
Es war für beide Mannschaften eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Am Ende von 90 intensiven Minuten in einer von sehr vielen Zweikämpfen und viel Tempo geprägten Partie vor 550 Zuschauern in Veldenz durfte die bessere Mannschaft den Kreispokal in die Höhe recken: Hatte die SG Laufeld/Buchholz vor fast auf den Tag genau vor drei Jahren – es war der 26. Mai 2023 – noch ihr Kreispokalendspiel gegen den gastgebenden SV Gonzerath in der Verlängerung mit 1:3 verloren, so schnappten sich die Vulkaneifeler diesmal den Cup.
Dabei sah es lange Zeit nicht nach einem Triumph des Teams von Oleg Tintor aus. Denn im ersten Durchgang agierten die Vereinigten aus Neumagen-Dhron, Trittenheim, Leiwen und Köwerich wacher, handlungsschneller und hatten die besseren Chancen. Ein Distanzschuss von Kapitän Lukas Bollig strich so knapp über den Querbalken. Anschließend klärte der starke Laufelder Abwehrchef Peter Borsch gegen Nils Hasenstab zur Ecke. Der Neumagener wurde später als bereits ausgewechselter Spieler wegen Meckerns mit Gelb-Rot bestraft (80.).
Laufelds Keeper Stefan Stroh rettete anschließend vor dem einschussbereiten Mike Hauser (30.). Im ersten Abschnitt war beiden Mannschaften die Nervosität anzumerken. Viel Taktieren, viel Hektik und etliche Fehlpässe ließen keinen Spielfluss aufkommen.
Das Finale am Freitagabend in Veldenz wirkte trotz der ausgezeichneten Stimmung auf den Rängen lange Zeit zerfahren. Großes Risiko wollte niemand gehen. Plötzlich zeigte Schiedsrichter Luis Herrig aber auf den Punkt: Als ein Neumagener den Fuß draufhielt und Finn Schmitz zu Fall kam, hätte der sonst so sichere Schütze Steven Koch die Tintor-Elf per Elfmeter in Führung bringen können, doch der Schuss des erfahrenen Mittelfeldstrategen flog rund eineinhalb Meter am linken Lattenkreuz vorbei (42.). „Wir kriegen keinen zweiten Ball“, kritisierte Laufelds Coach Tintor das mangelnde Zweikampfverhalten kurz vor der Pause. Doch bevor die Vulkaneifeler das Zepter übernahmen, zappelte der Ball im eigenen Tor. Nach einer guten Aktion im Mittelfeld schnappte sich der technisch beschlagene Raimo Wöhl die Kugel und traf aus gut 20 Metern per Dropkick sehenswert ins Schwarze. Die Führung der Moselaner war zu diesem Zeitpunkt verdient (49.). Nach einer Stunde erhöhte Laufeld/Buchholz die Schlagzahl, blieb zunächst aber nur über Standards gefährlich. Michael Schiefer verstolperte vorm Sechzehner, Florian Bros‘ Schuss wurde geblockt. Anschließend verhinderte Torwart Stefan Stroh per Faustabwehr das 0:2, als Wöhl aus 13 Metern zum Abschluss gekommen war (67.).
Interview mit Marc Lemmermeyer, Trainer der SG Neumagen/Leiwen
Doch in der Szene danach zog Laufeld/Buchholz das Momentum auf seine Seite: Neumagens Torwart Jakob Lang holte Kapitän Bastian Schmitz von den Beinen, sodass Schiri Herrig gar nichts anderes übrig blieb, als zum zweiten Mal auf den Punkt zu zeigen. Diesmal trat der 20-jährige Finn Schmitz an – und verlud Lang mit einem platzierten Schuss ins linke untere Eck (68.).
Der neben Thomas Schömer jüngste Akteur der Laufelder hatte Augenblicke später bereits das 2:1 auf dem Fuß, doch diesmal blieb Lang der Sieger. Laufeld dominierte die Partie in der Folge, während die Mannschaft von Trainer Marc Lemmermeyer völlig die Linie und zwei Minuten vor Schluss auch noch Janis Kettern aufgrund einer Roten Karte nach einem groben Foulspiel an Alexander Stolz verlor (88.). Fünf Minuten zuvor hatten die Vulkaneifeler die Partie gedreht. Nach einer Kombination über Jakob Schouren verwertete Jonas Salzburger den Querpass von Koch zum viel umjubelten Siegtreffer (83.).
Peter Borsch, Abwehrspieler der SG Laufeld
Wenig später skandierte der Laufelder Anhang: „Hier regiert die SGL“ und bereitete sich auf die anschließende Jubelprozedur mit der Mannschaft vor. Völlig niedergeschlagen und enttäuscht sagte Neumagens Coach Lemmermeyer, dass „unsere Leistung insgesamt nicht gut genug war, dieses Finale zu gewinnen. Wir haben heute so viele lange Bälle geschlagen wie in der ganzen Saison nicht. Nach dem Ausgleich haben wir nicht mehr in unseren Rhythmus gefunden und hatten gar keine richtige Geduld. Laufeld wollte dann einfach viel mehr und hat uns über seine Standards das Leben schwer gemacht.“
Oleg Tintor, Trainer des Kreispokalsiegers SG Laufeld/Buchholz
Sachlich in der Analyse, aber glücklich wirkte Laufelds Trainer Oleg Tintor: „Es war lange Zeit ein Spiel auf Augenhöhe, wobei Neumagen in der ersten Halbzeit spielerisch die bessere Mannschaft war. Wir müssen durch den Elfmeter in Führung gehen, kamen auch gut in die zweite Halbzeit rein, haben beim Gegentor aber auch schlecht verteidigt. Unterm Strich haben wir aber verdient gewonnen. Ich habe den Jungs gesagt, dass Fußball ein Laufspiel ist und das Finale über gewonnene Zweikämpfe entschieden wird. Das haben sie über weite Strecken in der zweiten Halbzeit sehr gut umgesetzt. Jeder hat für den anderen vorbildlich gekämpft.“
SG Laufeld/Buchholz – SG Neumagen/Leiwen⇥ 2:1 (0:0)
Laufeld/Wallscheid/Niederöfflingen/Buchholz/Manderscheid/Hasborn: Stroh – Stolz (80. Schouren), Schömer, Borsch, Dominik Schmitz, Koch, Finn Schmitz (90. Weber), Bastian Schmitz (90.+2 Jany), Salzburger (90.+4 Wahsweiler), Schiefer, Bros
Neumagen-Dhron/Trittenheim/Leiwen-Köwerich: Jakob Lang – Kettern, Bollig, Julius Lang (85. Schneider), Heinsdorf, Lemmermeyer (63. Jakobi), Schönenberger (54. Brandscheid), Nisius (77. Zirbes), Wöhl, Hauser, Hasenstab (67. Hoffmann)
Schiedsrichter: Luis Herrig (Föhren)
Zuschauer: 550 in Veldenz
Tore: 0:1 Raimo Wöhl (49.), 1:1 Finn Schmitz (68., Foulelfmeter), 2:1 Jonas Salzburger (83.)
Besondere Vorkommnisse: Steven Koch (Laufeld) schießt einen Foulelfmeter vorbei (42.), Gelb-Rote Karte für Nils Hasenstab (80.), Rote Karte für Janis Kettern (88., grobes Foulspiel, beide SG Neumagen)