
Es war eine bittere Heimfahrt aus Kleve für den KFC Uerdingen am Freitagabend. Die mitgereisten Fans hatten sich beim Tabellenvorletzten viel ausgerechnet, um das Wochenende einzuleiten – daraus sollte allerdings letztendlich nichts werden. Die Mannschaft von Trainer Julian Stöhr unterlag mit 0:1, hätte aber, was den Spielverlauf angeht, weitaus mehr verdient gehabt.
„Uns ist die Chancenverwertung abhandengekommen“, hadert Stöhr. Denn in der Tat hatten die Uerdinger genug Möglichkeiten, das Spiel auf ihre Seite zu ziehen. Sei es der Schlenzer von Noah Tomson kurz vor der Pause, der aus KFC-Sicht leider nur den Pfosten fand, die Doppelchance kurz nach der Halbzeit, als Etienne-Noel Reck und Alexander Lipinski am gut aufgelegten Klever Keeper Ahmet Taner scheiterten oder wenig später die Dreifachchance, bei der erneut zwei Schüsse von Reck am Torhüter hängen blieben.
Und wie es im Fußball so ist, hat sich die positive Serie des KFC Uerdingen in eine kleine negative gedreht. Denn wenn man wollte, kann man nun festhalten, dass den Krefeldern in den vergangenen vier Spielen nur noch zwei Tore gelungen sind – beide nach Standards. Woran das liegen mag, ist schwierig zu beantworten. Ein Qualitätsproblem sieht Stöhr nicht, wie er deutlich betont: „Gegen Monheim haben wir fünf Tore gemacht, da war die Qualität enorm. Qualität bei Standards gehört dazu. Aus dem Spielverlauf ist sie uns abhandengekommen, aber es ist grundsätzlich keine Frage der Qualität.“ Seine Mannschaft habe schon gezeigt, dass sie Tore schießen kann. „Es geht um falsche Entscheidungen, den vorletzten Pass, um Flanken, das Timing, aber auch falsches Einlaufverhalten. Wir haben im Eins-gegen-eins nicht getroffen, haben den Pfosten getroffen, also war Pech auch dabei. Es kam einfach alles zusammen.“
Und noch schlimmer: Obwohl die Klever nicht wirklich zu nennenswerten Torchancen über die Spieldauer kamen, gewannen sie letztendlich mit 1:0. Nermin Badnjevic verwandelte einen Foulelfmeter, nachdem Julian Bachmann im Strafraum gegen den gerade eingewechselten Joel Agbo unfair zu Werke gegangen war. „Wir haben in der Regel vernünftig verteidigt“, meint Stöhr. „Der Elfmeter war dann aber symptomatisch für den Spielverlauf. Aber wenn man kein Tor macht, ist es klar, dass es auf Dauer schwierig wird zu gewinnen.“
Am besten soll alles schon am Dienstag wieder anders laufen. Dann empfängt der KFC Uerdingen den Tabellenführer Ratingen 04/19. Die Germania hatte am Freitag ebenfalls gepatzt und eine 3:1-Führung in den letzten fünf Minuten des Spiels vergeben. Das wird die bisherige Saison jedoch nicht schmälern. Ratingen ist komfortabel vorne und hat schon 41 Tore auf der Habenseite. Das sind durchschnittlich fast drei Treffer pro Partie. Mit der Verpflichtung von Damian Apfeld, der ebenso wie Stöhr vor seinem jetzigen Verein den ETB Schwarz-Weiß Essen trainiert hatte, haben die Verantwortlichen in Ratingen alles richtig gemacht.
Und dementsprechend kommt die bisherige Überlegenheit der Ratinger in der Oberliga Niederrhein nicht überraschend: „Für mich hat Ratingen mit Schonnebeck die auf dem Papier stärkste Mannschaft. Das habe ich auch schon vor der Saison gesagt“, lobt er die Arbeit beim Gegner, aber: „Wir wollen versuchen, dass wir dem Top-Favoriten Paroli bieten. Dass wir das können, haben wir schon gegen Schonnebeck gezeigt“, erinnert er an den 1:0-Sieg bei den Essenern. „Wir benötigen Einsatzbereitschaft, Laufbereitschaft und noch mehr Intensität als gegen Kleve. Vielleicht ist es dann auch vom Kopf her etwas einfacher, damit wir dann wieder punkten.“
Personell kann Stöhr dabei auch wieder aus dem Vollen schöpfen. Damit es am Dienstagabend auch wieder etwas zu feiern gibt.