
Das Aufeinandertreffen verspricht Brisanz – auch wenn es nicht das „klassische“ Nordthüringer Derby ist. Während Wacker in der Vergangenheit wohl meist Favorit war, dürfte es diesmal einen Rollentausch gegeben haben.
Die Kurstädter haben nach acht Spielen bereits zwölf Punkte auf dem Konto und liegen damit voll im Soll. Die Mannschaft von Trainer Alex Ludwig zeigt sich bislang stabil und heimstark (sieben Punkte aus vier Heimspielen) und liegt auf Platz Sieben.
Ganz anders die Lage bei den Gästen aus Nordhausen: Noch kein Sieg, Tabellenletzter und mit der Gefahr den Anschluss ans Mittelfeld zu verlieren. Doch beim jüngsten 2:3 gegen Topteam SCHOTT Jena zeigte sich das Team unter dem neuen Trainer Stefan Wilke deutlich verbessert. Der frische Impuls nach dem Trainerwechsel von Lars Stolberg und Ingo Görke war spürbar – auch wenn am Ende die Punkte ausblieben. Routinier Marcus Vopel war dabei mit einem Doppelpack der auffälligste Mann auf dem Platz. Der 35-Jährige nahm es mit Humor: „So häufig passiert das bei mir ja nicht. Das war damals gegen Hohenstein-Ernstthal in der Oberliga. Ich hätte natürlich lieber kein Tor gemacht und dafür etwas Zählbares mitgenommen.“ Trotz der anhaltenden Sieglos-Serie blickt Vopel positiv auf die Entwicklung seiner Mannschaft: „Wir waren in dieser Saison selten die schlechtere Mannschaft. Leider belohnen wir uns einfach nicht.“
Für besondere Emotionen sorgt Lennart Liese, der im Sommer aus Nordhausen nach Bad Frankenhausen wechselte. Der 26-Jährige, der über 150 Spiele für Wacker absolvierte, trifft nun auf seinen langjährigen Verein – und das ausgerechnet in seiner Heimatstadt: „Ich freue mich sehr auf das Spiel. Es ist irgendwo ein Highlight für uns, das wir zu Hause gewinnen wollen. Natürlich ist da auch etwas Anspannung dabei – meine Zeit in Nordhausen war lang und intensiv. Ich habe mit vielen Leuten aus Nordhausen noch Kontakt. Neben den Leuten vom Staff habe ich mit Spielern wie Marcus Vopel, Thomas Riemekasten und einigen anderen Jungs jahrelang zusammen gespielt. Da sind über die Jahre echte Freundschaften entstanden und da tauscht man sich nicht nur über Fußball, sondern auch über andere Dinge aus und da gibt’s immer viel zu erzählen."
Liese erwartet ein kampfbetontes Spiel auf dem Kunstrasen: „Ob wir Favorit sind, will ich gar nicht bewerten. Ich rechne mit einem Spiel auf Augenhöhe mit vielen Zweikämpfen. Wacker hat durch den neuen Trainer neuen Schwung bekommen. Wir müssen alles investieren und kühlen Kopf bewahren.“
Auch wenn das traditionsreiche Nordthüringer Derby eigentlich zwischen Nordhausen und Sondershausen beheimatet ist, dürfte die Partie am Samstag reichlich Derby-Atmosphäre bieten. Schließlich stehen auf beiden Seiten viele bekannte Gesichter. Wackers Vopel sieht das Spiel dennoch nüchtern: „Für mich ist es ein Spiel wie jedes andere, in dem es um drei Punkte geht. Aber klar – durch die vielen Verbindungen zwischen den Vereinen wird’s sicher hitzig.“
Die Rollen sind also klar verteilt – zumindest auf dem Papier. Bad Frankenhausen will den Heimvorteil nutzen und den positiven Trend fortsetzen. Nordhausen hofft unter Wilke auf den ersehnten Befreiungsschlag. Die Zutaten für ein spannendes Derby sind jedenfalls vorhanden: Emotionen, alte Freundschaften – und drei ganz wichtige Punkte im Kampf um Stabilität und Selbstvertrauen.
