2026-06-03T09:07:03.210Z

Allgemeines

Warum Miesbach und Holzkirchen trotz ähnlicher Zahlen unterschiedlich auf die Saison blicken

Statistik contra Gefühl

von Thomas Spiesl · 28.05.2025, 11:00 Uhr · 0 Leser

Rein statistisch haben der SV Miesbach und der TuS Holzkirchen in der Bezirksliga Ost ähnlich abgeschnitten. Doch der Blick auf die Saison könnte unterschiedlicher fast nicht sein.

Zwei Bezirksligisten aus dem Landkreis Miesbach – das gab es schon lange nicht mehr. Entsprechend war die Vorfreunde groß, der TuS Holzkirchen und der SV Miesbach standen sich in der Bezirksliga Ost gegenüber. Als Absteiger aus der Landesliga gehörte das Team aus der Marktgemeinde vor dem Start eher zu den Kandidaten für die obere Tabellenhälfte, Miesbach gab als Kreisliga-Aufsteiger den Klassenerhalt als Ziel aus. Doch kommen sollte es ganz anders. Miesbach hatte den Klassenerhalt bereits sechs Spieltage vor Saisonende sicher, Holzkirchen brachten den Ligaverbleib erst am letzten Spieltag in trockene Tücher.

Dabei scheint die Saison mit Blick auf die Statistiken gar nicht so unterschiedlich gewesen zu sein. Miesbach holte mit 45 Punkten zwar sechs mehr als Holzkirchen, kassierte aber genau so viele Niederlagen (elf). Und auch beim Torverhältnis – SV 56:42, TuS 49:41 – lagen die Teams nicht weit auseinander. Und dennoch ist die Stimmung in Kreisstadt und Marktgemeinde grundverschieden. Das liegt am Verlauf der Spielzeit.

TuS Holzkirchen vollzieht radikalen Kaderumbruch

Nach dem Abstieg aus der Landesliga entschieden sich die Holzkirchner für einen radikalen Kaderumbruch. So bestand das Team vom zurückgekehrten Trainer Sven Teichmann zum großen Teil aus jungen, vereinseigenen Akteuren. Darin lag auch das Problem: Die Holzkirchner schafften es – trotz ansprechender Auftritte – nicht, konstante Leistungen abzurufen. Vor allem an einem echten Stürmer, der die vielen Chancen verwertete, mangelte es. So konnte sich der TuS nach einer wechselhaften Hinrunde erst durch einen starken Schlussspurt mit sieben Punkten aus drei Partien aus der Abstiegszone befreien.

Nach der Winterpause fehlte es weiterhin an Konstanz. Luka Radulovic, Stabilisator im defensiven Mittelfeld und Ankerspieler, ließ man ziehen. Stattdessen hoffte man auf die nötige Verstärkung im Sturm. Doch daraus wurde nur teilweise etwas. Der Königstransfer um Mario Crnicki vom TSV Landsberg scheiterte: Der Offensivakteur erhielt kurzfristig keine Spielgenehmigung. Dagegen konnte Alpay Özgül durchaus überzeugen. Er traf in seinen zwölf Auftritten immerhin viermal – eine ordentliche Quote. Trotz der positiven Entwicklung zahlreicher junger Spieler um Bastian Feldbrach und Emil Albrecht sowie einer guten Ausgangsposition wurde es noch einmal richtig knapp. Erst am letzten Spieltag sicherten die Grün-Weißen durch einen 6:1-Erfolg über Siegsdorf die Klasse und verhinderten damit den zweiten Abstieg in Folge. Überdies verlängerten die Holzkirchner den Vertrag mit Coach Teichmann nicht. Rainer Elfinger wird der neue Mann auf der TuS-Bank.

Miesbach startet erfolgreich in die Saison

Im Gegensatz zum Lokalrivalen kamen die Miesbacher gut aus den Startlöchern und kämpften zwischenzeitlich sogar um die ersten drei Plätze. Garant für den Erfolg war vor allem die Offensive um Top-Torjäger Josef Sontheim, der sich mit 30 Treffen zum Torschützenkönig der oberbayerischen Bezirksligen krönte, sowie Sean Erten und Maximilian Wiedmann. Die SV-Defensive stand meist sicher. Keeper Michael Wiesböck schaffte den Sprung in die Bezirksliga und zeigte oft starke Paraden, in der Viererkette sorgte Marinus Veit für Ordnung. Selbst als Johannes Schneider nach der Winterpause mit einem Kreuzbandriss ausfiel, konnte die Lücke schnell geschlossen werden. Mit dem Abstieg hatte der SV über die gesamte Saison nichts zu tun und landete am Ende auf Rang sechs der Tabelle.

Die starke Bilanz wird dabei etwas verfälscht durch die letzten sechs Spiele, in denen die Weiß-Roten nur noch fünf Punkte holten. Darunter aber auch ein beachtenswertes 0:0 bei Meister Dornach. Gerade auswärts fühlte sich der SV wohl, 28 Punkte aus 15 Spielen stehen zu Buche. Die Heimbilanz (15 Spiele/17 Punkte) ist hingegen ausbaufähig. Die gute Arbeit von Trainer Hans-Werner Grünwald, der die richtige Mischung aus Jung und Erfahren schnell fand, bestätigen am Ende 45 Punkte und 56:42 Tore. Im Saisonendspurt war verständlicherweise die Luft raus, sonst wäre vielleicht sogar Platz drei drin gewesen. In der neuen Saison wollen die Miesbacher mit einigen Verstärkungen ihre rundum gelungene Premieren-Saison bestätigen.

Markus Eham/Thomas Spiesl