
Der FSV Hollenbach hat im Abstiegskampf der Oberliga Baden-Württemberg ein emotionales Ausrufezeichen gesetzt. Gegen den direkten Konkurrenten FSV 08 Bietigheim-Bissingen gelang vor 500 Zuschauern ein nervenaufreibender 3:2-Erfolg, der erst in der letzten Sekunde der Nachspielzeit besiegelt wurde. Trotz zweimaligen Rückstands bewies die Mannschaft von Trainer Reinhard Schenker enorme Moral und belohnte sich für einen leidenschaftlichen Auftritt, der die Hoffnungen auf den Klassenerhalt neu entfacht.
Drangphase ohne Belohnung zu Beginn
Das Spiel begann mit einer deutlichen Dominanz der Gastgeber. Der FSV Hollenbach unter zeigte von der ersten Sekunde an, dass er gewillt war, die bittere Niederlagenserie zu beenden. „Wir sind sehr gut in die Partie gestartet, hatten zwei, drei gute Möglichkeiten, um in Führung zu gehen“, analysierte Trainer Reinhard Schenker die Anfangsphase.
Doch die offensive Kontrolle blieb nicht über die gesamte erste Halbzeit stabil. „Wir haben dann so nach 15 bis 20 Minuten ein, zwei technische Fehler gehabt, die dazu geführt haben, dass wir diese offensive Kontrolle über das Spiel verloren haben“, so der Trainer weiter. Das Spiel gestaltete sich in der Folge ausgeglichener, wobei der Gegner kaum gefährlich wurde, abgesehen von einer Unachtsamkeit nach einer Standardsituation. So ging es torlos in die Kabinen der Jako-Arena.
Ein Rückschlag aus dem Nichts
Die zweite Halbzeit entwickelte sich zu einem Wechselbad der Gefühle. Obwohl Hollenbach weiterhin die spielbestimmende Mannschaft blieb, waren es die Gäste aus Bissingen, die den ersten Schlag setzten. In der 54. Minute geriet der FSV durch einen Foulelfmeter von Jona Lorch mit 0:1 in Rückstand.
Doch die Hollenbacher ließen sich nicht beirren. Mit dem unbedingten Willen zur Wende erspielte sich das Team um Kapitän Sebastian Schiek weitere Anteile. In der 66. Minute belohnte Hannes Scherer die Bemühungen mit dem 1:1-Ausgleich. Zu diesem Zeitpunkt schien die Partie zugunsten der Heimelf zu kippen, da sie weiterhin mehr Spielanteile verbuchte.
Die taktische Bürde des zweiten Gegentreffers
Mitten in die Hollenbacher Drangphase folgte jedoch der nächste Nackenschlag. Nur fünf Minuten nach dem Ausgleich erzielte der eingewechselte Bleart Dautaj das 1:2 für den FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Trainer Reinhard Schenker sah die Ursache in einer taktischen Unstimmigkeit: „Mit dem zweiten Angriff des Gegners sidn wir mit 1:2 in Rückstand geraten, wo wir nicht gut verteidigt haben. Nach einer Umstellung mit einem offensiven Flügelspieler auf der Außenverteidigerposition hat dieser sich taktisch-individuell nicht optimal verhalten in der Situation, und wir kriegen das Gegentor.“ Es war ein Moment der Ernüchterung, der die Mannschaft jedoch nicht zerbrach, sondern einen neuen Kampfgeist weckte.
In Überzahl gegen das Bollwerk
Die Wende des Spiels kündigte sich in der 73. Minute an, als Kevin Ikpide mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Ab diesem Zeitpunkt agierte Hollenbach in Überzahl gegen eine tief stehende Defensive. „Dann war es eigentlich nach der gelb-roten Karte für Bissingen ein Spiel auf ein Tor mit vielen Torchancen“, beschrieb Reinhard Schenker die Schlussphase.
Er reagierte personell und brachte unter anderem Esnaf Rejan Omerovic, Felix Limbach und Niklas Dörr für Niklas Breuninger, Marco Specht und Janis Gesell, um den Druck auf das Tor von Sven Burkhardt zu erhöhen. Bissingen verteidigte mit Mann und Maus, während die Zeit unerbittlich verrann.
Ekstase in der Nachspielzeit
Was sich in den letzten Minuten abspielte, wird in Hollenbach noch lange in Erinnerung bleiben. Als die 90. Minute anbrach, war es Juan Faßbinder, der nach einem Standard zum 2:2-Ausgleich traf. Doch das Team wollte mehr. In der neunten Minute der Nachspielzeit – die Uhr zeigte bereits 90.+9 an – war es schließlich Luke Knapp, der nach einer weiteren Standardsituation zum 3:2-Siegtreffer einnetzte. „Wir haben uns dann am Schluss Gott sei Dank noch belohnt mit zwei späten Standardtoren, was unterm Strich völlig verdient war. Wir hatten deutlich mehr Torchancen, wir hatten deutlich mehr Spielanteile“, gab ein sichtlich erleichterter Trainer zu Protokoll.
Stolz auf Charakter und Moral
Nach dem Abpfiff kannte der Jubel im Lager der Hollenbacher keine Grenzen mehr. Mit nun 23 Punkten steht der FSV Hollenbach in der Tabelle auf dem 16. Rang gleich. Reinhard Schenker sparte nicht mit Lob für seine Truppe: „Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft, weil sie alles dafür getan hat, dieses wichtige Spiel zu gewinnen. Ich kann nur den Hut vor meiner Mannschaft ziehen, vor der Leistung, vor der Moral, auch wieder nach Rückstand zurückzukommen.“ Der Glaube an den Erfolg war der Schlüssel zum Sieg: „Wir haben bis zum Schluss an den Erfolg geglaubt, haben immer weiter nach vorne gespielt. Ich bin heute einfach nur stolz.“
Blick auf das nächste Endspiel
Dieser Sieg soll nur der Anfang einer Aufholjagd sein. Der Fokus richtet sich nun auf den kommenden Samstag, 21.03.2026. Dann tritt der FSV Hollenbach um 15 Uhr zum nächsten „Sechs-Punkte-Spiel“ beim 1. FC Normannia Gmünd an. Schenker hofft, den Schwung mitnehmen zu können: „Jetzt gehen wir positiv in das nächste Sechs-Punkte-Spiel gegen Normannia Gmünd und hoffen, dass wir diese Leistung und diesen Glauben, den wir jetzt heute auch gezeigt haben, konservieren können, ins nächste Spiel übertragen und dann hoffentlich auch nächste Woche wieder unsere Leistung abrufen und uns wieder mit Punkten belohnen können.“ Nach den strapaziösen Wochen zuvor scheint die Moral beim FSV rechtzeitig wieder intakt zu sein.