
In der Sachsenliga beginnt die Phase der Wahrheit. Wenn am Samstagnachmittag der SV Tanne Thalheim im heimischen Waldstadion auf die SG Handwerk Rabenstein trifft, stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, deren Saisonziele gegensätzlicher kaum sein könnten. Während Rabenstein mit 53 Punkten und Platz zwei – punktgleich mit Spitzenreiter Dynamo Dresden II – mit aller Macht in Richtung Oberliga drängt, kämpft der Aufsteiger aus Thalheim (22 Punkte, Rang elf) ums nackte Überleben in der Spielklasse.
Thalheims Trainer René Wendler lässt vor dem Duell keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Lage. Nach der enttäuschenden 1:3-Niederlage in Dresden am vergangenen Wochenende ist der Druck auf die Erzgebirger gewachsen. „Wir kommen jetzt langsam dem Saisonende entgegen. Egal wie der Gegner heißt, es zählen Punkte“, betont Wendler mit Blick auf das Tableau. Da in dieser Saison mit bis zu fünf Absteigern zu rechnen ist, schmilzt das Polster auf die Abstiegsränge zusehends. Für den Übungsleiter steht fest, dass die Entscheidung im heimischen Waldstadion fallen muss: „Wenn du auswärts nichts holst, musst du zu Hause punkten.“
Die Aufgabe könnte jedoch kaum schwieriger sein. Mit der SG Handwerk Rabenstein gastiert eine Mannschaft im Erzgebirge, die zuletzt den VfB Fortuna Chemnitz mit 5:1 deklassierte und sich in bestechender Verfassung präsentiert. „Rabenstein hat einen sensationellen Lauf und es wird wieder sehr intensiv für uns“, warnt Wendler. Dennoch zieht er Mut aus der ersten Begegnung der Spielzeit. Trotz der damaligen 0:2-Niederlage sah er Ansätze, die auch am Samstag zum Erfolg führen könnten: „Das Hinspiel hat aber gezeigt, dass wir mit unserer taktischen Disziplin und mit etwas Glück Handwerk in Verlegenheit bringen können.“
Auch auf der Gegenseite ist man sich der besonderen Atmosphäre dieses Aufeinandertreffens bewusst. Rabensteins Trainer Ringo Delling blickt mit Vorfreude auf die Partie, die er als „kleines Bezirksderby“ bezeichnet. „Wenn man so will, ist es mit einem Augenzwinkern das kleine Bezirksderby, und deshalb gibt es hier auch paar Verbindungen“, so Delling. Er spielt damit auf die gemeinsame Vergangenheit in der Landesklasse an sowie auf personelle Verflechtungen: Mit Stefan Berger und Jim Fischer stehen zwei ehemalige Rabensteiner mittlerweile im Kader der Thalheimer.
Delling begegnet dem Aufsteiger trotz der Tabellensituation mit Respekt. „Als Aufsteiger spielt Thalheim bisher eine gute Saison und weiß vor allem in den Heimspielen zu überzeugen“, bilanziert der Gästetrainer. Dennoch lässt er an der Zielstellung seiner Mannschaft keinen Zweifel: „Nichtsdestotrotz peilen wir den Dreier an und sind auf ein rassiges Spiel eingestellt.“
Für Tanne Thalheim wird es darauf ankommen, die „miserable Auswärtsbilanz“ durch die gewohnte Stärke vor eigenem Publikum zu kompensieren. Gegen die drittbeste Offensive der Liga wird vor allem die defensive Stabilität der Schlüssel sein, um die von Wendler geforderten Punkte im Kampf gegen den Abstieg einzufahren.