2026-06-12T06:52:44.557Z

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Warum Fußball in New York viel mit Baseball zu tun hat

Im Vorfeld der WM hat RP-Mitarbeiter Nils Hendricks Spiele in Vancouver, Seattle und New York besucht. In einer dreiteiligen Serie blickt er auf seine Erfahrungen zurück. Der letzte Teil führt in den „Big Apple“ und erzählt von einer ungewöhnlichen Fußballkulisse.

von RP / Nils Hendricks · Gestern, 22:30 Uhr · 0 Leser
So läuft der Fußball in der USA
So läuft der Fußball in der USA – Foto: Marcel Eichholz

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Das Spektakel ist eröffnet: Mit einem 2:0-Erfolg gegen Südafrika feierte der Gastgeber Mexiko am Donnerstagabend einen gelungenen Auftakt in die Weltmeisterschaft 2026. Mehr als 80.000 Zuschauer verfolgten die Partie im legendären Aztekenstadion, Millionen weitere vor den Fernsehgeräten. Am Sonntag greift auch die deutsche Nationalmannschaft ins Geschehen ein. Um 19 Uhr trifft die DFB-Elf in Houston auf „Fußballzwerg“ Curaçao. Erstmals nehmen 48 Mannschaften an einer Weltmeisterschaft teil – und erstmals führt das Turnier durch drei Gastgeberländer zugleich: Kanada, die USA und Mexiko.

In den vergangenen Tagen habe ich an dieser Stelle von meinen Stadionerlebnissen in zwei der drei Gastgeberländer berichtet. Im kanadischen Vancouver sah ich ein Spiel der Vancouver Whitecaps, einige Busstunden südlich, jenseits der US-Grenze, verschlug es mich zu den Seattle Sounders.

Drei Städte, drei Fußball-Erlebnisse: So erlebte ich die Major League Soccer

Meine beiden „Dates“ mit der Major League Soccer (MLS) hätten dabei unterschiedlicher kaum ausfallen können. In Vancouver schien die Chemie von Beginn an nicht zu stimmen: schlechte Stimmung, schlechter Fußball – schlechte Laune. Bei meinem Rendezvous mit den Seattle Sounders funkte es hingegen schon deutlich mehr. Ein mitreißendes Comeback vor beeindruckender Kulisse half dabei, meinen negativen Ersteindruck etwas zu korrigieren.

Was ich jedoch einige Tage später in New York City erleben sollte, war nicht weniger als der ungewöhnlichste Fußball-Schauplatz meiner Reise. Nach Zwischenstopps in Utah und Colorado verbrachte ich im Juli 2024 noch eine knappe Woche in der Weltmetropole, ehe es mich wieder nach Deutschland verschlug. Zwischen Freiheitsstatue, Brooklyn Bridge und den Straßenschluchten Manhattans sollte meine Reise ihren krönenden Abschluss finden.

Auch im „Big Apple“ war ein Stadionbesuch fest eingeplant. In der Stadt, die weltweit vor allem mit den Yankees, Knicks und Giants in Verbindung gebracht wird, spielt Fußball bis heute eher eine Nebenrolle. Dennoch verfügt die Metropolregion mit den New York Red Bulls und dem New York City FC über gleich zwei Vertreter in der Major League Soccer.

Meine Wahl fiel schließlich auf den NYCFC, der während meines Aufenthalts ein Heimspiel gegen den CF Montréal absolvierte. Bereits beim Ticketkauf wurde ich jedoch stutzig, denn die Stadionansicht im Ticketportal wirkte ein wenig gewöhnungsbedürftig. Anstelle des vertrauten Stadionovals blickte ich auf die Umrisse eines Baseballfeldes.

Warum der New York City FC in Baseball-Arenen spielt

Der Grund dafür war schnell gefunden: Weil der New York City FC bis heute über kein eigenes Stadion verfügt, weicht das Team auf die Baseballarenen der Stadt aus. Die meisten Partien finden dabei im Yankee Stadium statt, dessen Namensgeber zugleich zu den Minderheitseignern des Klubs zählen. Gegen den CF Montréal lief der NYCFC jedoch im Citi Field auf – der Heimspielstätte der rivalisierenden New York Mets.

WM 2026: Das MetLife Stadium als Endspiel-Arena

Während der Fußball-WM richtet sich der Blick am Standort New York auf das MetLife Stadium im benachbarten New Jersey. Dort werden insgesamt acht Partien – darunter auch das Endspiel – ausgetragen. Auch Deutschland bestreitet sein drittes Gruppenspiel gegen Ecuador in der mehr als 80.000 Zuschauer fassenden Arena.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft sorgten vor allem die teils astronomischen Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr für Schlagzeilen. Für mein drittes MLS-Spiel machte ich mich mit der Subway auf den Weg von Manhattan nach Queens – unkompliziert und kostengünstig.

18 Dollar für ein Bier: Stadionerlebnisse in Amerika

Letzteres konnte man über die Verpflegungspreise im Stadion gewiss nicht behaupten. Zwar hatte mich Seattle bereits auf das amerikanische Preisniveau vorbereitet, doch als mir für eine Dose Heineken „18 Dollar“ vom Kartenlesegerät entgegenleuchteten, verschlug es selbst mir kurz die Sprache. An die ausführliche Inszenierung der Nationalhymnen vor dem Anpfiff hatte ich mich dagegen längst gewöhnt.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Der New York City FC gewann verdient mit 2:0. Beide Treffer bereitete der ehemalige Gladbacher Hannes Wolf vor, der Anfang des Jahres den Sprung über den Atlantik gewagt hatte. Vor allem spielerisch hinterließ die Partie bei mir den besten Eindruck meiner drei MLS-Besuche. Viel interessanter als das Geschehen auf dem Rasen war an diesem Abend jedoch die ungewohnte Kulisse der Baseball-Arena.

Mit dem Abpfiff im Citi Field endete nicht nur mein drittes MLS-Spiel, sondern auch mein dreimonatiger Aufenthalt in Nordamerika. Zwei Tage später saß ich schließlich wieder im Flieger nach Deutschland. Mit im Gepäck: Eindrücke aus drei WM-Städten, die kaum unterschiedlicher hätten ausfallen können – Ernüchterung in Vancouver, Wiedergutmachung in Seattle und eine kuriose Kulisse in New York.

Gleichzeitig erfüllte mich bereits damals eine gewisse Neugier darauf, wie sich der Kontinent zwei Jahre später als Gastgeber der Weltmeisterschaft präsentieren würde. Seit Donnerstag kann sich die Weltöffentlichkeit ihr eigenes Bild machen.

Info zum Autor: Nils Hendricks ist freier Mitarbeiter der Rheinischen Post und schreibt vornehmlich über Amateurfußball im Kreis Kleve. Seit mehreren Jahren berichtet er auch über das Frauenteam des VfR Warbeyen, das in der vergangenen Saison noch in der 2. Bundesliga spielte.