
Nein, überrascht sei er nicht vom bisherigen Saisonverlauf, sagt Korschenbroichs Trainer Boubacar Coulibaly. Auch die Konkurrenz dürfte nicht völlig verblüfft vom vierten Tabellenplatz des Aufsteigers nach dem ersten Saisondrittel sein. Schließlich hatten viele Trainerkollegen im Vorfeld Coulibaly und sein Team als positive Saisonüberraschung auf dem Zettel.
Beeindruckend sind die Zahlen trotzdem: 19 Punkte aus zehn Spielen, dazu mit 33 Treffern die zweitbeste Offensive der Liga. Ein Spiel ist sogar noch offen: Das Heimspiel am 14. September gegen Odenkirchen II wurde beim Stand von 2:0 für Korschenbroich nach einer Rudelbildung abgebrochen. Zählt man diesen Dreier hinzu, wäre der VfB gar Tabellenzweiter – punktgleich mit dem Rheydter SV, der allerdings zwei Partien weniger absolviert hat.
Für Coulibaly ist der RSV der große Meisterfavorit. Für seinen VfB gibt er die Parole aus: auf dem Boden bleiben. Allerdings sieht er auch noch Luft nach oben. 33 Tore? Für Coulibaly fast zu wenig angesichts der Torchancen, die sein Team herausspielt. Ergebnisse wie ein 6:1 gegen den Polizei SV und den SV Schelsen sowie ein 7:2 bei BW Wickrathhahn stechen heraus. Doch Coulibaly sieht auch die anderen Spiele, beispielsweise ein 2:2 in Rheindahlen oder ein 1:1 gegen den ASV Süchteln II, in denen aus seiner Sicht mehr als ein Remis hätte herausspringen müssen. „Wir hätten noch mehr Tore erzielen können. Wir lassen noch zu viele Chancen ungenutzt“, sagt er.
In der Kreisliga B deklassierte der VfB in der vergangenen Saison die Gegner und erzielte 127 Tore in 28 Spielen, also mehr als vier Treffer pro Partie. Diese Qualitäten stellt die Mannschaft auch eine Liga höher unter Beweis. Dabei kam der Toptorjäger der Vorsaison, Albin Zejnaj, der 31 Treffer erzielte, in dieser Spielzeit verletzungsbedingt erst zu zwei Kurzeinsätzen. Dafür überzeugt derzeit der 21-jährige Kyriakos Koutras mit neun Toren aus neun Spielen. „Kyriakos hat momentan einfach Spaß am Fußball. Wir kennen sein Potenzial – er gehört zu den schnellsten Spielern der Liga“, sagt sein Trainer.
Ebenso wichtig ist die Verpflichtung von Routinier Ali Salgin. „Er tut den Jungs mit seiner Erfahrung gut. Er kennt die Liga, motiviert die jungen Spieler und reißt sie mit“, sagt Coulibaly. Torgefahr erzeugt Salgin ebenfalls: fünf Tore und vier Assists in sieben Spielen. Auch im Austausch mit dem Trainerteam sei der 43-Jährige wichtig, betont Coulibaly, der selbst drei Jahre jünger als Salgin ist.
Abgesehen von Salgin verfügt die Mannschaft über wenig Erfahrung in der Kreisliga A oder höheren Ligen. Gerade diese Unbekümmertheit könnte jedoch ein Schlüssel zum Erfolg sein. „Es ist für uns eine neue Liga. Wir gehen jedes Spiel mit großer Freude an und haben Spaß auf dem Platz“, sagt Coulibaly. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der junge Kader bringt eine Menge fußballerisches Potenzial mit. Zehn Spieler sammelten Erfahrung in den Nachwuchsteams von FC Wegberg-Beeck, 1. FC Mönchengladbach, Rot-Weiß Oberhausen oder dem KFC Uerdingen.
Ein Saisonziel möchte Coulibaly vorerst nicht aussprechen. Zum Topspiel kommt es in einer Wochen im Duell mit dem Rheydter SV, bei dem es möglicherweise um die Tabellenführung geht. In Korschenbroich kann für die kommenden Jahre etwas entstehen, so die Hoffnung der Verantwortlichen.
