
In wenigen Tagen könnte der VfR Warbeyen seinen größten Triumph in der Vereinsgeschichte feiern. Die Fußballerinnen wollen am Sonntag bei der U23 von Bayer Leverkusen den Aufstieg in die Zweite Bundesliga perfekt machen. Viele werden mitfeiern. Spieler einer Männer-Mannschaft werden bei der Aufstiegsparty aber nicht dabei sein, denn die gibt es in Warbeyen seit 2023 nicht mehr.
Dem kometenhaften Aufstieg der Frauen in den vergangenen Jahren stand der brutale Abstieg des Männerfußballs entgegen. Aber das ändert sich – und lange müssen sich die Warbeyener auch nicht mehr in Geduld üben. Ab der kommenden Saison wird am Duvenpoll endlich wieder gekickt. Die Männer-Mannschaft wird wiederbelebt. Und sie bekommt einen Trainer, der nicht unbekannt ist.
Der neue Coach ist quasi der alte Coach – Christopher Uwara. Er betreute die Warbeyener viele Jahre in der Kreisliga C bis zur Auflösung im Jahr 2023 und kennt den Verein aus dem Effeff. „Ich habe mich in Warbeyen immer wohlgefühlt“, sagt er. Da er und der langjährige VfR-Vorsitzende Christian Nitsch auch immer im regelmäßigen Austausch blieben, kam irgendwann die Idee auf, den Männerfußball in Warbeyen wiederauferstehen zu lassen. Und erneut beginnt der Verein ganz unten in der C-Liga und will dann auch wieder an Pokalwettbewerben und der Stadtmeisterschaft teilnehmen.
Rückblick: Viele Jahre lang war der VfR Warbeyen eine feste Größe im männlichen Kreisliga-Fußball. In den Nuller-Jahren reifte dann die Idee, das Team in höhere Gefilde zu führen. Der Plan, der sicher nicht günstig war, ging zunächst auf.
Im Jahr 2008 stieg die Mannschaft in die Landesliga auf. Mit dabei waren feste Größen im Kreis Klever Fußball, die man heute vornehmlich als Trainer kennt – wie Sven Kleuskens oder Marc Kersjes. Fun-Fact: Auch Sandro Scuderi, der als Trainer mit den Frauen am Sonntag in die Zweite Bundesliga aufsteigen kann, spielte in Warbeyen und war Teil des Aufstiegsteams 2008. Doch schon drei Jahre später folgte, was schon viele Vereine mit derartigen Ambitionen heimgesucht hat – das jähe Ende.
Der VfR verzichtete im Sommer 2011 aus finanziellen Gründen auf seinen Landesliga-Startplatz und wollte einen Neuanfang einleiten – zunächst in der Bezirksliga. Da aber kein schlagfertiges Team zusammengestellt werden konnte und ein Verzicht auf den Startplatz nicht eingereicht wurde, stand der VfR zu Beginn der Saison 2011/12 als erster Absteiger fest und absolvierte kein einziges Spiel.
Ein Jahr später entschloss sich der Klub, die zweite Mannschaft, die damals in der Kreisliga C spielte, zur ersten Mannschaft zu machen. Bis 2023 lief es – mit einem Intermezzo von vier Jahren in der B-Liga – immer weiter in der untersten Spielklasse. Doch dann gab es 2023 wieder akuten Personalmangel. Die Mannschaft wurde komplett vom Spielbetrieb abgemeldet und aufgelöst. „Das war damals sehr schmerzhaft für alle. Aber der Verein hat sich nun weiterentwickelt“, sagt Christian Nitsch.
Natürlich stellt sich dem Betrachter jetzt die Frage, ob Nitsch und seine Mitstreiter wieder ein großes Ding mit dem Männer-Team vorhaben. Die deutliche Antwort: Nein. „Wir wollen den Menschen in Warbeyen einfach wieder Fußball am Duvenpoll bieten. Es geht um die Freude am Fußball“, sagt Nitsch.
Der künftige Trainer Christopher Uwara sieht es genauso, wird in der Zielsetzung aber konkreter: „Klar, es soll Spaß machen. Aber natürlich peilt man auch den Aufstieg an, wenn man in der Kreisliga C spielt.“ Wann die B-Liga erreicht sein soll, steht in den Sternen und wird zu Beginn der Comeback-Saison erst einmal kein großes Thema sein.
Doch wie nachhaltig wird das Ganze sein? Bleiben die Spieler am Duvenpoll, wenn es nicht gut genug läuft? Das wissen auch Nitsch und Uwara nicht. Fest steht: Es wird auf lange Sicht geplant. „Wir starten ja hier nicht mit irgendwelchen Luftbuchungen, sondern mit festen Zusagen“, sagt der VfR-Boss.
Der Vereinschef betont, dass keine Problemspieler Teil der neuen Mannschaft sein sollen. Allen Beteiligten müsse klar sein, dass sie auch Verantwortung tragen, damit der Verein mit seiner Galionsfigur – dem Frauen-Team – nach außen hin ein vernünftiges Bild abgeben kann.
„Ich bin auch davon überzeugt, dass das Männer-Team lange existieren wird“, sagt Uwara. Mehrere Spieler hat der Coach schon überzeugt. Ein großer Teil spielte zuvor beim 1. FC Kleve III, den Uwara bis zur personell bedingten Auflösung kurz vor Weihnachten 2024 trainierte. Er hält die Augen aber weiter offen – und auch seine Ohren. Denn Uwara freut sich über Interessenten, die Lust auf Fußball in Warbeyen haben und in einem neuformierten Team spielen wollen. Sie können sich bei ihm melden (0173 2196570).
Der Coach hofft, dass im Spätsommer, wenn die neue Saison in der Kreisliga C beginnt, wieder viele Menschen zum Duvenpoll kommen, um gepflegten Kreisliga-Fußball zu schauen „und vielleicht ein Bierchen anne Theke trinken“, wie Uwara sagt. Denn schon jetzt sei die neue Mannschaft ein ganz heißes Gesprächsthema im Dorf. Vielleicht ist dann auch die eine oder andere VfR-Spielerin dabei, um von den Zweitliga-Begegnungen mit dem Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, VfL Bochum oder Borussia Mönchengladbach zu erzählen.