Warum ist der Frühsommer tabu?

HINTERLAUFEN: +++ Florian Spies plädiert für eine Fußball-Runde wie in Skandinavien +++ Mehr Geselligkeit und weniger Absagen an hellen, langen und wärmeren Tagen +++ Riesen-Regenerationsphase +++

Ist der heutige Spielplan des Amateurfußballs noch zeitgemäß und unumstößlich? Ist es wirklich nötig, die schönste und wärmste Zeit des Jahres ohne Fußball zu verbringen? Warum denkt man nicht mal etwas lauter darüber nach, sich auch die Sommermonate Juni und Juli als Spielmonate zu Nutze zu machen? Schaut man nach Schweden, ist es ganz normal die schönen Monate zu nutzen um zu kicken und sich dort sogar schon ab November mit anderen Dingen zu beschäftigen über den Winter.

Eine Saison von z.B. KW 11 irgendwo im März bis KW 46 irgendwo im November hätte doch auch ausreichend Platz im Kalender (36 Wochen) um in einer Staffel mit der Richtzahl 17 ( 32 Spiele) oder sogar Richtzahl 18 (34 Spiele) einen Spielbetrieb umzusetzen, immerhin stehen 36 Wochen und somit auch Wochenenden zur Verfügung. Eine Pause von dann verbleibenden 16 Wochen ließe eine Regeneration zu und wäre nutzbar um sich auf eine „Saison über den Sommer“ vorzubereiten. Man hat in diesen Monaten die Möglichkeit Spiele flexibel in der Uhrzeit, auch mal ganz „Profi-like“ auf jenseits der 18 Uhr zu legen, denn wer von uns geht denn im Sommer schon gerne um 20.30 Uhr ins Bett? Das Gleiche gilt übrigens für Zuschauer, die den Amateurfußball schauen und unterstützen. Ich bin mir sicher, dass die Gleichung „Gutes Wetter = Guter Besuch=überlebenswichtige Einnahmen“ greift, und die Vereine auch in dieser Hinsicht davon profitieren können. Exakt zu dieser Jahreszeit jetzt steht kaum einer vom Sofa auf um unsere Jungs zu unterstützen, mal eine Wurst zu essen oder ein Bier/Glühwein zu trinken. Trotzdem müssen wir Vereine den Spielbetrieb bewerkstelligen, müssen von den Einnahmen nach Möglichkeit den Schiedsrichter zahlen und sonstige Kosten tragen. Bei niedrigen Einnahmen legt man in der Regel drauf. Es blieben auch im Sommer noch Abende unter der Woche, an denen Fußball gespielt werden kann, wenn es mal an einem Sonntag nicht passen sollte (z.B. Ostern). Man könnte den Spielbetrieb viel ausgiebiger auf „echten“ Fußballplätzen mit „echtem“ Rasen austragen. Generell könnte man überlegen in welchem Umfang Kunstrasen, der ja die letzte Zeit sogar Gegenstand von Klimadiskussionen war, nötig ist. Ich persönlich sehe Kunstrasen als notwendiges Übel an und nicht als favorisierten Belag um ein Fußballspiel zu spielen.

Dass Spieler, gerade in den Ferien, immer mal abwesend sind um mit Familie oder Freunden in den Urlaub zu fahren ist ja heute auch schon so. Tagesausflüge an Trainingstagen oder Vertretungen an der Arbeit für Kollegen im Urlaub, alles ganz normal. Derzeit verpasst ein Spieler im Juni und Juli die Vorbereitung. Ist es wirklich so schlimm wenn Spieler mal zwei Spiele nicht zur Verfügung stehen? Ich denke diese Probleme löst jeder einzelne Amateurverein heute schon nahezu wöchentlich. Welchem Verein ist es vergönnt vom ersten Tag der Vorbereitung bis zum Abpfiff des letzten Spieltags der Hin- oder Rückrunde die „volle Kapelle“ auffahren zu können? Ich halte zumindest die Überlegung und Abwägung eines solchen Spielbetriebes als erstrebenswert. Nach vielen Gedanken, die ich mir zu diesem Thema gemacht habe, muss ich sagen, mit jeder Überlegung dazu gefällt mir die Option immer besser und meine Meinung hat sich pro „Sommersaison“ entwickelt. Im Sommer sind wir gerne vor der Tür, wir bewegen uns mehr und sind noch viel lieber unter Leuten und in Gesellschaft, wenn das Wetter schön ist. Da kann ein Sportverein in einem Ort oder einer Stadt eine tragende Rolle spielen, um die Leute zusammen zu bringen, aber dazu müssen die Leute auch Lust haben auf den Sportplatz zu gehen. Da spielt das Wetter eine entscheidende Rolle…

Aufrufe: 030.11.2019, 11:07 Uhr
Gastautor Florian SpiesAutor

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