
Spätestens jetzt dürfte auch beim VfR Warbeyen niemand mehr an das Wunder vom Klassenerhalt glauben. Am Sonntag verlor das abgeschlagene Schlusslicht der Zweiten Bundesliga der Frauen auch das Kellerduell bei Borussia Mönchengladbach. Trotz einer ordentlichen zweiten Halbzeit musste sich das Team von Trainer Thomas Gerstner mit 1:2 (0:2) geschlagen geben.
Inzwischen beträgt der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz 17 Punkte. Da an den verbleibenden sechs Spieltagen nur noch 18 Zähler zu vergeben sind, könnte der Gang in die Regionalliga bereits am kommenden Wochenende auch rechnerisch besiegelt sein. Dann trifft der VfR vor heimischem Publikum auf den Vorletzten VfL Wolfsburg II.
Der Traum vom zweiten Saisonsieg zerplatzte im Rheydter Grenzlandstadion bereits in der Anfangsphase. Die Borussia erwischte den besseren Start und ging in der neunten Minute in Führung. Nach einem Foul von Gloria Zarambaud an Lili Jones-Baidoe gab es einen Freistoß am linken Strafraumeck. Die flache Hereingabe von Imke Kessels rauschte an Freund und Feind vorbei und schlug schließlich ohne jede Berührung im Torwarteck ein.
Zehn Minuten später baute die Borussia ihren Vorsprung aus. Einen Kopfball von Mia Giesen konnte Lillian Yordy noch von der Linie kratzen, doch beim Nachsetzen von Jones-Baidoe bekam niemand mehr einen Fuß dazwischen (19.). So rannte der VfR Warbeyen einmal mehr einem frühen Rückstand hinterher. Eigene Offensivaktionen hatten im ersten Durchgang Seltenheitswert.
Thomas Gerstner war sichtlich unzufrieden – so unzufrieden, dass der Warbeyener Übungsleiter zu einer außergewöhnlichen Maßnahme griff. Mit Beginn der zweiten Halbzeit wechselte er gleich viermal und stellte von Dreier- auf Viererkette um. „Wir haben vor der Pause keine Energie auf den Platz gebracht und waren in den Zweikämpfen zu weit weg. Für die zweite Halbzeit haben wir von 3-4-3 auf 4-1-4-1 umgestellt“, sagte der VfR-Coach.
Die Umstellung zeigte Wirkung. Der VfR Warbeyen war im zweiten Durchgang über weite Strecken das spielbestimmende Team und kam durch Narjiss Ahamad sogar zum Anschlusstreffer. Nach einer Umschaltaktion gelangte der Ball in der 53. Minute über Isa Warps und Marit Cleven zur Mittelfeldspielerin, die von der Strafraumkante sehenswert in den rechten Winkel traf.
Mit etwas mehr Spielglück wäre in den verbleibenden 40 Minuten vielleicht auch noch der Ausgleich möglich gewesen. Doch selbst ein Punkt hätte dem Tabellenletzten im Abstiegskampf kaum geholfen. „Wir hätten es vorne mit ein bisschen mehr Überzeugung zu Ende spielen sollen. Aber ein Punkt oder keiner spielt für uns ohnehin keine Rolle mehr“, sagte Gerstner, dessen Mission nun bereits nach wenigen Spielen zu scheitern droht.
Der Warbeyener Trainer bleibt dennoch beim Pflichtoptimismus. Solange der Klassenerhalt rechnerisch möglich ist, richtet Gerstner den Blick auf das nächste Spiel: „Als Trainer werde ich immer sagen, dass wir das nächste Spiel gewinnen wollen.“ Gleichzeitig weiß auch Thomas Gerstner, dass Durchhalteparolen allein an der Tabellenlage wenig ändern.