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Transfers

"Wenn fast 30 Spieler den Verein verlassen, hinterlässt das Spuren"

Trainer hält SVN München die Treue

von Boris Manz · 07.01.2026, 17:16 Uhr · 0 Leser
"Ich habe nicht mit der Art und mit der Intensität der Rückschläge gerechnet", gesteht San, der beim SVN München einen Neuanfang schaffen.
"Ich habe nicht mit der Art und mit der Intensität der Rückschläge gerechnet", gesteht San, der beim SVN München einen Neuanfang schaffen. – Foto: Bernhard Schmöller

Zahlreiche Spieler haben dem SVN München den Rücken gekehrt. Trainer Gökhan San reagiert auf die erneute Abgangswelle beim Landesliga-Schlusslicht.

Die erste Saison in der Landesliga gleicht einem Horrortrip. Nur vier Punkte nach 21 Spielen, dazu ein Torverhältnis von minus 70. Im Winter verlassen nun erneut zahlreiche Spieler den SVN München. Der Aderlass der vergangenen sechs Monate ist immens. Ex-1865-Trainer Gökhan San übernahm den Verein als Scherbenhaufen, und hält den Neuperlachern trotz der Widrigkeiten die Treue. Über ein besonderes Versprechen, harte Rückschläge und eine neue Hoffnung schreibt San an Fußball Vorort in einem Statement:

Gökhan San hält SVN München in schweren Zeiten die Treue

"Der Komplettumbruch beim SVN München ist keine neue Erkenntnis, sondern schon lange Realität. Im Winter haben uns schon wieder mehr als acht Spieler verlassen. Das ist kein gewöhnlicher Prozess, sondern ein Einschnitt, der die Tiefe der aktuellen Situation deutlich macht.

Entscheidungen im Fußball entstehen aus unterschiedlichen Beweggründen. Für manche steht der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund, für andere verschieben sich in einer schwierigen Phase die Prioritäten oder andere Faktoren spielen eine größere Rolle als der sportliche Reiz.

Diese Phase ist jedoch nicht aus dem Nichts entstanden. Die Probleme lagen bereits vor meiner Amtsübernahme Mitte August, auch wenn sie in dieser Form erst nach und nach sichtbar wurden. Seit meiner Übernahme der Mannschaft Mitte August befindet sich das Team in einem Zustand, der es extrem schwer macht, Stabilität zu entwickeln. Ehrlich gesagt: Ich habe nicht mit der Art und mit der Intensität der Rückschläge gerechnet.

„In dieser fordernden Zeit habe ich dem Abteilungsleiter mein persönliches Wort gegeben, ihn auf diesem Weg nicht allein zu lassen.“

Die vergangenen Monate waren vor allem davon geprägt, unter sehr schwierigen Umständen überhaupt handlungsfähig zu bleiben und den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. In dieser fordernden Zeit habe ich dem Abteilungsleiter, Herrn Bernd Klemm, mein persönliches Wort gegeben, ihn auf diesem Weg nicht allein zu lassen. Dieses Versprechen ist für mich verbindlich. Aus Überzeugung stehe ich dazu und werde alles in meiner Macht Stehende tun, um an seiner Seite zu bleiben und aktiv mitzuhelfen, einen Super-GAU für Abteilung und Verein zu verhindern.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein echter Neuanfang notwendig ist. Strukturelle Defizite in Bereichen wie Trainingsqualität, Verlässlichkeit und Verbindlichkeit haben sich über einen längeren Zeitraum gezeigt und sind auf Dauer nicht tragbar. Bereits während der Vorrunde war spürbar, dass ein Teil der Mannschaft gedanklich nicht mehr dabei war. Grüppchenbildungen hatten zudem negative Auswirkungen mit ungesunder Strahlkraft.

Umso mehr verdienen jene Anerkennung, die trotz dieser Umstände Verantwortung übernommen haben. Was wir aktuell erleben, ist außergewöhnlich, nicht wegen einzelner Ergebnisse, sondern wegen der Gesamtsituation. Es zeigt, wie entscheidend funktionierende Strukturen abseits des Platzes sind.

Der personelle Aderlass war absehbar. Entsprechend habe ich frühzeitig versucht, gegenzusteuern, und in den vergangenen Monaten viel Zeit und Energie investiert, um neue Spieler für diesen Weg zu gewinnen. Acht potenzielle Neuzugänge konnte ich im Winter weitgehend fixieren. Das ist in dieser Situation alles andere als selbstverständlich. Der Neuaufbau ist unausweichlich und wird Zeit benötigen.

Zeitweise standen wir kurz davor, keine Mannschaft mehr stellen zu können. Wenn innerhalb eines halben Jahres fast 30 Spieler den Verein bzw. die Abteilung verlassen, hinterlässt das Spuren. Gemeinsam mit den verbliebenen Spielern und möglichen Neuzugängen geht es darum, einen neuen, gesunden Kern zu formen, mit Fokus auf Nachhaltigkeit und die kommende Saison. Nach außen wirkt dieser Weg wie ein Schritt nach unten. Intern ist er die notwendige Grundlage, um wieder etwas Tragfähiges aufzubauen.“