal ist ein frischer Wind mit anderen "Windrädern" einfach nicht verkehrt. Streng genommen, ging es seit 2006 stets bergauf - es ist ja logisch, dass irgendwann ein Tief kommt und es wäre unfassbar, wenn es immer nur nach vorne geht. Sowas gibt es natürlich auch, aber dazu bedarf es meist unendlich viele finanzielle Mittel und das ist im Ohratal nicht primär unsere Vereinsphilosophie. Schlussendlich lassen sich die Veränderungen auf den Spieler-Umbruch zurückführen. Im Prinzip nichts anderes als der demografische Wandel unserer Wirtschaft. Wir haben immer noch einen enormen Vereinscharakter. Das sehe ich alleine daran, wer und welche Spieler in welcher Kurzfristigkeit den Mannschaften Woche für Woche mitunter die Arme greifen. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann hätte ich nicht gedacht, dass wir uns vor allem in der Rückrunde so gut verkaufen. Chapeau also an alle, die Tag für Tag daran mitwirken.

FuPa Thüringen: Welchen Weg willst du als Trainer einschlagen? Was sind deine Ziele mit dem FSV 06 in der nächsten Saison und ggf. darüberhinaus?
Philipp: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht. Ich glaube es wäre auch fatal den Blick darauf zu richten, wo meine nächste Station sein könnte, wenn es überhaupt eine gibt. Ich bin ein großer Fan von Vereinstypen, die es leider immer seltener zu finden gibt. Aber ich erinnere mich gerne an die Worte von Patrick Schellenberg aus Schweina, der einmal sagte: "Entweder Schweina oder der FC Bayern München", oder so ähnlich. Ich bin auch so ein Typ und ich möchte in erster Linie die Mannschaft weiterbringen, alles andere interessiert mich nicht. Mein sportliches Ziel ist Platz Eins bis Fünf. Wir waren uns im Sommer 2024 alle einig, dass der "Prozess Thüringenliga" Zeit braucht. Ich glaube die Vergangenheit unserer Aufstiege hat gezeigt, dass jeder Aufstieg gut überlegt sein muss. Mir ist aber vor allem wichtig die Spieler weiterzuentwickeln, zum einen im fußballerischen Kontext, zum anderen was ihre Werte betrifft, ihre Einstellung und was es heißt "Ehrenelf" im Nacken zu tragen.

FuPa Thüringen: Wie sieht dein Trainerteam aus?
Philipp: Ich habe großes Glück, dass mit Jan Hausner ein Co-Trainer den Ohrataler Fußball belebt, der die gleiche Sprache spricht wie ich und der den nötigen Fußballsachverstand besitzt. Es gibt aber noch viel mehr kleine Zahnräder, die ineinander greifen müssen, um erfolgreich zu sein - ohne unsere Mannschaftsbetreuer Kristian Diez und Manuel Kehl, ohne Torwart-Trainer Steffen Aschenbach, ohne unsere Physiotherapeutin Anna Rehmann und auch ohne die Sportliche Leitung um Roberto Seeber, könnte ich mich niemals auf das Wesentliche konzentrieren. Wir sind alle gleichgestellt und jeder ist gleichermaßen wertvoll für die ganze Mannschaft. Wir sind aber auch noch auf der Suche nach einem weiteren Co-Trainer, der uns (punktuell) mit unterstützt. Das liegt daran, dass Jan Hausner im Schichtbetrieb bei der Polizei arbeitet und den Trainings- und Spielbetrieb "nur" zu ca. Dreiviertel wahrnehmen kann. Für mich ist es sehr wichtig die Mannschaft so gut es geht zu coachen und wenn ich mit 20 Spielern trainiere und ggf. noch die Mannschaft in Gruppen aufteile, dann gestaltet sich das schwierig. Ich führe bereits mit potentiellen Kandidaten Gespräche, bei denen ich denke, dass sie uns weiterhelfen können und auch in unser Vereinsgefüge passen.