
Es ist noch keine 12 Uhr, als Zweitligist Fortuna Düsseldorf am Dienstag eine vermeintlich unscheinbare Meldung verbreitet. „Personeller Wechsel auf der U17-Trainerposition“, lautet der Titel. Und ein paar Zeilen darunter heißt es: „Die Zusammenarbeit mit U17-Cheftrainer Sinisa Suker wurde am Dienstagvormittag beendet. Bis Saisonende übernimmt U19-Co-Trainer Adam Bodzek die Leitung des Juniorenteams.“ Was im ersten Moment wie die Verkündung einer gewöhnlichen Personalentscheidung klingt, ist in Wahrheit jedoch das genaue Gegenteil: ein großes Rätsel. Denn der Verein nennt keinen Grund für die plötzliche Trennung.
Während die Belegschaft separat per Mail informiert wird, verbreitet sich die überraschende Nachricht im Umfeld des Klubs wie ein Lauffeuer. Auch in den sozialen Netzwerken reagieren viele Fans hochgradig irritiert. Fortuna bedankt sich in ihrer Mitteilung zwar bei Suker „für sein langjähriges und außerordentliches Engagement“, erzeugt ansonsten aber vor allem eine Vielzahl großer Fragezeichen. Kein Zitat eines Verantwortlichen, keine Zusammenfassung der Bilanz und der Verdienste des Trainers, der seine Arbeit in der Nachwuchsabteilung von Fortuna vor fast genau 30 Jahren aufgenommen und von 2005 bis 2022 die Verantwortung für die U19 getragen hat.
„Das ist ziemlich wenig für einen Menschen, der seit 1996 für unseren Verein tätig war?! Kommt da noch mehr, oder führen wir die Undankbarkeit der letzten Jahre weiter fort?“, schreibt ein Anhänger zum Beispiel auf X. Ein anderer fragt: „So verabschiedet man jemanden, der knapp 30 Jahre für den Verein gearbeitet hat?“ Und ein dritter Fan ergänzt auf Instagram: „Hier verliert der Verein ein Stück seiner Seele.“ Die kurze Meldung des Klubs endet derweil mit folgenden Worten: „Alles Gute für die Zukunft, ,Sinne’!“
Als unsere Redaktion beginnt, die Gründe hinter der überraschenden Trennung in Erfahrung zu bringen, stößt sie zunächst auf Schweigen. Suker selbst will sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern, Stefan Vollmerhausen, der sportliche Leiter der Nachwuchsabteilung, ebenso wenig. Und auch vereinsseitig hält sich Fortuna bedeckt. Kurz darauf bringen weitere Recherchen immerhin ein paar Details ans Licht: Der Klub hat den U17-Trainer, der nach Informationen unserer Redaktion im Besitz eines unbefristeten Vertrags war, nicht etwa aus sportlichen Gründen freigestellt, sondern ihm am Morgen fristlos gekündigt.
Getroffen wurde diese Entscheidung demnach von der NLZ-Doppelspitze: also von Vollmerhausen und Patrick Fabian, dem administrativen Leiter. Was Suker vorgeworfen wird oder welcher genaue Auslöser zu seinem sofortigen Rauswurf geführt hat, ist zur Stunde allerdings weiterhin offen. Mehrere Personen, die den 51-Jährigen gut kennen, beschreiben ihn gegenüber unserer Redaktion als durchaus unbequemen und streitbaren Charakter, allerdings auch als jemanden, der in den vergangenen Jahren mehrere Talente entwickelt hat: etwa Ihlas Bebou, Robin Bormuth, Jamil Siebert oder Shinta Appelkamp.
Unterdessen ist es nicht unwahrscheinlich, dass es schon zeitnah zu einem Wiedersehen zwischen Suker und Fortuna kommen könnte – vor dem Arbeitsgericht. Das wäre dann der Fall, wenn der gebürtige Neusser auf Wiedereinstellung klagen würde. Seit Dienstag ist seine Zeit in Düsseldorf vorbei, doch die entscheidenden Umstände seines plötzlichen Rauswurfs bleiben ein Rätsel. Zumindest vorerst.