
Zum Abschluss gab es ein Wiedersehen mit dem kleinsten der ganz großen Borussen, Allan Simonsen. Gladbachs viertbester Torschütze und einziger Fußballer Europas betreut aktuell das Team von der Insel Thuro in der „dänischen Südsee“. Das kam nun in den Borussia-Park und forderte auf dem dortigen Trainingsgelände die Traditionsmannschaft des Klubs, die Weisweiler Elf, heraus.
Es war ein glückloses Unterfangen, die Dänen kassierten eine 1:13-Niederlage. Mike Hanke war mit vier Treffern bester Schütze der Alt-Borussen. Eine Besonderheit des Spiels: Im Tor stand nach der Pause Peter Wynhoff. Der Dribbelkünstler hat seine Karriere in der Weisweiler Elf schon beendet, nun feierte er im knallgelben Keeper-Outfit ein Comeback.
„Allan Simonsen war einige Tage in Gladbach, er hat sich auch das Spiel gegen den 1. FC Köln angeschaut“, berichtet Jörg Jung, neben Wynhoff und Karlheinz Pflipsen Geschäftsführer der Weisweiler Elf. Simonsen fungierte als Glücksbringer, schließlich sah er einen Derbysieg. Freitag vor dem Köln-Spiel gab es die Partie gegen die Weisweiler Elf, für die Simonsen auch mal am Ball war.
Für die Weisweiler Elf war es das Finale der Feldsaison 2025. 14 Spiele gab es, 13 waren siegreich, eins ging verloren – mit 2:4 gegen die Altliga-Auswahl des GSV Wenden. Für 2026 sind bereits elf Einsätze sowie die Teilnahme an zwei Hallenturnieren verabredet. Dafür stehen, rechnet man Trainer Herbert Laumen mit, Borussen aus sieben Generationen zur Verfügung.
Einer, der 2025 viele Spiele mitmachte, fehlt seit Mitte September: Eugen Polanski. Am 24. August beim 5:2 beim VfL Repelen war er zuletzt dabei, da noch als Gladbachs U23-Coach. Am 15. September wurde er nach der Trennung von Gerardo Seoane zum Cheftrainer befördert.
Polanski ist nach Bernd Krauss, Norbert Meier, Rainer Bonhof, Ewald Lienen, Horst Köppel, Holger Fach und Michael Frontzeck der achte Gladbacher Chefcoach, der als Ex-Borusse auch für die Traditionsmannschaft spielte.
Ein Zugang des Jahres ist Torhüter Christofer Heimeroth. In der neuen Saison könnten Tony Jantschke, der seit seinem Karriereende zum Trainerstab Borussias gehört, und Patrick Herrmann, der nun im Marketing arbeitet, dazukommen. Jantschke war stark eingebunden und Herrmann hatte nach dem Ende seiner Laufbahn eine Knie-OP.
„Die Weisweiler Elf musste ich über ein Jahr lang vertrösten. Jetzt hoffe ich, zur nächsten Sommersaison dabei sein zu können“, kündigte Herrmann zuletzt gegenüber unserer Redaktion an. „Wir rechnen 2026 mit ihm“, sagt Jung.
Herrmann gehörte wie Jantschke zu einer erfolgreichen Borussia-Generation. Sie waren ein roter Faden in Gladbachs Europapokal-Jahren. Viele andere aus der Weisweiler Elf sind Pokalsieger von 1995. Das sind Gladbach-Jahrgänge, die für Erfolge stehen. Damit sind viele schöne Erinnerungen verbunden, die triggern die Fans.
Das Schwelgen in der Vergangenheit, zu dem die Weisweiler-Elf mit all den Geschichten, die mit den Akteuren verbunden sind, einlädt, lenkt dann auch von mancher Tristesse der Gegenwart ab. „Auch für uns ist es natürlich besser, wenn es gut läuft bei Borussia, wir wollen, dass unser Klub Erfolg hat“, sagt Jung. Wenn die Stimmung rund um Borussia nicht gut ist, ist die Weisweiler Elf jedoch ein positiver Kontrapunkt. „Die Resonanz ist gut“, sagt Jung. Die viel zitierte dritte Halbzeit spielte dabei eine große Rolle – Borussia ist dann ganz nahbar für die Fans.
Was Jung freut: „Wenn wir, wie bei der 125-Jahr-Feier Borussias, mit vielen Ex-Spielern zusammenkommen, merken wir immer wieder: Die Weisweiler Elf ist für sie ein Thema, sie schauen auf uns. Und im Grunde ist ja jeder Ex-Borusse einer von uns“, sagt Jung. Auch das Verhältnis zum Klub ist gut. „Es gibt für das neue Jahr einige Ideen, wie wir zusammen angehen wollen“, sagt Jung.
Bei der Geburtstagsfeier Anfang August gab es auch ein Wiedersehen mit Gisela Weisweiler, der Witwe des früheren Gladbacher Meistertrainers Hennes Weisweiler, Namensgeber des Traditionsteams. Und mit Klub-Ikone Günter Netzer. „Auch er hat großes Interesse an uns, ich denke, dass wir den Klub gut repräsentieren“, sagt Jung.